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Der Bewerbungscoach : „Wie gehe ich mit Gesprächspartnern um, die mich von oben herab behandeln?“

  • -Aktualisiert am

Jochen Mai ist Karriereberater, Autor zahlreicher Bücher sowie Gründer und Chefredakteur von Karrierebibel.de. Im Hochschulanzeiger beantwortet er regelmäßig eure Bewerbungsfragen. Bild: Sylvia Wolf

Herr Mai, was kann ich tun, wenn ich im Vorstellungsgespräch von oben herab behandelt werde? Schließlich geht es doch eigentlich für beide Seiten gleichermaßen darum, sich kennenzulernen.

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          Letztlich können Sie nicht viel tun. Wer Sie von oben herab und wie einen lästigen Bittsteller behandelt, offenbart damit eine Unternehmenskultur, die auf starken Hierarchien basiert, wo sich der Wert eines Mitarbeiters am Arbeitspensum oder der Gehaltsklasse misst. Es wäre naiv anzunehmen, dass sich das zur Schau gestellte Verhalten nach der Einstellung um 180 Grad wendet und man Ihnen plötzlich mit Respekt und Wertschätzung begegnet.

          In Ihrem Fall gibt es nur zwei Optionen: Sie verbuchen das Ganze unter „Erfahrung“ und lehnen das Jobangebot dankend ab. Oder aber Sie riskieren alles (auch eine Absage), wechseln in die Metaebene und sprechen die Situation offen an: „Ich habe das Gefühl, Sie betrachten mich als Bittsteller, der dringend einen Job braucht. Wie kommen Sie darauf?“ Entweder geht der Personaler darauf ein und begegnet Ihnen wieder auf Augenhöhe – oder er wird noch grober, nach dem Motto: „Brauchen Sie doch auch, sonst hätten Sie sich nicht beworben!“

          Wenn es so läuft, sollten Sie das Ganze sportlich sehen, nicht persönlich nehmen und dürfen auch gern kontern: „Ich dachte, ich hätte mich nicht bei der Wohlfahrt beworben, sondern bei einem Unternehmen, das Talente und Mitarbeiter im Wortsinn sucht. Hab ich mich da etwa geirrt?“ Was haben Sie schon zu verlieren – Sie sind ja eben kein Bittsteller.

          Für die Zukunft aber sollten Sie sich natürlich auch noch mal selbstkritisch fragen, ob vielleicht Ihr Auftritt, Ihre Körpersprache oder Ihre Selbstpräsentation Sie haben kleiner wirken lassen. Daran lässt sich ebenfalls arbeiten.

          Jochen Mai ist Karriereberater, Autor zahlreicher Bücher sowie Gründer und Chefredakteur von karrierebibel.de. Im Hochschulanzeiger beantwortet er regelmäßig eure Bewerbungsfragen.

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