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Das Jahr 1968 in Senegal : Paris–Dakar – und nicht wieder zurück

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Barfuß hatten die Studierenden am 31. Mai 1968 vor den prügelnden Polizisten fliehen müssen. Vor Beginn des Wintersemesters lenkte Präsident Senghor ein. Bild: Getty

Als 1968 in der Hauptstadt Senegals die Studierenden in den Streik traten, warf ihnen der Präsident vor, sie kopierten ja nur ihre Pariser Kommilitonen. Doch die Kritik verfing nicht.

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          Ende Mai 1968 führten die Studierendenproteste in Dakar zur größten Regierungskrise in der Geschichte des unabhängigen Senegals. Die Proteste hatten lokale Ursachen, waren aber global vernetzt. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Universität von Dakar selbst ein transnationaler Ort war: Zwei Drittel der Studierenden kamen aus dem Ausland, darunter 1300 aus dem frankophonen Afrika und mehr als 800 aus Frankreich. Präsident Léopold Sédar Senghor warf den Protestierenden vor, ihre weißen Kommilitonen in Paris, die toubabs, nur zu kopieren – die Auseinandersetzungen um die Finanzierung und Gestaltung von Bildung in Senegal hatten 1968 damit nicht nur eine transnationale, sondern auch eine postkoloniale Dimension.

          Als der demokratische senegalesische Studierendenbund UDES am 24. Mai 1968 zur Generalversammlung einlud, waren dem Treffen monatelange Verhandlungen mit der Universitätsverwaltung vorausgegangen. Stein des Anstoßes waren die drastischen Kürzungen der Stipendien, die seit dem akademischen Jahr 1967/68 nur noch für zehn Monate gezahlt wurden und durch weitere Kürzungen faktisch um die Hälfte gesunken waren. Auch um die offizielle Anerkennung als Studierendenvertretung hatte der UDES vergeblich gekämpft.

          Zwischen 400 und 500 wurden in Militärcamps interniert

          In Sachen der Stipendien wurden die Studierendenvertreter mit dem Hinweis abgespeist, das werde in anderen afrikanischen Ländern ebenso gehandhabt. Auf der Generalversammlung wurde beschlossen, in den unbefristeten Streik zu treten – wie in Paris am 27. Mai 1968. Die Proteste in Senegal waren gleichwohl keine reine Kopie der französischen, sondern hatten eine spezifisch senegalesische Komponente. Die Historikerin Françoise Blum hat diese transnationale Dimension des senegalesischen Mai 1968 in verschiedenen Publikationen entfaltet, so in dem Aufsatz „Sénégal 1968. Révolte étudiante et grève générale“ (in: Revue d’histoire moderne et contemporaine, Band 59, Heft 2, 2012/Cairn), und mehrfach gefordert, in Darstellungen zur globalen Dimension von 1968 endlich auch den afrikanischen Ländern einen angemessenen Platz einzuräumen. Dieser Forderung trägt das „Handbook of the Global Sixties“, in diesem Jahr bei Routledge erschienen, mit Beiträgen von Blum, Omar Guèye, Bahru Zewde und Priya Lal erstmals Rechnung.

          Die am 26. Mai 1968 publik gemachten Forderungen der Studierenden gingen über das Thema der Studienfinanzierung weit hinaus. Verlangt wurde auch die „Afrikanisierung“ von Universitätsverwaltung und Curricula. Denn die 1957 noch während der Kolonialzeit gegründete Universität von Dakar richtete sich in Studienadministration wie -inhalten am französischen Vorbild aus, wurde von einer franko-senegalesischen Kommission geleitet und zu 70 Prozent von Frankreich finanziert. Das Personal war mehrheitlich französisch. Die Universität von Dakar, so lautete die Kritik, sei eine französische und keine senegalesische Universität. Aber die Studierenden übten auch allgemeinpolitische Kritik an Senghors Regierung, die seit der Ausschaltung des Premierministers Mamadou Dia und der Einführung des Präsidialregimes 1962 immer autoritärere Züge angenommen hatte.

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