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Arbeitsmarkt : Auf der Suche nach Ingenieuren und IT-Leuten

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Bild: F.A.Z.

Der Arbeitsmarktexperte Bernhard Hohn von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung Bonn der Bundesagentur für Arbeit analysiert den Stellenmarkt und kommt zu dem Schluß: Akademiker sind wieder mehr gefragt.

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          Akademiker haben die Nase vorn - jedenfalls am Arbeitsmarkt. Der Arbeitsmarkt-Informationsservice der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn bilanziert für 2005 mehr offene Stellen und weniger Arbeitslose. 116.000 offene Stellen bedeuten gegenüber dem Jahr 2004 ein Plus von 17,7 Prozent. Die Volumina früherer Jahre sind allerdings noch nicht erreicht. Im Jahr 2000 konnten die Vermittler der Arbeitsagenturen noch aus 190.000 Offerten schöpfen.

          Bemerkenswert ist, daß dieses Ergebnis trotz eines kaum wahrnehmbaren Wirtschaftswachstums zustande kam. Optimismus schürt auch, daß das Jahr 2005 die Vorjahreszahlen von Quartal zu Quartal weiter hinter sich ließ. Betrug der Vorsprung im ersten Quartal schon neun Prozent, so steigerte er sich auf 25 Prozent im vierten Quartal. Den insgesamt positiven Befund bestätigt ein Blick in die Stellenteile der Zeitungen. Die Anzeigenmärkte der Wochenendausgaben schwellen an, manche Tageszeitungen drucken unter der Woche wieder einen zusätzlichen Stellenteil.

          Am häufigsten beauftragten Unternehmen die Arbeitsagenturen damit, Maschinenbauingenieure (plus 28,3 Prozent gegenüber 2004), IT-Experten (plus 20,2 Prozent), Sozialarbeiter und -pädagogen (plus 14,8 Prozent), Elektroingenieure (plus 21,2 Prozent) und Lehrer (plus 3,9 Prozent) zu suchen. Von den Berufen mit einem großen Stellenvolumen erlebten nur zwei einen Rückgang: Humanärzten (also ohne Zahn- und Tierärzte) boten die Unternehmen zehn Prozent und Betriebswirten knapp drei Prozent weniger Stellen an als 2004.

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          Arbeitsmarkt für Humanärzte

          Gründe für die zurückhaltende Suche nach Medizinern sind die bevorstehende Umstellung der Krankenhausabrechnung auf Fallpauschalen und die Privatisierungen von Kliniken. Dennoch steht der Arbeitsmarkt für Humanärzte mit einer nach wie vor sehr geringen Arbeitslosenquote von etwas mehr als zwei Prozent weiterhin gut da.

          Der Personaldienstleister Adecco beobachtet systematisch die Stellenteile von Printmedien. Demnach annoncierten die Arbeitgeber im vergangenen Jahr 78.500 Stellen für Akademiker. Das waren knapp 14 Prozent mehr als 2004. In der Hitliste der Ausbildungsberufe rangieren Betriebswirte mit fast einem Viertel der Offerten an der Spitze. Daß die Anzeigen für IT-Experten den zweiten Platz einnehmen, bestätigt die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre. Bemerkenswert ist allerdings der Zuwachs gegenüber 2004: plus 29 Prozent. Maschinenbauingenieure folgen mit knapp 13 Prozent.

          Die Mitarbeitersuche bereitet bei manchen Berufen größte Schwierigkeiten. Der gewünschte Besetzungstermin verstreicht überdurchschnittlich häufig erfolglos. Dazu gehören an vorderster Stelle einige Fachrichtungen der Maschinenbau- und Elektroingenieure wie Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrt, Farben, Lacke und Kunststoffe, Nachrichten- und Fernmeldetechnik sowie digitale Informationstechnik, außerdem Wirtschaftsingenieure, Einkäufer, IT-Vertriebsspezialisten sowie Unternehmensberater mit einer Spezialisierung auf den Vertrieb.

          Berufserfahrung hat einen hohen Stellenwert

          Befristete Stellen werden immer häufiger angeboten. Der Stellenpool der Agenturen für Arbeit enthielt im vergangenen Jahr 33.700 Stellen mit angekündigtem Verfallsdatum. Damit stieg deren Anteil innerhalb eines Jahres von 27 auf 29 Prozent und erreichte den höchsten Wert seit der Jahrtausendwende.

          Mit der großen Zahl der befristeten Stellen korrespondiert die Tatsache, daß Personaldienstleister, zu denen Zeitarbeitsunternehmen und Personalvermittler gehören, den Arbeitsagenturen die meisten Jobs anboten. Beinahe jedes siebte Stellenangebot kam aus dieser Branche. Sie erhöhte ihr Stellenangebot gegenüber 2004 um 48 Prozent. 10.500 Arbeitsplätze offerierten Architektur- und Ingenieurbüros. Sie besetzten damit den zweiten Platz. Auch hier fiel der Zuwachs gegenüber 2004 mit 33 Prozent mehr als überdurchschnittlich aus. Auf den dritten Platz verbesserten (Vorjahr Rang 5) sich Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatungen. Knapp sechs Prozent der zu besetzenden Arbeitsplätze hatten dort ihren Schreibtisch.

          Berufserfahrung hat einen hohen Stellenwert. 64 Prozent aller Stellenangebote waren Bewerbern vorbehalten, die Erfahrung in der ausgeschriebenen Tätigkeit gesammelt hatten. Berufsneulinge und Berufserfahrene waren bei gut 35 Prozent der Stellenangebote willkommen. Nur 0,8 Prozent der Stellenausschreibungen richteten sich ausschließlich an Berufsneulinge. Damit setzt sich der Abwärtstrend bei den Stellen, die exklusiv Berufsneulingen offenstehen, fort. Im Jahr 2000 hatte deren Anteil noch 3,4 Prozent betragen.

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