https://www.faz.net/-gyl-qumd

Bewerbung : Nur in den ersten Wochen greift das Welpenschutzprogramm

Nicht nur die Mappe, auch die Pflege der Hände kann entscheiden Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Viele Arbeitgeber misstrauen Zeugnissen und achten deshalb auf die Umgangsfromen und das Verhalten der Bewerber. Wer Erfolg haben will sollte wissen, was richtig uns was falsch ist.

          5 Min.

          "Ich erhalte immer wieder Bewerbungsschreiben an Herrn Sylvia Knecht oder Schreiben, in denen noch der Name des Vorgängers steht", sagt Sylvia Knecht und wundert sich. Nach "Herr" sieht die verbindlich-energische Mitarbeiterin der DIS (Deutscher Industrie Service) AG nun wirklich nicht aus.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Manche Serienbewerbungen werden noch unterirdischer, indem sie sich in nichtssagenden Phrasen ergehen: "Gerne würde ich auch in Ihrem Unternehmen einer Tätigkeit nachgehen." Und in welchen anderen Unternehmen? Da waren wohl die Textbausteine verrutscht.

          "Die Quantität nimmt zu, die Qualität der Bewerber nimmt ab", resümiert Sylvia Knecht, die in der Düsseldorfer Zentrale des Personaldienstleisters arbeitet, des "Marktführers in der Überlassung und Vermittlung von Fach- und Führungskräften".

          Arbeitgeber bemängeln fehlende Softskills

          In Anbetracht solch grober Bewerbungsfehler versagt mitunter auch Knechts rheinischer Mutterwitz. Bei dem Zeitarbeitsunternehmen gehen im Jahr rund 290000 Bewerbungen ein. "160000 Gespräche führen wir selbst", sagt die promovierte Politologin und Juristin. Wir, das sind 7000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 265 Millionen Euro machen und "Mittler zwischen Wirtschaft und Bewerber sind".

          Sie treten zum Beispiel dann auf den Plan, wenn der Computerhersteller Dell 400 Mitarbeiter für das Businesscenter im ostdeutschen Halle einstellen möchte. Dann werden auf Recruiting-Veranstaltungen 15000 Bewerber näher angeschaut. Neben den fachlichen Voraussetzungen stehen - wie inzwischen kaum ein Unternehmen zu betonen vergißt - die weichen Eigenschaften im Fokus.

          "Wir schauen intensiv auf die Softskills, denn deren Fehlen bemängeln einer Studie zufolge 25 Prozent der befragten Arbeitgeber. Unser Kunde sagt beispielsweise: Wir suchen einen technischen Leiter, der intern ein Team leiten soll. Wenn dieser nicht kommunikationsfähig ist, dann wird er scheitern. Oder er ist ein Querschläger und wäre selber gerne Leiter geworden, auch das würde schiefgehen."

          Schlechtes Benehmen befremdet

          Zum runden Wunschprofil gehört auch Souveränität im Auftreten, und das schließt die Kleiderfrage mit ein. Selbstverständlichkeiten, die offenbar alles andere als selbstverständlich sind. So berichtet Sylvia Knecht von einer aufgeweckten Praktikantin, die jetzt zur Bürokauffrau ausgebildet wird. Allerdings erscheint die Auszubildene gerne auch mal im bauchfreien Top unter dem Hosenanzug.

          "Sie hat kein Bewußtsein dafür, daß das den Vorstand, der auch auf ihrer Etage arbeitet, befremdet. Die junge Frau lebt so in ihrer eigenen Welt, daß sie das Problem nicht sieht", sagt Sylvia Knecht. Nach ihrer Einschätzung stellt gutes Benehmen bei immer mehr jungen Leuten "ein grundsätzliches Problem dar". So wie bei dem jungen Assistenten, der ohne anzuklopfen in Büros stürmt, mit ausgebeulter Sporttasche auf Dienstreise geht oder vor dem Dessertbesteck beim Geschäftsessen kapituliert - garniert mit einem flotten Spruch.

          Weitere Themen

          Hoffnung am Ausbildungsmarkt

          Mehr neue Lehrlinge : Hoffnung am Ausbildungsmarkt

          Baufirmen, Arztpraxen, Industriebetriebe – überall werden noch junge Menschen gesucht. Immer mehr Jugendliche beginnen eine Ausbildung. Die lähmende Krise auf dem Ausbildungsmarkt verflüchtigt sich.

          Topmeldungen

          Siegte zwei Mal ohne Kampf: Tohar Butbul in Tokio

          Kampf gegen Israeli verweigert : Feinde und Freunde

          Judoka Tohar Butbul aus Israel wird auf olympischer Bühne Opfer des Antisemitismus. Leider kann man nicht auf die hoffen, die die Regeln machen, sondern meist nur auf die, die ihnen unterworfen sind. Das zeigt ein anderes Beispiel.
          Der frühere Chefberater von Präsident Trump,Steve Bannon, im August 2017 in Washington

          In Italien : Bannons geplatzter Traum von der „Gladiatorenschule“

          In der ehemaligen Abtei Trisulti bei Rom wollte der frühere Trump-Berater Steve Bannon eine rechtskonservative „Gladiatorenschule“ einrichten. Doch nun musste sein Vertrauter die Immobilie an den italienischen Staat zurückgeben.

          Riesige Rauchwolke : „Wir haben noch eine Gefährdungslage“

          Auf dem Gelände der Sondermüllverbrennungsanlage des Chemieparks in Leverkusen explodieren drei Tanks. Ein Mensch stirbt, Dutzende werden verletzt. Noch werden Arbeiter vermisst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.