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Recht auf Homeoffice : Die SPD zwischen Romantik und Frühkapitalismus

Bild: Eva-Maria Magel

Die Defizite der Heimarbeit treten in Corona-Tagen offen zutage, aber auch die Vorzüge für manchen Arbeitgeber. Will die SPD die Partei der Privilegierten sein?

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          Das „Home Office“ gibt es wohl nur deshalb als missratenen Anglizismus (denn im Englischen heißt es „Innenministerium“), weil „Heimarbeit“ an frühkapitalistische Zeiten erinnern könnte. Damals stand sie für gnadenlose Ausbeutung und die industrielle Pervertierung traditioneller Hauswirtschaft.

          Warum will dann aber ausgerechnet die SPD ein Recht auf Heimarbeit? Auf den Trichter ist die Partei gekommen, weil sie digital-modern sein möchte, neue Arbeitszeitmodelle durchsetzen will und den „Präsenz-Wettbewerb“ am Arbeitsplatz für eine postindustrielle Form von Ausbeutung hält.

          Die Corona-Krise, die Arbeitsminister Hubertus Heil dazu gebracht hat, die Forderung aufzuwärmen, könnte sich nun aber zum Bumerang für die SPD entwickeln. Denn sie bringt beide Seiten der Vorstellungen über die Heimarbeitswelt zutage: Sie tragen nicht nur die Reste der „Verlegten“ aus den Tagen des Frühkapitalismus in sich; sie sind auch noch romantisch

          Wer von zuhause arbeiten kann, ist in der Regel privilegiert: Er hat Platz, Ruhe und Mittel dafür. Selbst wenn der Arbeitgeber die Mittel bereitstellen muss, wird er wohl kaum für Platz und Ruhe sorgen. Es sind die Begüterten, die sich das leisten können, und nur bestimmte Berufsgruppen (vornehmlich im öffentlichen Dienst).

          Weder der Handwerker noch der Gastwirt noch der Facharbeiter werden ihre Arbeit aber mit dem Blick in den eigenen Garten verrichten können. Die Defizite der Heimarbeit treten in Corona-Tagen offen zutage, aber auch die Vorzüge für manchen Arbeitgeber – sie können Aufwand und Kosten delegieren, umso mehr, wenn erst einmal die Großraum-Virenschleudern in Verruf geraten. Und dabei will die SPD tatkräftig mithelfen? Heil ist auf dem Holzweg.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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