https://www.faz.net/-gpc-7j0io

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Jane Austen : Die geschönte Frau

  • -Aktualisiert am

Das soll Jane Austen sein? Die Feministinnen in England sind entsetzt. Sotheby’s aber erhofft sich 200.000 Pfund für das Aquarell. Bild: Sotheby's

England will Jane Austen als einzige Frau auf einem Geldschein ehren. Doch es gibt Stunk. Das Porträt ist den Feministinnen zu süßlich. Sotheby’s lässt das kalt. Das Auktionshaus versteigert pünktlich zur Entscheidung der Notenbank eine Aquarellversion des Bildnisses.

          Wellen der Empörung schlugen der englischen Notenbank entgegen, als es so aussah, dass die Herren sich anschickten, weibliche Konterfeis - mit Ausnahme der Königin - von den Geldscheinen verschwinden zu lassen. Die Ankündigung, dass Winston Churchill die Sozialreformerin Elizabeth Fry auf der Fünf-Pfund-Note ersetzen und somit die einzige verbliebene Frau aus dem Geldverkehr verdrängen würde, ließ die Schwesternschaft auf die Barrikaden gehen. Angeführt von der Bloggerin Caroline Criado-Perez, die sich mit ihrer energischen Kampagne sogar Mord- und Vergewaltigungsdrohungen auf Twitter eintrug, setzten die Aktivisten wenigstens eine Frau durch: Die Bank von England hat sich für Jane Austen entschieden, die Konservative und Radikale gleichermaßen für sich vereinnahmen. Sie soll 2017, dem Jahr ihres zweihundertsten Todestags, für Charles Darwin auf dem Zehn-Pfund-Schein nachrücken. Es sei ein großer Tag für Frauen und für Bürgerinitiativen, erklärte Caroline Criado-Perez nach der Bekanntgabe, und der Friede schien wiederhergestellt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Nun aber erregen sich die Gemüter aufs Neue: Denn das geschönte Konterfei, das die Notenbank mangels größerer Auswahl - es sind nur zwei gesicherte Porträts bekannt, und davon ist eines eine Rückenansicht - für den Schein gewählt hat, wird als Beleidigung einer Schriftstellerin empfunden, die ihre jüngste Biographin Paula Byrne als „subversive Feministin“ vom Schlage Mary Wollstonecrafts verstanden haben will. Mit dem Segen der Jane-Austen-Gesellschaft hat die Bank sich eines Stichs nach jenem Konterfei bedient, das der Neffe der Schriftstellerin 1869 für seine Biographie der geliebten Tante von James Andrews, einem lokalen Künstler, anfertigen ließ. Dem diente die dilettantisch-skizzenhafte Farbzeichnung von Jane Austens Schwester Cassandra als Vorlage, die die National Portrait Gallery 1948 für 135 Pfund ersteigerte. Das Original weist noch die Nadelstiche für die Befestigung des Pauspapiers auf, das der Künstler für seine viktorianisch-süßliche Darstellung benutzte.

          Gerade im richtigen Moment gibt Sotheby’s jetzt die Versteigerung dieses kleinen ovalen Aquarells am 10. Dezember bekannt, das seit je im Besitz der Familie geblieben ist. Es trägt eine Taxe von bis zu 200.000 Pfund, die sich, angesichts des keineswegs einwandfreien Erhaltungszustands, vor allem durch die Provenienz erklärt. Jane Austen gleiche in dieser sentimentalisierten Verschönerung einer Puppe und nicht einer Protofeministin, wetterte Paula Byrne im Radio. Anglisten haben bereits Regale gefüllt mit Dissertationen über Jane Austen und die Frauenfrage. Wie gerne würde man Jane Austens gelassen-ironichen Kommentar dazu hören.

          Weitere Themen

          Gewählt ist gewählt

          F.A.Z.-Sprinter : Gewählt ist gewählt

          Wie Ursula von der Leyen ein knappes Rennen mit historischem Ausgang für sich entschied und die Kanzlerin für einen Überraschungscoup sorgt. Was heute sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Showdown um Europa

          F.A.Z.-Sprinter : Showdown um Europa

          In Straßburg geht Ursula von der Leyen heute aufs Ganze. In der Türkei wird derweil der Prozess gegen Deniz Yücel fortgesetzt. Und der Mond hat am Abend auch noch einen speziellen Auftritt. Was sonst noch wichtig ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Topmeldungen

          Mexikanischer Drogenboss : „El Chapo“ muss lebenslang ins Gefängnis

          Der mexikanische Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán muss lebenslang ins Gefängnis. Das Strafmaß wurde am Mittwoch in New York verkündet. Zuvor hatte „El Chapo“ das Gericht mit einer Beschwerde überrascht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.