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Adolf-Messer-Stiftung : Studenten kündigen gemeinsamen Protest an

In der Kritik: Studentenvertreter fordern, dass das Präsidium der Technischen Universität die Zusammenarbeit mit der Adolf-Messer-Stiftung bis auf weiteres beenden soll. Bild: dpa

Der Asta der TU Darmstadt kritisiert die Verleihung des Preises der Adolf-Messer-Stiftung. Der Namensgeber habe eine unrühmliche braune Vergangenheit. Das Unternehmen will sich der Diskussion stellen.

          3 Min.

          Nur wenige Tage ist es her, dass Frankfurter Studenten, aufgerufen von der Hochschulgruppe der Grünen, gegen die Verleihung des Adolf-Messer-Stiftungspreises an der Goethe-Universität protestierten. Der Unternehmer Adolf Messer, so die Begründung der Studenten, sei ein Profiteur des nationalsozialistischen Regimes gewesen und habe unter anderem Zwangsarbeiter beschäftigt, eine Vergangenheit, die von der Stiftung bis heute ignoriert werde.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu solchen Protesten könnte es auch am 17. Dezember an der Technischen Universität (TU) Darmstadt kommen, wenn das Präsidium gemeinsam mit der Adolf-Messer-Stiftung den Preis der Stiftung verleiht. Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) kritisiert, dass dabei die Vergangenheit des Namensgebers als NSDAP-Mitglied „vollkommen unkommentiert“ bleibe. Nach Angaben des Asta habe die Messer GmbH während des Nationalsozialismus kriegswichtige Chemieverfahren und Waffenteile entwickelt und Zwangsarbeiter beschäftigt. Die Studentenvertreter fordern das Präsidium der TU deswegen auf, sich dafür einzusetzen, dass die Messer Group ehemalige Zwangsarbeiter entschädigt und sich kritisch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt. Geschehe das nicht, solle jegliche Kooperation mit der Stiftung beendet werden. Eine Sprecherin kündigte zudem gegenüber der F.A.Z. an, dass man eine gemeinsame Protestaktion mit Frankfurter Studenten plane. Wie und in welchem Umfang das geschehen soll, stehe aber noch nicht fest.

          Weitere Recherchen in Auftrag gegeben

          Ein Sprecher der TU weist diese Forderungen zurück. Er wolle der Entscheidung des Präsidiums nicht vorgreifen, aber „nach jetziger Lesart gibt es keinen Anlass, auf die Forderungen einzugehen“, sagte der Sprecher. Er verwies darauf, dass die Stiftung seit 25 Jahren an der TU engagiert sei und jährlich den Preis verleihe. Nach den Protesten von Studenten der Goethe-Universität in diesem Sommer gegen die Benennung eines Raumes auf dem Riedberg-Campus nach Adolf Messer habe man sich wieder mit der Geschichte des Firmengründers beschäftigt. Laut dem TU-Sprecher habe man ein Gutachten der Historiker Andreas Fahrmeir, Jörg Lesczenski und Werner Plumpe durch „ein eigenes Kurzgutachten gegenchecken“ lassen. Dieses bestätige deren Erkenntnisse: Messer sei ein „Profiteur des NS-Regimes“ gewesen, habe Zwangsarbeiter beschäftigt und sei in der Rüstungsproduktion engagiert gewesen. „Aber der Preis der Stiftung wird ja nicht in Anerkennung oder Würdigung der Person Adolf Messers verliehen“, so der Sprecher. Die Person und die Arbeit der Stiftung gelte es zu trennen. „Sonst schüttet man das Kind mit dem Bade aus.“ Der Sprecher der TU verwies weiter darauf, dass die Stiftung die Rolle Adolf Messers nie verschwiegen habe, auf der Internetseite könne man sich über die historische Person informieren.

          Stefan Messer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Messer, Vorsitzender des Stiftungsrates der Adolf-Messer-Stiftung und Enkel des Firmengründers, gibt zu, dass die Geschichte auf der Unternehmensseite ihren Platz gehabt habe, bislang jedoch nicht auf der Kontaktseite der Stiftung. Das sei nun geändert worden. Er selbst habe 2004 mit der Übernahme der Geschäftsführung eine „interne Wertediskussion angestoßen“. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte in Frankfurt habe man die Historie von Messer erforscht und die Ergebnisse in einem Buch zusammengefasst. Im Zuge der aufkeimenden Diskussion um den Unternehmensgründer als Namensgeber der Stiftung habe man weitere Recherchen in Auftrag gegeben. Eine Neuauflage des Buches, ergänzt um diese Ergebnisse, werde in wenigen Wochen erscheinen.

          Mit Blick auf die Forderung der Darmstädter Studenten, Zwangsarbeiter zu entschädigen, verweist Messer darauf, dass das Unternehmen über den damaligen Mehrheitsgesellschafter, die Hoechst AG, in den Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter eingezahlt habe. Da er sich dessen aber nicht ganz sicher sei, habe er einen Historiker gebeten, die Fakten zu recherchieren.

          Messer will sich der Diskussion in Darmstadt stellen. „Auch meine Generation ist mit dem Schuldgefühl belastet, dass unsere Großeltern Profiteure des Naziregimes waren. Wir werden hoffentlich die Gelegenheit haben, mit den Studierenden in Darmstadt einen offenen Dialog zu führen, der deutlich macht, dass nur Vielfalt, Vertrauen und Respekt den Frieden in unserer komplizierter werdenden Welt wahren können“, sagte Messer.

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