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Baden-Württembergs Schulen : Viel Erkenntnis und großer Handlungsverzug

Muss rasch umsteuern: Kultusministerin Theresa Schopper Bild: dpa

Baden-Württemberg weiß schon lange, wo die Schwächen des eigenen Bildungssystems liegen, reagiert aber zu langsam. Die vor zehn Jahren empfohlene Stärkung der frühkindlichen Bildung wurde bis heute nicht eingelöst.

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          Am Befund über die mangelnde Qualität des baden-württembergischen Schulsystems lässt sich nicht rütteln. Sowohl die VERA-Vergleichsstudie über die Leistungen der Achtklässler in Rechtschreibung und Mathematik als auch jetzt der IQB-Bildungstrend der Berliner Bildungsforscherin Petra Stanat für die Grundschulen zeigen: Das frühere Musterbildungsland hat ein Problem. In der Sonderauswertung des IQB-Bildungstrends für Baden-Württemberg – befragt wurden 1677 Schüler an 91 Schulen – heißt es: 19 Prozent der Schüler erreichen beim Lesen und Zuhören die Mindeststandards nicht, 28 Prozent in der Orthographie. Und im Fach Mathematik sind es 20 Prozent. Die Leistungen von Schülern aus Einwandererfamilien und aus sozial benachteiligten Familien sind seit 2016 noch einmal abgesackt. Beim Zuhören zum Beispiel erreichten im vorausgegangenen Bildungstrend 37 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund den Mindeststandard nicht, jetzt sind es 46 Prozent.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der Anteil der Grundschüler, in deren Familien ausschließlich Deutsch Familiensprache ist, beträgt nur noch 50 Prozent. Aber auch bei Kindern aus diesen Familien stieg der Anteil derjenigen, die den Mindeststandard nicht erfüllen, von neun auf 23 Prozent. Beim Lesen und beim Zuhören ist Baden-Württemberg schlechter als der Durchschnitt aller Bundesländer – und der Kompetenzrückgang hat sich seit 2016 sogar noch einmal verstärkt. In Bayern, mit dem sich Baden-Württemberg sonst gern vergleicht, erreichen in allen vier gemessenen Bereichen (Lesen, Zuhören, Orthographie und Mathematik) deutlich mehr Kinder den Mindeststandard. Die Hamburger Grundschüler sind zumindest im Zuhören und Lesen besser. Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sagt, die Abwärtsbewegung sei insgesamt „gebremst“ worden, sieht jedoch Handlungsbedarf: „Außer der Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler die Schule grundsätzlich als positiv erleben, dürfen uns die Ergebnisse nicht zufriedenstellen. Denn Lesen, Zuhören und Rechnen sind für das weitere Lernen von zentraler Bedeutung und als Basiskompetenzen Grundlage für einen erfolgreichen Bildungs- und Berufsweg.“

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