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Isis-Anführer Al Bagdadi : Predigt eines Terrorführers

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Der Anführer der dschihadistischen Terrormiliz im Irak, Abu Bakr al Bagdadi, hat sich offenbar erstmals in einem Video gezeigt. Der Sohn eines Religionsgelehrten inszeniert sich als Kalif und Gelehrter.

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          Unruhig flackernd, wie die eines Personenschützers bewegten sich die Augen von Abu Bakr al Bagdadi, als er am Freitag seinen ersten öffentlichen Auftritt inszenierte. Gekleidet in schwarzem Gewand, auf dem Kopf den schwarzen Turban, der eine Abstammung vom Propheten Mohammed anzeigt, hielt der Anführer der Terrorgruppe Islamischer Staat das Freitagsgebet. Dass er in der erhabenen Al-Nuri-Moschee von Mossul predigte, noch dazu am ersten Freitag im Fastenmonat Ramadan, bedeutet war eine klare Botschaft: Der selbst ernannte „Kalif Ibrahim“, Herrscher über ein islamischen Reichs, das eines Tages von der nordafrikanischen Mittelmeerküste bis zum Persischen Golf reichen soll, will nicht länger nur als Terroristenführer wahrgenommen werden.

          Als solcher hatte der 1971 in der irakischen Provinz Samarra als Ibrahim bin Awad bin Ibrahim al Badri al Radawi al Husseini al Samarai geborene Sohn eines Religionsgelehrten nach der amerikanischen Invasion 2003 Karriere gemacht. Abu Bakr al Bagdadi ist sein Kampfname, der ganz bewusst Erinnerungen an die Blütezeit des Islams weckt: Abu Bakr war ein Gefährte des Propheten Mohammed und nach dessen Tod der erste Kalif, sein erster Stellvertreter als politischer Führer der Muslime; Bagdad war die Hauptstadt des Abbasidenreichs. Nach den Biographien, die auf dschihadistischen Internetseiten verbreitet werden, wurde Bagdadi an der Islamischen Universität von Bagdad promoviert.

          Ein radikaler Imagewandel

          Im Duktus eines Religionsgelehrten bat der Extremistenführer seine Anhänger am Wochenende um Gefolgschaft: „Wenn ihr meint, dass ich im Recht bin, dann helft mir“, sagte er. „Wenn ihr meint, dass ich gegen das islamische Recht verstoße, dann beratet mich.“ Es ist ein radikaler Imagewandel, den Abu Bakr, der 2010 die Führung über die Terrorgruppe Al Qaida im Irak übernommen hatte, jetzt vollzieht.

          Einen Namen gemacht hatte sich der derzeit stärkste sunnitische Führer im Irak als williger Vollstrecker der Befehle des 2006 ermordeten Extremistenführers Abu Musab al Zarqawi. Der hatte sich Anweisungen der Al-Qaida-Zentrale im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet immer wieder widersetzt, die Terroranschläge in schiitischen Gebieten zu beenden. Diesem Kurs folgt auch Bagdadi: Schiiten sind für ihn Abtrünnige, die umgebracht gehören. Bilder von gesprengten und mit Bulldozern dem Erdboden gleich gemachten Moscheen der größten Religionsgruppe im Irak kursierten nur Stunden nach seinem Mossuler Auftritt auf islamistischen Internetseiten. Er selbst hatte sich immer im Verborgenen gehalten, galt als Phantom.

          Ministerium: Eine Fälschung

          Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums bezeichnete das Video aus der Nuri-Moschee am Sonntag als Fälschung; bei dem Redner mit dem dichten Bart handele es sich „unbestreitbar“ nicht um Bagdadi. Dieser sei vergangene Woche bei einem Luftangriff von irakischen Regierungstruppen verletzt – und danach zur Behandlung nach Syrien gebracht worden, wo die beiden Provinzen Raqqa und Deir al Zor fest unter Kontrolle des Islamischen Staats stehen.

          Quellen in Mossul hingegen behaupten, Bagdadi sei kurz vor Beginn des Freitagsgebets inmitten eines Konvois schwarzer Geländewagen in die Stadt eingefahren. Sein Sicherheitsteam habe mit Störsendern verhindert, dass über Mobiltelefone gezündete Bomben detonieren könnten.

          Unabhängig von der Authentizität des Videos sind die jüngsten Botschaften Bagdadis klar: Nach dem Blitzkrieg im Juni, der seine Truppen innerhalb von wenigen Tagen von Mossul bis kurz vor Bagdad brachte, erhebt er den Anspruch auf mehr. Wie einst der junge Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah erhebt er den Anspruch, politischer, religiöser und militärischer Führer zugleich zu sein.

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