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Gap year : Abitur, und dann?

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Tausende Abiturienten beginnen diesen Sommer eine Auszeit. Genaue Zahlen, wie viele der 500000 Abiturienten pausieren wollen, gibt es nicht. Aber es werden immer mehr. Laut einer Umfrage des „Trendence“-Instituts fängt weniger als die Hälfte aller künftigen Studenten im Herbst gleich an, die Mehrheit (56 Prozent) plant ein Überbrückungsjahr.

Nur, wie überbrücke ich die Zeit möglichst klug und kostengünstig? Zusammen mit zwei Freundinnen, die in der gleichen Situation sind, mache ich mich auf die Suche. Zunächst googeln wir „Kindergeld Bedingungen“. Da gibt es Unmengen Einträge. Wir rufen eine Nummer an, die ganz oben steht. Da heißt es, dass es nach dem Abitur ohne Studium „schwer wird“. Ein „gap year“ sei beim Kindergeld nicht vorgesehen. Man verweist uns an die Familienkasse.

Der Fall ist komplizierter

Die Frau von der Behörde klärt uns auf: Kindergeld bekommt, wer „direkt“ nach dem Abitur eine Ausbildung oder ein Studium beginnt. Direkt heißt: Es dürfen nicht mehr als vier Monate zwischen den beiden Bildungsstationen liegen. Wer studiert oder eine Ausbildung macht (oder sich nachweislich darum bemüht), kassiert bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld. Auch während des Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahres (FSJ) läuft das Kindergeld weiter, ebenso während des Bundesfreiwilligendienstes.

Unser Fall liegt komplizierter. Ganz wichtig, so bleut uns die Mitarbeiterin an der Hotline ein: Wenn wir Work&Travel machen oder ein „gap year“ einlegen, in dem wir nur reisen und auf 450-Euro-Basis jobben, verlieren wir den Anspruch auf das Kindergeld.

Die gute Nachricht für mich aber lautet: Alle minderjährigen Abiturienten bekommen Kindergeld, bis sie volljährig sind. Bis zu meinem 18. Geburtstag Ende des Jahres ist mir das Geld also sicher. Auch für Pausierer über 18 gibt es Möglichkeiten, Kindergeld zu beziehen. Sie können sich für ein Studium mit hohem Numerus clausus bewerben, bei Medizin zum Beispiel liegt der bei 1,0.

Wird der Antrag abgelehnt, weil der Durchschnitt nicht reicht, gelten sie als „Studienplatz-Anwärterinnen“ und beziehen während der Wartesemester Kindergeld. Auch einem Auslandsaufenthalt steht nichts im Wege, wenn man dort mindestens zehn Wochenstunden Sprachunterricht nimmt. Praktika sind ebenfalls in Ordnung, solange sie kürzer als sechs Monate dauern. Bei längeren Praktika will die Familienkasse einen Ausbildungsplan vorgelegt bekommen. Das Praktikum muss dann berufsvorbereitend sein, einen Ausbildungscharakter haben und zum Studium passen. Die Familienkasse will über alle relevanten Schritte informiert werden und für alles Belege sehen, Praktikumsbescheinigungen, Studienanträge und so weiter.

Wer ein Jahr Pause macht, kann sich auch arbeitslos melden, dann haben die Eltern Anspruch auf Kindergeld bis zum vollendeten 21. Lebensjahr. Allerdings müssen wir dann Jobangebote annehmen, die das Arbeitsamt uns vermittelt. Das wollen wir aber nicht. Wir wollen einfach nur pausieren, chillen.

Natürlich gibt es einen Trick für das Gap-Jahr: Man tut so, als würde man studieren. Viele Abiturienten, die noch nicht wissen, wie es weitergeht, haben sich „pro forma“ für ein Fach eingeschrieben, das sie gar nicht studieren wollen. Dadurch läuft mit dem Kindergeld und den Sozialversicherungen alles weiter wie gewohnt, sie sind ja „Studenten“. Das ist praktisch, aber auch geschwindelt.

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