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Narzissmus im Job Wenn der Chef nur sich selbst liebt

Der Vorgesetzte ist dominant, leicht kränkbar oder cholerisch? Schnell liegt der Verdacht einer Persönlichkeitsstörung in der Luft. Doch schwierige Chefs sind nicht immer gleich Narzissten.

Von Eva Heidenfelder

Sinnbild für einen narzisstischen Chef: Michael Douglas als Gordon Gekkoim Film „Wall Street“
© defd Deutscher Fernsehdienst
Sinnbild für einen narzisstischen Chef: Michael Douglas als Gordon Gekkoim Film „Wall Street“

„Ich befehle, ihr führt aus!“ Ein Satz, der Daniel Herrmann bis heute im Ohr klingt, wenn er an einen ehemaligen Vorgesetzten denkt. Mehr als 20 Jahre lang arbeitete der Wiener, der in Wirklichkeit anders heißt, als sogenannter Heimhelfer. Das ist ein österreichisches Berufsbild, in dem mobile Betreuer Menschen, die gesundheitlich beeinträchtigt sind oder in sozial schwierigen Verhältnissen leben, im Alltäglichen unterstützen. Seine Arbeit machte ihm Freude, auch wenn 12-Stunden-Schichten an zehn Tagen am Stück keine Seltenheit waren. Vor längerer Zeit bekam sein gut 40-köpfiges Team einen neuen Leiter. Zunächst war das Verhältnis gut, Herrmann erntete Lob, der Chef zeigte sich begeistert von seiner Erfahrung, seinem Enthusiasmus, war offen für Veränderungen.

Doch der Zuspruch nahm ab, wurde durch Kritik ersetzt, auf Verbesserungsvorschläge reagierte der Teamleiter gekränkt, generell war er leicht reizbar. „In der Rückschau war das klassisches Love Bombing – erst wird mit Liebe überschüttet, dann wird sie systematisch entzogen, damit das Gegenüber verzweifelt versucht, sie zurückzugewinnen“, ist sich Herrmann heute sicher. Er hat sich mittlerweile intensiv mit dem Thema Narzissmus beschäftigt.

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