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Kanu-WM : Wimbledon an der Krupp‘schen Kiesgrube

Erik Leue hat bei der Heim-WM in Duisburg die zweite Bronzemedaille für die deutschen Kanuten eingefahren. Er kam am Sonntag im Lieblingsrennen auch ohne Medaille: Max Hoff fährt im Canadier-Einer über die nicht-olympische 5000-Meter-Distanz als Geschlagener hinter Ken Wallace und Edward Rutherford ins Ziel Bild: dpa

Wo geht es zur Alster? Die Kanu-WM in Duisburg ist für die deutschen Teilnehmer ein voller Erfolg - und doch sucht die Sportart nach Wegen, attraktiver zu werden.

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          Damit nicht von Anfang an der falsche Eindruck entsteht - es soll ja Menschen geben, die Duisburg das graue Malocherimage von einst bis heute nachtragen: Die frühere Kiesgrube der Krupp-Werke im Stadtteil Wedau ist ein gepflegter, bisweilen idyllischer Ort. So schön, dass Jose Perurena, noch ehe die Weltmeisterschaft der Kanuten in Duisburg richtig begonnen hatte, ein Lob loswerden wollte: „Was Wimbledon für die Tennisspieler ist“, setzte der spanische Präsident des Internationalen Kanurennsportverbands ICF an, „das ist Duisburg für die Kanuten.“

          Besser geht’s also nicht. Nicht für die Krupp’sche Grube, die vor 81 Jahre zu einer Regattabahn wurde. Und auch nicht für die Organisatoren der fünften WM in Duisburg seit 1979. Eine, die binnen elf Monaten auf die Beine gestellt werden musste, nachdem klar war, dass die Strecke am ursprünglich gedachten Austragungsort, der künftigen Regattabahn in Rio de Janeiro, nicht rechtzeitig fertig werden würde.

          Besser geht es aber doch, jedenfalls wenn man sich unter den Kanuten umhört, und das hat nichts mit dem Duisburger Kanu-Wimbledon zu tun. Max Hoff, zum Beispiel, der Olympiasieger im Kayak-Einer über 1000 Meter, der am Samstag zum dritten Mal Weltmeister auf dieser Strecke wurde - auch, „weil die Stimmung Bombe war“, - hatte ein paar Ideen nach seinem zweiten WM-Rennen am Sonntagvormittag: „Natürlich kann man so einen Rundkurs auch woanders aufbauen und mehr Remmidemmi reinbringen.“

          Massenstart auf der Alster?

          Hoff war morgens um zehn nach zehn ins 5000-Meter-Rennen gegangen, das er knapp zwanzig Minuten später als Vierter beendete. Ein im Olympiaprogramm nicht vertretenes Massenstartrennen über mehrere Runden, bei dem „auch mal ein bisschen Klopperei dazwischen ist“, wie Hoff das nennt. „Eigentlich mein Lieblingsrennen.“ Das man auch auf der Hamburger Alster austragen könnte, oder an anderen Orten, an denen den Kanuten Menschen zuschauten, die sonst nicht den Weg zu einem Kanurennen finden.

          Im vergangenen Jahr, nachdem die Kanurennsportler wieder mal die erfolgreichste deutsche Fraktion bei den Olympischen Spielen in London waren, machten sie sich Sorgen bei den Verbänden, national wie international. Ihr Sport stand auf der Liste der Disziplinen, deren olympische Zukunft das Internationale Olympische Komitee überprüfte und von der letztlich die Ringer zunächst gestrichen wurden. Kanu darf bleiben, aber klar ist, dass sich was ändern muss, damit der Sport eine Zukunft hat - und Fernsehsender interessiert. „Wir sind der einzige internationale Verband im olympischen Sommersport, der keinen Sponsor hat, weil wir kein Fernsehprodukt haben“, sagt Jens Kahl.

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          Kahl ist Sportdirektor des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV), und als solcher könnte er mit dem Status Quo im Prinzip zufrieden sein. Rund ein Viertel aller Medaillen für Deutschland bei Olympischen Sommerspielen seit 1992 haben Kanuten erpaddelt. In Duisburg waren die deutschen und ungarischen Sportler wieder so erfolgreich (siehe Meldung auf dieser Seite), dass es bis Sonntagmittag dauerte, ehe bei einer Siegerehrung in einer olympischen Disziplin eine andere Hymne als die der beiden traditionellen Kanu-Großmächte gespielt wurde. Es war die würdevoll klingende Weise zu Ehren des aserbaidschanischen Canadier-Sprintweltmeisters Valentin Demjanenko.

          Suche nach Spektakel

          Kahl sitzt in der technischen Kommission des internationalen Verbandes, die daran arbeitet, den Status Quo zu verändern. Kahl missfällt, dass sich einige Verbände die WM-Teilnahme finanzieren lassen, ansonsten aber ihre Sportler eifrig entwickeln. Ihn stört, dass der Weltverband vor allem daran interessiert ist, möglichst ebenso viele Frauen- wie Männerrennen präsentieren zu können, auch wenn es für etliche Disziplinen keine dreißig Länder gibt, die Sportlerinnen schicken. „Eigentlich müssten es fünfzig sein“, sagt Kahl.

          Vor allem aber will auch er die Sportart spektakulärer machen. Er hat den Sprint über 200 Meter im Blick. „Ich könnte mir da Vorläufe vorstellen, bis acht Kanuten übrig sind - und dann Duelle Mann gegen Mann fahren. Viertelfinale, Halbfinale, Finale.“ Solche Rennen, da klingt Kahl wie Hoff, ließen sich in Innenstädten und Hafenbecken präsentieren, an Orten, die seit Jahren keine Rennen ausgetragen haben, in Skandinavien, Spanien, Italien. Und eine Sprintserie könnte aus dem Programm des Gesamtweltcups herausgetrennt werden, der sich seit Jahren auf drei Rennen und die zur Wertung zählende WM beschränkt.

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          Mehr Weltcups, das wollen auch viele Athleten. Die internationale Saison ist mit der WM beendet, auch Canadier-Olympiasieger Sebastian Brendel, der am Sonntag Weltmeister über 5000 Meter wurde, möchte mehr Rennen, um sich zu präsentieren. In Potsdam, wo er trainiert, findet alljährlich im Herbst der Kanalsprint zwischen Stadtschloss und Garnisonskirche statt. „Da kommt der Sport zu den Leuten, die stehen zwei Meter entfernt und können direkt draufgucken. Das könnte man ausbauen: Eine Sprintserie in der Stadt, ich glaube, das wäre super attraktiv.“ Im Tennis gibt es ja auch schöne Turniere abseits von Wimbledon.

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