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Unternehmensberater : Boston Consulting Group will 800 neue Mitarbeiter einstellen

BCG-Deutschlandchef Matthias Tauber Bild: BCG/Rudolf Wichert

Trotz der Coronavirus-Ausbreitung hält die Unternehmensberatung an ihren Expansionsplänen fest. Die Epidimie werde die Wirtschaft aber verändern, sagt BCG-Deutschlandchef Matthias Tauber.

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          „In diesem Jahr wollen wir 800 neue Mitarbeiter einstellen, davon zwei Drittel Berater - so viele wie nie zuvor“, sagte BCG-Deutschland-Chef Matthias Tauber am Dienstagabend bei der Vorstellung der Zahlen in Düsseldorf vor Journalisten. Die Zahl der Einstellungen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, 2017 hat das Beratungsunternehmen in Deutschland und Österreich zusammen rund 500 neue Mitarbeiter eingestellt, im Jahr 2018 waren es schon rund 750. Aufgrund der hohen Mitarbeiter-Fluktuation in der Branche dürfte dabei allerdings grob die Hälfte der Neueinstellungen nötig sein, um schon vorhandene Stellen wieder neu zu besetzen.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das vergangene Jahr war das beste in der Unternehmengeschichte: Der globale Umsatz ist auf rund 8,5 Milliarden Dollar gestiegen, das entspricht währungsbereinigt einer Zunahme um rund 14 Prozent. Damit gelang BCG das sechste Jahr in Folge ein zweistelliges Wachstum. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Umsatz international mehr als verdreifacht. Die Mitarbeiterzahl stieg im vergangenen Jahr auf 21 000, das sind ebenfalls dreimal so viele wie noch vor zehn Jahren.

          Auch hierzulande habe der Umsatz im vergangenen Jahr zweistellig zugelegt, sagte BCG-Deutschland-Chef Tauber. Angetrieben wurde das Geschäft zuletzt, weil sich Unternehmen Hilfe geholt haben, um sich für wirtschaftlich schwierigere Zeiten zu rüsten. Zwar veröffentlicht BCG seit einigen Jahren keine Umsatzzahlen mehr zu einzelnen Ländern, fortgeschrieben mit den publizierten Wachstumsraten dürfte der Umsatz in Deutschland und Österreich jetzt bei rund 1 Milliarde Euro im Jahr liegen. Unter den Strategieberatern liegt BCG damit hierzulande auf Rang zwei hinter dem Marktführer McKinsey, dessen Umsätze noch etwas darüber liegen.

          Krisen bieten Chancen für neue Geschäftsmodelle

          Befragt nach den Folgen des Coronavirus auf das Geschäft, antwortete Tauber zögernd, er wolle Prognosen hinsichtlich des Verlaufs der Epidemie lieber Virologen überlassen. BCG rechne wirtschaftlich mit einer "V-förmigen-Entwicklung", also einem recht starken Einbruch, der aber auch schnell wieder vorübergehen könnte. In dieser Art hätten sich zumindest bislang "pandemische Schocks" oft entwickelt.

          „Krisen dieser Art lösen große Veränderungen aus", sagte Tauber, oftmals hätten sich in deren Verlauf auch Chancen für neue Geschäftsmodelle gezeigt. So sei der Aufstieg des chinesischen Internetkonzerns Alibaba eng verknüpft mit dem Ausbruch der Sars-Epidemie in den Jahren 2002 und 2003. Auch die neue Corona-Epidemie dürfte "strukturelle Veränderungen" in der Wirtschaft auslösen. Auftrieb könnte die Epidemie etwa dem E-Learning geben, das zeige sich schon deutlich in Asien, nachdem dort Schulen geschlossen wurden. Auch Lieferservices und digitale Kommunikationsplattformen könnten profitieren.

          Nochmals ein Rekordjahr für die Unternehmensberater

          Der Höhenflug der Unternehmenberater hat sich im vergangenen Jahr nur leicht abgeschwächt. Der Umsatz der Branche in Deutschland ist 2019 erstmals über 35 Milliarden Euro gestiegen, das entspricht einem Anstieg von rund 5,7 Prozent. Trotz Konjunktureintrübung seien die Geschäfte "erstaunlich gut gelaufen", sagte Ralf Strehlau, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) am Mittwoch, als er die Zahlen präsentierte. Die ursprüngliche Prognose habe man zwar nicht ganz erreicht, das Wachstum der Branche liege aber deutlich über dem des Bruttoinlandsprodukts.

          Welchen Einfluss das Coronavirus auf das Beratergeschäft habe, lasse sich noch nicht quantifizieren. Eine Blitzumfrage unter 400 Beratungsunternehmen von vergangenem Donnerstag bis Montag Anfang dieser Woche habe ergeben, dass rund ein Viertel der befragten Beratungsunternehmen schon jetzt mit einem Umsatzrückgang rechnet. Dennoch gibt sich der Verband optimistisch: Das Virus werde die Berater zwar treffen, "aber eher unterdurchschnittlich", sagte Strehlau. Insgesamt dürfte die Nachfrage "stabil bleiben". Zwar würden manche Projekt jetzt verschoben, dafür gebe es im Gegenzug neuen Beratungsbedarf, etwa bei der Umstellung von Lieferketten und in der Sanierungsberatung. Beide Felder dürften "eine Sonderkonjunktur erleben". Die Berater selbst kämen mit der Umstellung der Arbeitsweise gut zu recht: "Homeoffice und Videokonferenzen sind in der Branche etabliert", sagt Strehlau. Berater hätten schon immer ihre Laptops mit nach Hause genommen: "Das ist gelebte Praxis und muss jetzt nicht neu eingeführt werden."

          Der Verbandspräsident zeigte sich auch erleichtert, dass der Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Berateraffäre im Verteidigungsministerium "relativ unkritisch für die Branche gelaufen ist". Es habe sich zwar gezeigt, dass einzelne Vergabeverfahren nicht den Regeln entsprechend abgelaufen seien, aber es habe kein systematisches Buddy-System gegeben. Das Image der Branche sei - trotz etlicher Negativschlagzeilen - kaum in Mitleidenschaft gezogen worden. (tine.)

           

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