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Kardinal Müller im Gespräch (Teil 3) : „Keine Barmherzigkeit bei Missbrauch“

  • Aktualisiert am

Primus inter Pares: Gerhard Kardinal Müller Bild: dpa

Im dritten Teil des F.A.Z.-Gesprächs lässt Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller keine Zweifel an der Entschlossenheit des Vatikans, sexuelle Gewalt im Raum der Kirche nach Recht und Gesetz zu ahnden.

          6 Min.

          Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller ist Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre. Im ersten Teil seines Gesprächs mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach er über Widerstände gegen seine Aufnahme ins Kardinalskollegium, die Pius-Brüderschaft, die Befreiungstheologie und die Entweltlichung der Kirche.

          Im zweiten Teil des Gesprächs warnte der frühere Bischof von Regensburg vor einer Entwicklung, in der die Unauflöslichkeit der Ehe zu einer abstrakten Theorie würde, die in der Praxis keine Rolle mehr spielt. Zugleich sah er sich eins mit Papst Franziskus in der Absicht, wiederverheiratet Geschiedenen „seelsorgerlich zu helfen“.

          Im dritten Teil spricht er nun über die Entschlossenheit des Vatikans, sexuelle Gewalt im Raum der Kirche nach Recht und Gesetz zu ahnden sowie über die Katholische Kirche in Deutschland.

          Wenn die Glaubenskongregation in den vergangenen Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, dann nicht wegen der Theologie der Befreiung oder dem Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen, sondern wegen sexueller Übergriffe Geistlicher auf Schutzbefohlene, die von der Kongregation bearbeitet werden. Trifft es zu, dass Papst Benedikt XVI. allein in den beiden letzten Jahren vor seinem Amtsverzicht und damit auch unter Ihrer Beteiligung etwa 300 bis 400 Geistliche aus dem Klerikerstand entließ?

          Die Glaubenskongregation war nie nur für die Glaubens- und Sittenlehre zuständig, sondern auch für Ahndung von Delikten gegen den Glauben. In diese Kategorie fallen nicht nur die „klassischen“ Tatbestände wie Apostasie, Häresie und Schisma, sondern auch Vergehen im Bereich der Lebens- und Amtsführung von Geistlichen, wie etwa die Verletzung des Beichtgeheimnisses und der Heiligkeit der Sakramente.

          Von letzterem war selbst im Vatikan lange Zeit nicht die Rede.

          Im letzten Jahrhundert gewann eine sonderbare Meinung die Oberhand, die Natur des Menschen habe sich grundlegend geändert, man brauche einem nur gut zuzureden, und dann handle er auch gut, ein kirchliches Strafrecht sei ein „mittelalterliches“ Relikt und mit dem Evangelium der Liebe nicht vereinbar. Niemand war mehr recht zuständig für Delikte, die auch ein Geistlicher als Mensch begehen kann im Widerspruch zu seiner hohen Berufung, den Gläubigen ein guter Hirte in Namen Christi zu sein. Unter dem Eindruck der Vorkommnisse in den Vereinigten Staaten und in Irland betraute im Jahr 2001 Papst Johannes Paul II. die Glaubenskongregation wieder mit der gerichtlichen(!) Behandlung dieser schweren Delikte.

          Warum die Glaubenskongregation und nicht eine der Obersten Gerichtshöfe der Kirche, also Rota oder Apostolische Signatur?

          Die Glaubenskongregation ist das oberste Apostolische Gericht in Glaubens- und Sittenfragen und Straftaten gegen die Heiligkeit der Sakramente. Der sexuelle Missbrauch von Heranwachsenden ist außer einem Verbrechen in strafrechtlicher Hinsicht auch ein brutaler Angriff auf die Würde eines jungen Menschen, die in der Heiligkeit Gottes begründet ist und sie repräsentiert. Der Priester des Herrn verkündet die Liebe Gottes, die immer aufbaut und niemals zerstört.

          Wie läuft ein kirchliches Strafverfahren wegen sexueller Gewalt ab?

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