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: "I just called to say I love you"

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Eines der großen Ärgernisse der modernen Technik ist der Umstand, dass ich mich über jede neue Entwicklung, die mein Leben spürbar und auf immer neue Weise beeinträchtigt, nur ein, zwei Jahre lang aufregen kann, bis mir von allen ...

          Eines der großen Ärgernisse der modernen Technik ist der Umstand, dass ich mich über jede neue Entwicklung, die mein Leben spürbar und auf immer neue Weise beeinträchtigt, nur ein, zwei Jahre lang aufregen kann, bis mir von allen Seiten nahegelegt wird, nicht so altmodisch zu sein und doch endlich zu akzeptieren, dass das jetzt eben so sei.

          Ich habe nichts gegen technische Neuerungen. Digitale Voicemail und Anruferkennung, die der Tyrannei des klingelnden Telefons ein Ende bereiteten, gehören für mich zu den wirklich grandiosen Erfindungen des späten zwanzigsten Jahrhunderts. Und mein Blackberry, das mir die Möglichkeit gibt, auf lange, unwillkommene E-Mails mit einer telegrammartig knappen Nachricht zu reagieren, die, weil mit dem Daumen getippt, den Empfänger gleichwohl zu Dankbarkeit verpflichtet, liebe ich geradezu. Und die Ohrstöpsel, mit denen ich rauscharme Musik in einer Lautstärke hören kann, dass ich selbst von dem wummernden Fernseher in der Nachbarwohnung nichts mehr mitbekomme - große Klasse. Und die ganze schöne Welt von DVDs und hochauflösenden Bildschirmen, die mir schon so viele versiffte Kinosäle erspart hat, so viele unhöflich flüsternde Sitznachbarn, so viele mampfende Popcornesser - ja.

          Privatsphäre heißt für mich nicht, mein Privatleben vor anderen Leuten zu verbergen, sondern nicht in anderer Leute Privatleben hineingezogen zu werden. Und darum kann ich, obwohl meine Lieblingsgeräte zu einem Mehr an Privatsphäre beitragen, so ziemlich jede Neuentwicklung begrüßen, solange sie sich mir nicht aufdrängt. Wenn Sie jeden Tag eine ganze Stunde bei Facebook verbringen, wenn es Ihnen egal ist, ob Sie Jane Austen auf einem E-Book oder in gedruckter Form lesen, oder wenn Sie das Videospiel "Grand Theft Auto IV" für das größte Gesamtkunstwerk seit Wagner halten - schön für Sie, aber bitte behalten Sie es für sich.

          Probleme habe ich mit den fortgesetzten Zumutungen, den alten Kränkungen, die immer weiter schmerzen. Fernseher in Flughäfen beispielsweise werden von vielleicht jedem zehnten Passagier genutzt (solange nicht gerade ein Fußballspiel übertragen wird), für alle anderen sind sie ein ausgesprochenes Ärgernis. Jahraus, jahrein, auf jedem beliebigen Flughafen: eine kleine, aber permanente Beeinträchtigung der Lebensqualität für den durchschnittlichen Reisenden. Ein anderes Beispiel ist die gezielte Verdrängung guter Software durch schlechte Software. Ich verstehe noch immer nicht, warum das beste Schreibprogramm aller Zeiten, WordPerfect 5.0 für DOS, auf keinem der heute angebotenen Computer läuft. O ja, theoretisch kann man es auf Windows weiterhin benutzen, aber das Fenster mit dem DOS-Emulator ist so winzig und so plump in der graphischen Darstellung, dass es geradezu einer bewussten Beleidigung all jener gleichkommt, die nicht mit einem zukunftsschweren Ungetüm arbeiten wollen. WordPerfect 5.0 war hoffnungslos primitiv für Desktop Publishing, aber unübertroffen für Schriftsteller, die mit dem Computer einfach nur schreiben wollten. Elegant, virenfrei und von überschaubarem Umfang, musste es dem überladenen, aufdringlichen, monopolistischen, störanfälligen Word weichen. Hätte ich in meinem Arbeitszimmer nicht alte 386er und 486er gehortet, könnte ich WordPerfect heute gar nicht mehr benutzen. Inzwischen bin ich auch schon bei meinem letzten 486er angekommen. Trotzdem haben Leute den Nerv, sich furchtbar aufzuregen, wenn ich ihnen Texte nicht in einem Format schicke, das dem allmächtigen Word verständlich ist. Wir leben in einer Word-Welt, kapier das endlich, du Schlafmütze!

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