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Entfristung von Postdocs : Der Widerstand eines komplexen Systems

  • -Aktualisiert am

Statue von Alexander von Humboldt vor der Berliner Humboldt-Universität Bild: dpa

Der wissenschaftliche Nachwuchs fordert seit Jahren bessere Arbeitsbedingungen und weniger Befristungen. Ein neues Hochschulgesetz soll ebendies bewirken. Das erweist sich in der Praxis aber als gar nicht so einfach.

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          An kaum einem Ort sind die Personen, die als „Nachwuchs“ gelten, so alt wie an deutschen Hochschulen. Zur Gruppe des wissenschaftlichen Nachwuchses zählen hier alle, die an einer Qualifikation arbeiten. Inbegriffen sind damit auch Habilitanden. Seit die Habilitation im 19. Jahrhundert als Voraussetzung für eine Professur eingeführt wurde, hat sich das Durchschnittsalter der Personen in dieser Qualifikationsphase immer weiter erhöht: Lag das Habilitationsalter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch knapp unter 30, so waren die Anwärter auf eine Professur hundert Jahre später bereits um die 40. Wer im wissenschaftlichen Sinn aufhört, Nachwuchs zu sein, hat nicht selten längst eigenen Nachwuchs.

          Die begriffliche Schieflage wäre kaum problematisch, wenn der wissenschaftliche Berufsweg nicht ein hohes Maß an Flexibilität erfordern würde: Laut dem aktuellen Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs sind neun von zehn Nachwuchswissenschaftlern befristet beschäftigt. Der andauernde Ortswechsel, das Pendeln und die Unsicherheit, wie es nach dem Ende eines laufenden Vertrags beruflich weitergeht, sind für die meisten Teil der Lebensrealität. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das 2007 eigentlich eingeführt wurde, um befristete Kettenverträge zu verhindern, hat diese Lage teilweise noch verschärft. Indem die Möglichkeit zur befristeten Beschäftigung in der Promotions- und Postdoc-Phase auf maximal zwölf Jahre begrenzt wurde, haben Wissenschaftler, die sich nach dem Ablauf dieser Frist noch nicht erfolgreich auf eine Professur bewerben konnten, oft nur wenige Optionen: Sie können nur noch in befristeten Drittmittelprojekten beschäftigt werden, oder sie müssen die Universität verlassen.

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