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Adolf-Messer-Stiftung : Kritik am Umgang der Goethe-Universität mit der NS-Zeit

An der Goethe-Universität ist ein Streit um den Namen einer Lounge entbrannt. Bild: Wolfgang Eilmes

An der Frankfurter Goethe-Universität ist eine Lounge nach der Adolf-Messer-Stiftung benannt. Ihr Namensgeber wiederum war NSDAP-Mitglied und beschäftigte Zwangsarbeiter. Der AStA spricht von „Nazi-Ehrung“.

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          Den Streit um die Adolf-Messer-Stiftung-Lounge hat der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) zum Anlass genommen, um den Umgang der Goethe-Universität mit ihrer Geschichte in der NS-Zeit insgesamt zur Diskussion zu stellen. Bei einer Diskussion am Mittwochabend auf dem Campus Westend wurde scharfe Kritik an der Universitätspräsidentin Birgitta Wolff geübt. Der Fall der „Adolf-Messer-Stiftung-Lounge“ stehe in einer langen Reihe von Versäumnissen im Bezug auf die Aufarbeitung der Geschichte der Universität im Nationalsozialismus, sagte die AStA-Vertreterin Newal Yalcin.

          Tobias Schrörs

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die Lounge ist ein Raum auf dem Riedberg-Campus, in dem Studenten lernen und sich austauschen können. Ausgestattet hat ihn die Adolf-Messer-Stiftung, Namensgeber ist der Gründer des gleichnamigen Frankfurter Industriegase-Herstellers. Es sei „skandalös“, dass der Raum nach einem NSDAP-Mitglied benannt sei, das Zwangsarbeiter beschäftigt habe, sagte Yalcin. Sie kritisierte ein von der Universität in Auftrag gegebenes Gutachten, in dem Messer lediglich als „Alltagsopportunist“ bezeichnet werde. Der Senat habe vom Universitäts-Präsidium einstimmig eine Umbenennung des Raumes gefordert, doch es sei nichts geschehen.

          Wolff verwies auf die laufende Diskussion zur Namensgebung, bei der noch in diesem Monat ein Ergebnis zu erwarten sei. Das Präsidium befinde sich in einer „Sandwich-Position“ zwischen den Interessen des Senats und denen der Messer-Stiftung. Wolff wies darauf hin, dass die Namensgebung des umstrittenen Raumes auf einen vor ihrer Zeit gefällten Beschluss im Präsidium zurückgehe. Das damalige Präsidium sei auf die Messer-Stiftung zugegangen und habe vorgeschlagen, die Lounge nach Adolf Messer zu benennen. Die Beschilderung habe man „extrem dilettantisch“ vorgenommen. Nun komme es ihr als Präsidentin zu, „pflichtgemäß Prügel einzustecken“.

          An Zusammenarbeit nicht um jeden Preis festhalten

          Als Wolff erklärte, wie aus ihrer Sicht Gegner einer Umbenennung argumentieren, erntete sie Gelächter. Man habe ihr gesagt, der Raum sei nach der Stiftung, nicht aber nach Adolf Messer als Person benannt, sagte Wolff. Positives versuchte sie dem Streit abzugewinnen, indem sie darauf verwies, dass er zu Diskussionen anrege. Yalcin sagte dazu: „Es braucht keine Nazi-Ehrung, um einen kritischen Diskurs zu führen.“

          Ein Vertreter der Stiftung saß nicht auf dem Podium. Dies begründete der Veranstalter der Diskussion, der AStA, damit, dass der Streit um die Adolf-Messer-Stiftung-Lounge lediglich der Anlass, aber nicht Hauptthema des Abends werden solle.

          Der Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer unterstützte die Kritik des AStA. Er kritisierte den Historiker Jörg Lesczenski, der mit zwei Kollegen ein differenziert urteilendes Kurzgutachten zu Adolf Messer erstellt hatte und verwies darauf, dass der Historiker eine Firmengeschichte mit dem Titel „100 Prozent Messer“ verfasst habe. Das, so Ortmeyer, sei eine „Auftragsarbeit“. Allgemeiner sprach er von Historikern, die „Persil-Scheine“ ausstellten und dabei weniger „Taten und Tatsachen“ berücksichtigten, sondern psychologisierten.

          Alfred Jacoby vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Hessen pflichtete Ortmeyer bei. Er hob die Bedeutung des Namens für einen Ort hervor. „Wenn man ein Schild an einen Ort hängt, wandelt er sich“, äußerte Jacoby, der Architekt ist. Man dürfe an der Zusammenarbeit mit Stiftungen nicht um jeden Preis festhalten, sagte er, ohne die Messen-Stiftung direkt zu nennen.

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