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Boulderer Jan Hojer : Rasant nach oben

  • -Aktualisiert am

Feine Technik: Weltcup-Gewinner und Olympia-Teilnehmer Jan Hojer Bild: Reuters

Jan Hojer ist einer von zwei deutschen Boulderkletterern, die an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen dürfen. Dort hat er vor allem ein Ziel: das kurze Licht der Öffentlichkeit für seinen Sport nutzen.

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          Boulderkletterer sind reinliche Menschen. Sie haben an einem langen Stiel stets ein Bürstchen dabei, um vom Boden aus die Magnesia-Spuren wegzuwischen, die ihre Vorgänger auf den bunten Plastiksteinen an den Wänden hinterlassen haben. Sich daran zu orientieren, fiele den ehrgeizigen Sportlern nicht ein. Jeder der kreativen Köpfe, die sich dem Enträtseln der Aufgaben widmen, die die Routenplaner gestellt haben, muss innerhalb von kurzer Zeit für sich und seinen Körper eine eigene passende Lösung finden, um im fortwährenden Kampf gegen die Schwerkraft den Topgriff am Ende des senkrechten Parcours zu erreichen.

          Wie oft sie scheitern, spielt nicht nur für die Wertung der jeweiligen Runde eine entscheidende Rolle. Wer in einem Wettkampf anfangs seine Fingerkuppen wenig beansprucht, genießt später einen Vorteil. Ohne Blessuren kommen selbst die Besten nicht durch. „Jeder hat seine eigenen Tricks für die Hautpflege“, verrät Jan Hojer. Der 29-jährige Kölner ist einer von zwei Deutschen, die an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen dürfen. Der Last, die er trägt, ist sich der Sportler bewusst.

          Neulinge im olympischen Programm

          Vorerst sind die Neulinge im olympischen Programm nur in Japan und drei Jahre später in Paris vorgesehen. Die Zukunft ist offen. Die womöglich nur kurze Zeit im Licht der ganz großen Öffentlichkeit wollen Fachverbände wie Athleten bestmöglich zur Eigenwerbung nutzen. Auch deshalb war Hojer am vergangenen Wochenende dabei, als die Kletterer erstmals im Rahmen der „Finals“ im Bochumer Ruhrstadion ihre deutschen Meisterschaften austrugen. „Vom Zeitplan her hat mir das nicht so gut gepasst“, sagt der zweimalige Europameister. Wenige Tage zuvor kam er von den Weltcups aus Salt Lake City heim. „Aber es war direkt vor meiner Haustür, und wir haben bisher meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit unsere Wettkämpfe ausgetragen.“

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          Diesmal war im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen, wie Hojer Zweiter im Bouldern und Fünfter im Speed wurde. Die gewachsene Wahrnehmung spürt er schon länger. „Früher musste ich den Leuten erklären, was ich mache.“ Heute wüssten viele, was Bouldern sei, und Sponsoren ließen sich leichter finden.

          Während in anderthalb Monaten in Tokio bei Männern und Frauen jeweils nur eine Goldmedaille für den besten Allrounder ausgegeben wird, sind die drei Disziplinen 2024 in Paris in zwei Wettbewerbe aufgeteilt: einer Kombination aus Bouldern und Lead, dem traditionellen Kraxeln am Seil auf vorgegebener Route, sowie einer reinen Speed-Entscheidung – quasi ein vertikales Rennen.

          Denjenigen, die gerne mit Kopf ihrer Leidenschaft nachgehen, kommt eine solche Aufteilung entgegen. Speed gilt für die Systematiker unter den Spider-Männern und -Frauen als eher langweilige Herausforderung, bei der vor allem die Dynamik gefordert ist, während es beim Bouldern viel um Maximalkraft und beim Lead um Ausdauer geht.

          Diejenigen, die Tokio auslassen, können sich gezielter auf Paris vorbereiten. Der für die Frankfurter Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) startende Hojer sieht nicht nur deshalb für sich einen zunehmenden Nachteil, sollte er seine Karriere fortsetzen. Der Nachwuchs meistere schon jetzt die glatten Flächen, die es, als er selbst 2014 Gesamtweltcupsieger wurde, noch gar nicht gab.

          Vier Bundestrainer

          Klettern als Wettkampfsport hat sich in jeder Hinsicht professionalisiert. In Deutschland arbeiten mittlerweile vier Bundestrainer, es gibt Talentsichtungen, Kaderlehrgänge und feste Trainingsstätten. „Im Lead gehören wir zu den Top-5-Nationen“, sagt DAV-Coach Urs Stöcker. In den anderen Bereichen gebe es Nachholbedarf. Denn auch international haben sich die Sportart und ihr Leistungslevel rasant entwickelt.

          Für die beiden deutschen Starter in Tokio, zu denen noch der Erlanger Alexander Megos zählt, soll es darum gehen, „das Bestmögliche herauszuholen“. Hojers Optimismus schürt, „dass ich 2018 Dritter bei den Weltmeisterschaften im gleichen Starterfeld“ war. Nicht zuletzt hängt sein Erfolg an einer sauberen Strecke und an seinen Fingerkuppen.

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