https://www.faz.net/-gyl-7lskf

Beruf und Familie : Arbeiten bis zur Rente? Nein, danke!

  • Aktualisiert am

Rentnerparadies: Jeder Dritte will vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden Bild: Michael Staudt / VISUM

Die Politik redet sich über die Rente mit 67 die Köpfe heiß, Arbeitgeber wollen Fachkräfte lange halten. Doch jeder dritte Betroffene hat ganz andere Pläne.

          1 Min.

          Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Deutschland stellen sich den Übergang in die Rente völlig unterschiedlich vor. Von den 45 bis 60 Jahre alten Beschäftigten wollen nur 28 Prozent bis zum gesetzlichen Rentenalter voll erwerbstätig bleiben. Die Arbeitgeber gehen jedoch davon aus, dass 61 Prozent ihrer Mitarbeiter bis zum Schluss ganztags arbeiten. Das ergab eine repräsentative GfK-Umfrage „Arbeit und Alter“.

          „In den kommenden Jahren steht die Arbeitswelt vor einer
          historisch einmaligen Herausforderung“, sagte Stefan Becker, der
          Geschäftsführer der Initiative Beruf und Familie. Die Tochter der
          gemeinnützigen Hertie-Stiftung hat die Umfrage in Auftrag gegeben.
          Denn mit den geburtenstarken Jahrgängen erreichten bis 2029 rund 20 Millionen Menschen das Rentenalter. Gut jeder vierte (26 Prozent) Befragte will in den letzten Jahren vor der Rente nur noch Teilzeit arbeiten, und etwa jeder Dritte (34 Prozent) will zwar bis zum Schluss voll arbeiten, aber vorzeitig in Rente gehen; 8 Prozent möchten dagegen auch nach dem gesetzlichen Renteneintrittsalter noch ganz oder in Teilzeit arbeiten;  3 Prozent streben eine reduzierte Erwerbstätigkeit vor und nach Beginn ihrer Rente an.



          Unternehmen müssen nachbessern

          Angebote der Unternehmen für einen flexibleren Übergang vom Job in die Rente seien aber noch Mangelware, kritisierte Becker. Es gebe zwar punktuelle Angebote, aber noch kein neues Denken. „Viele
          Angebote der Arbeitgeber treffen gar nicht den Bedarf der
          Mitarbeiter.“ „Zwei Drittel der Arbeitgeber bieten keine Maßnahmen an, um die Erwerbstätigkeitsphase älterer Beschäftiger zu verlängern“, sagte Becker. Und nur 15 Prozent planten dies künftig zu tun. Mehr als die Hälfte der befragten Beschäftigten (56 Prozent) wünsche sich aber, dass ihr Arbeitgeber Angebote machte, damit sie leichter bis zum Rentenalter oder auch darüber hinaus berufstätig sein könnten. Am größten sei das Interesse (75 Prozent) dabei an flexibleren Arbeitszeitmodellen. Befragt wurden je 500 Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Zeit vom 6. bis 11. November. Die Initiative engagiert sich seit rund 15 Jahren für die Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

          Weitere Themen

          Plötzlich selbständig

          Nebenjobs in der Krise : Plötzlich selbständig

          Während Corona haben viele Studierende ihre Nebenjobs verloren. Aber es gibt auch noch jetzt Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Einige davon sind online und kontaktlos – jedoch nicht ganz ohne Haken.

          Topmeldungen

          Burak Yilmaz (32), Pädagoge, im Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie in Duisburg

          Junge Migranten : Was gehört zu Deutschland?

          Das Dirndl? Die Shisha-Pfeife? Die Juden? Junge Migranten aus Duisburg sprechen mit einem Sozialarbeiter über Identität und Geschichte. Und warum der Holocaust zur Diskussion über heutige Werte führt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.