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Informatik bei Carl Zeiss : „Die erste Hürde für den typischen Informatiker ist es, sich zu öffnen und die eigenen Soft Skills zu stärken“

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Kilian Neumaier, 24, hat Medieninformatik an der Hochschule Aalen studiert (Bachelor 2017). Bild: Carl Zeiss AG

Kilian Neumaier arbeitet als Software-Entwickler im strategischen Geschäftsbereich Industrial Quality Solutions bei der Carl Zeiss AG. Warum er bei Zeiss eingestiegen ist, erzählt er im Interview.

          3 Min.

          Herr Neumaier, welche Rolle spielt Ihr Informatikstudium für Ihre heutige Tätigkeit?

          Das Informatikstudium und die Vertiefung zur Medieninformatik haben mich gut auf meine heutige Tätigkeit vorbereitet. Meine tägliche Arbeit umfasst viele Teilbereiche der Informatik, unter anderem habe ich mit Bildverarbeitungsalgorithmen oder Computergrafiken in Form von CAD-Darstellungen und Fragen zur Benutzerfreundlichkeit des User-Interfaces zu tun. In dieser Hinsicht bildet das Informatikstudium ein stabiles Fundament, auf dem ich meine Fähigkeiten als Software-Entwickler stetig weiterentwickeln kann.

          Warum haben Sie sich für eine Karriere im Maschinen- und Anlagenbau entschieden?

          Die Technik komplexer Maschinen hat mich schon immer interessiert, auch wenn ich sie nicht immer im Detail verstanden habe. Dennoch habe ich mich nicht aktiv für eine Karriere im Maschinenbau entschieden, sondern bin vielmehr zufällig dort gelandet.

          Wie sind Sie beruflich eingestiegen?

          Im Rahmen des Informatikstudiums musste ich ein Pflichtpraktikum absolvieren. Da mir das Studium zu wenig technische Vorlesungen, wie zum Beispiel Elektrotechnik oder Signalverarbeitung, beinhaltete, absolvierte ich ein Praxissemester bei Zeiss im Bereich Elektronikentwicklung. Dort hatte ich die Gelegenheit, Software zur Bedienung von Koordinatenmessgeräten zu entwickeln – und war sofort begeistert von den Technologien der Messgeräte. Aus meinem Praktikum wurde eine Werkstudententätigkeit und – nach dem Abschluss – eine Festanstellung als Software-Entwickler.

          Welche Qualifikationen waren Ihren Ansprechpartnern im Bewerbungsgespräch wichtig?

          Beim Bewerbungsgespräch spielte natürlich die fachliche Kompetenz eine große Rolle. Ein Eisbrecher war sicherlich, dass ich bereits bei Zeiss beschäftigt war und so in gewisser Weise meine Fähigkeiten dort schon einmal unter Beweis gestellt hatte. Für die Zusage war aber auch ausschlaggebend, dass meine persönliche Einstellung und meine persönlichen Werte ins Team und zum Unternehmen passen.

          Wie ist das Bewerbungsgespräch abgelaufen?

          Das erste Bewerbungsgespräch für meine jetzige Stelle hatte ich, als ich noch als Werkstudent tätig war. Es war zunächst ein informelles Gespräch, ohne konkrete Bewerbung meinerseits. Ich wollte mich in der Software-Abteilung über die vakante Stelle informieren und habe den Ansprechpartnern eine E-Mail geschrieben. Wir arrangierten ein Treffen, bei dem wir über meine Vorkenntnisse und über die Anforderungen der Stelle sprachen. Das Gespräch war zwanglos und fühlte sich nicht wie ein offizielles Bewerbungsgespräch an. Das zweite Bewerbungsgespräch wurde dann in Gegenwart der Personalreferentin und des Abteilungsleiters geführt.

          Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

          Das ist eine Mischung aus vielen unterschiedlichen Tätigkeiten. Neben dem Programmieren und Entwickeln von Software-Lösungen spielt die enge Abstimmung mit Kollegen eine große Rolle. Wir haben teaminterne Regeltermine, bei denen wir den aktuellen Stand unserer Projekte besprechen, mögliche Probleme ansprechen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Darüber hinaus stimmen wir uns aber auch mit anderen Teams ab. Beinahe täglich stehen wir weltweit in Kontakt mit Kollegen aus verschiedenen Abteilungen, Bereichen und Sparten. Klar, dass manche Meetings und Telefonate auf Englisch stattfinden.

          Was sind Ihre beruflichen Ziele?

          Mein langfristiges Ziel ist es, mehr Verantwortung zu übernehmen, sei es als Team-, Projekt- oder Abteilungsleiter. Ich weiß natürlich nicht, was die Zukunft noch alles so mit sich bringt, und möchte mich da auch noch nicht festlegen. Für den Anfang versuche ich, mich im Team zu eta­blieren und mein Fachwissen zu vertiefen.

          Was würden Sie Studierenden raten, die als Informatiker im Maschinen- und Anlagenbau einsteigen möchten?

          Viele Informatiker sind introvertierte Menschen, die in ihrer eigenen kleinen Welt arbeiten und den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringen. Aus meiner Erfahrung ist die erste Hürde für den typischen Informatiker, sich zu öffnen und die eigenen Soft Skills zu stärken. Keiner will Eigenbrötler in seinem Team haben, denn für eine erfolgreiche Zusammenarbeit muss man sich in Diskussionen einbringen und sein Wissen teilen. Mir persönlich hat es sehr geholfen, Arbeitsergebnisse vor vielen Menschen zu präsentieren. Man bekommt automatisch mehr Selbstbewusstsein, wenn man auf seine Arbeit stolz ist und die eigenen Erfolge auch anderen zeigen darf.

          Kilian Neumaier, 24, hat Medieninformatik an der Hochschule Aalen studiert (Bachelor 2017) und arbeitet heute bei der Carl Zeiss AG als Software-Entwickler im strategischen Geschäftsbereich Industrial Quality Solutions. Die Messgeräte bei Zeiss werden unter anderem für Präzisionsteile in kritischen Bereichen eingesetzt, wie etwa in der Medizintechnik oder im Flug- und Fahrzeugbau. Neumeiers Team ist auf die optische Vermessung von Bauteilen mittels Verarbeitung von Bilddaten spezialisiert.

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