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Die „Kosten“ der Mutterschaft : Akademikerinnen und das Kinderkriegen

Wenn sich Akademikerinnen entscheiden Mutter zu werden, bekommen sie mehr Kinder als Frauen ohne Hochschulabschluss. Bild: obs

Frauen mit Studium bekommen seltener Kinder. Eine neue Studie zweier Ökonomen zeigt, dass dahinter zwei sehr unterschiedliche Effekte stecken.

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          Die Bildungsexpansion der vergangenen sechzig Jahre ist gewaltig gewesen, immer mehr Menschen in Deutschland erreichen akademische Bildungsabschlüsse, in besonderem Maße gilt das für Frauen. Gleichzeitig sind die Geburten je Frau deutlich gesunken. Gibt es einen Zusammenhang zwischen beiden Entwicklungen? Bekommen Frauen mit Abitur und Hochschulabschluss systematisch weniger Kinder? Dieser Frage sind die Ökonomen Daniel Kamhöfer von der Universität Düsseldorf und Matthias Westphal von der Universität Paderborn in einer Studie nachgegangen. Ihr Ergebnis: Ein Hochschulstudium verringert die durchschnittliche Kinderzahl einer Frau um 0,29.

          Lisa Becker
          Redakteurin in der Wirtschaft

          Dahinter stecken aber, wie die Forscher erklären, zwei Effekte, die unterschiedlich wirken: Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt Mutter zu werden, sinkt nach ihrer Schätzung um ein Viertel, wenn eine Frau ein Studium absolviert. Auf der anderen Seite bekommen Akademikerinnen, die sich einmal dazu entschieden haben, Mutter zu werden, mehr Kinder als Frauen ohne Hochschulabschluss: Ihre durchschnittliche Kinderzahl liegt um 0,27 Kinder höher. Die „Kosten“ der Mutterschaft – eine Karriere, die man nicht macht, ein geringeres Gehalt – sinken bei jedem zusätzlichen Kind, und das offensichtlich stärker für Akademikerinnen.

          Dass Akademikerinnen, die Mütter werden, mehr Kinder bekommen, ist für die Wissenschaftler ein Beleg dafür, dass höhere Bildung die Geburtenzahl nicht mindern muss. Sie plädieren für eine Familienpolitik, die speziell Akademikerinnen die Mutterschaft erleichtert, zum Beispiel durch flexiblere Arbeitszeiten und finanzielle Zuweisungen nach der Geburt. Das sei erfolgversprechender als „One-Size-Fits-All“-Politik, die Kindergeld und Elterngeld für alle in gleicher Höhe steigert.

          Akademikerinnen bekämen zwar später Kinder, Doch gebe es keine Evidenz, dass sie weniger Nachwuchs bekämen, weil sie die Fruchtbarkeitsgrenze überschritten hätten. Eine Politik, die auf eine Verkürzung der Zeit am Gymnasium oder im Studium abziele, sei nicht geeignet, die Babylücke zwischen Akademikerinnen und Nichtakademikerinnen zu schließen.

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