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Arbeitsschutz : Arbeitsministerin will Regeln gegen Handy-Stress

Muss ein Arbeitnehmer wirklich allzeit bereit für seinen Chef sein? Bild: dpa

Wann muss ich meine Arbeits-Mails auf dem Smartphone checken? Muss ich ans Handy gehen, wenn der Chef am Wochenende anruft? Nach der Forderung von Arbeitsministerin von der Leyen nach klaren Erreichbarkeits-Regeln äußern sich nun Wissenschaftler und Arbeitsrechtler.

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          Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fordert zum Schutz der Arbeitnehmer eine deutliche Trennung von Arbeit und Freizeit. „Es muss klare Regeln in einem Betrieb geben, was die Erreichbarkeit über Handy und E-Mail angeht“, sagte von der Leyen am Dienstag in Berlin. „Diese Regeln müssen vom Arbeitgeber gesetzt werden, aber auch von den Beschäftigten gelebt werden.“ So wie es Arbeitsschutzmaßnahmen wie Bauhelme gebe, müsse es auch psychischen Arbeitsschutz geben. „In der Freizeit sollte Funkstille herrschen“, sagte sie. Eine entsprechende Verschärfung des Arbeitschutzgesetzes plant die Ministerin allerdings nicht.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Von der Leyen sagte, die Gesellschaft müsse „lernen, mit diesen Techniken zurechtzukommen, damit nicht die Techniken uns beherrschen und unser Leben dominieren, sondern wir die Techniken beherrschen“. Durch das Arbeitsschutzgesetz sei bereits geregelt, dass Unternehmen ihre Beschäftigten auch vor zu hoher psychischer Belastung schützen müssten. Das Gesetz sehe schon Strafen vor, wenn diese Vorgaben nicht beachtet würden, betonte die Ministerin.

          Nach einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom sind 88 Prozent der Berufstätigen auch außerhalb ihrer Arbeitszeit über Handy oder E-Mail erreichbar. Im Frühjahr hatte zudem eine Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) für Aufsehen gesorgt. Darin gaben die Beschäftigten an, dass für sie die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit mehr und mehr verschwimmen: Gut ein Viertel (27 Prozent) der Beschäftigten muss der Befragung zufolge sehr häufig oder oft auch in der Freizeit für die Arbeit erreichbar sein. Jeder Siebte (15 Prozent) arbeitet sogar sehr häufig oder oft unbezahlt in der Freizeit. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Befragten gab damals an, auch zu Hause an Schwierigkeiten bei der Arbeit denken zu müssen. Für seine repräsentative Untersuchung hatte der DGB 6083 Arbeitnehmer befragt.

          Mit ihrer Forderung nach klareren Regeln für die Erreichbarkeit verfolge die Arbeitsministerin „ein sinnvolles Ziel“, sagte Dirk Windemuth, Leiter des Instituts für Arbeit und Gesundheit in Dresden der F.A.Z.. „Doch nützt es nichts, mit Strafen zu drohen, da formelle Regeln in der Praxis am Arbeitsplatz letztlich oft nicht eingehalten werden. Arbeitnehmer sollten statt dessen mit ihren Chefs klare Ruhezeiten aushandeln, zum Beispiel absprechen, dass das Handy ab 18 Uhr ausgeschaltet sein darf.“ Laut Windemuth ist die ständige Erreichbarkeit per E-Mail und Mobiltelefon ein potentieller Stressfaktor, der im Extremfall sogar psychosomatische Erkrankungen, wie Spannungskopfschmerzen oder Magen-Darm-Probleme auslösen könne.

          Erste Unternehmen haben schon „Funkstille“ angeordnet

          Die ersten Unternehmen haben inzwischen schon „Funkstille“ angeordnet: Der Betriebsrat von Volkswagen hat für die Beschäftigten Ende vergangenen Jahres eine „Blackberry-Pause“ nach Feierabend durchgesetzt. Auch Telekom-Mitarbeiter müssen in ihrer Freizeit und am Wochenende keine Mails beantworten.

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