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Herbstauktion bei Lempertz : Die Künstler aus der zweiten Reihe stehlen den Großen die Schau

  • -Aktualisiert am

Der gemäßigte Zuschlag für Max Pechsteins „Mühlengraben“ von 1921 steht für die Stimmung in Köln: Das Bild bestätigte die untere Taxe von 700.000 Euro. Bild: Lempertz

Trotz einiger Rückschläge: Der Auktionsmarathon bei Lempertz in Köln mit Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart geht mit einem soliden Ergebnis zu Ende

          Wie schon im Frühjahr bestimmten Werke aus der Sammlung von Gustav Rau, versteigert im Auftrag von Unicef, die Auktionen mit Alter Kunst und Kunstgewerbe bei Lempertz in Köln. Rund 1500 Lose kamen zum Aufruf, darunter allein 1080 in der wohl umfangreichsten Sektion mit Kunstgewerbe, die das Kölner Haus je angeboten hat. Die untere Gesamttaxe der Alten Kunst betrug 8,3 Millionen Euro, beim Kunstgewerbe rund 3,8 Millionen. Lempertz nennt nun ein Bruttoergebnis von 11,1 Millionen Euro, davon entfallen 7,67 Millionen auf die Alte Kunst und 3,43 Millionen auf das Kunstgewerbe.

          Der Favorit unter den Alten Meistern, Fra Filippo Lippis „Madonna mit Kind“ aus der Sammlung Rau, blieb hinter seinen Erwartungen von 400.000 bis 500.000 Euro zurück und wurde bei 340.000 Euro zugeschlagen. Überraschend großes Interesse fand ein deutlich niedriger angesetztes Madonnenbildnis: Katharina van Hemessens bislang unbekanntes Gemälde „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ (Taxe 25.000/28 000 Euro). Die Bieter trieben das Gemälde rasch über die Marke von 100.000 Euro. Pariser Handel gewährte schließlich den Rekordpreis für die Künstlerin von 420.000 Euro. Ebenfalls nach Paris reist Luca Carlevariis’ Venedigprospekt für 390.000 Euro (350.000/400.000).

          Fra Filippo Lippis „Madonna mit Kind“, Tempera auf Holz, partiell vergoldet,  81 mal 62 Zentimeter groß, erreicht nur einen Zuschlag bei 340.000 Euro, die Taxe lag bei 400.000 bis 500.000 Euro.

          Die bei Lempertz häufig gehandelten Brueghel-Brüder blieben - wie viele andere Werke - noch unter ihren Schätzungen hängen: Jan Brueghel der Ältere erreichte mit seiner „Landschaft mit Venus und Adonis“ 160.000 Euro (180.000/220.000), eine „Dorflandschaft mit Pferdetränke“ von Jan Brueghel dem Jüngeren erzielte 100.000 Euro (120.000/150.000), wie auch seine „Allegorie des Wassers“ (120.000/140.000). Immerhin, die späte „Allegorie des Krieges“, ebenfalls von Jan Brueghel der Jüngere, übertraf ihre Erwartung von 40.000 bis 50.000 Euro und wurde bei 58 000 Euro von einem amerikanischen Sammler übernommen. Ein Käufer aus Russland bewilligte 110.000 Euro (90.000/110.000) für Gerard Seghers’ „Mariä Verkündigung“.

           Gerard Seghers’ Mariä Verkündigung, Öl auf Leinwand, 119,5 mal 206,5 Zentimeter groß, war geschätzt auf 90.000 bis 110.000 Euro. Der Zuschlag erfolgte bei 110.000 Euro.

          Für eine fast lebensgroße, steinerne Madonna mit Kind aus der Sammlung Rau gab es kein Gebot (200.000/300.000), während eine im 14. Jahrhundert in Elfenbein gearbeitete und nur 31 Zentimeter kleine Kollegin aus der Sammlung Rau die Taxe von 60.000 bis 80.000 Euro mühelos hinter sich ließ. Der Hammer fiel bei 180.000 Euro, geboten von belgischem Handel.

          Spitzenlos der Moderne war Lyonel Feiningers „Stillleben auf blauem Tisch“ von 1912. Die Schätzung lag bei 900.000 bis 1,2 Millionen Euro; der Zuschlag bei 1 Million Euro.

          Im 19. Jahrhundert wurde nur Jacob Philipp Hackert den Erwartungen gerecht. Von ihm brachten die vier italienischen Landschaften, bewilligt vom deutschen Handel, insgesamt 480.000 Euro (Taxen zwischen 80.000 und 150.000). Die Hauptlose aus der Sammlung Rau, ein „Strauß Chrysanthemen in einem irdenen Krug“ von Henri Fantin-Latour (200.000/ 350.000) und „Satyr und Nymphe“ von Delacroix (140.000/180.000), konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Beim Kunstgewerbe fiel ein auf 300.000 bis 400.000 Euro geschätzter venezianischer Prunkrahmen durch, während ein 24 Zentimeter großer silberner Stier aus der Sammlung Rau im dicht besetzten Saal und an zahlreichen Telefonen bis auf 250.000 Euro (80.000/ 120.000) hochgetrieben wurde.

          Jacob Philipp Hackerts „Blick auf den Golf von Pozzuoli“ von 1805, Öl auf Leinwand, 64,5 mal 96,5 Zentimeter groß und geschätzt auf 120.000 bis 150.000 Euro. Das Bild gehört zu einer Reihe von vier Gemälde, die zusammen für 480.000 Euro verkauft wurden.

          Bei der Klassischen Moderne reüssierte das Spitzenlos, Lyonel Feiningers „Stillleben auf blauem Tisch“ von 1912. Ein deutscher Privatsammler bot eine Million Euro für das auf 900.000 bis 1,2 Millionen geschätzte Werk. Max Pechsteins Gemälde „Der Mühlengraben“ von 1921 bestätigte seine untere Erwartung von 700.000 Euro (700.000/900.000), die ein Händler aus der Schweiz bewilligte. Henry van de Veldes luftige „Gartenpartie in Kalmthout“, auf 60.000 bis 80.000 Euro geschätzt, sicherte sich ein russischer Bieter bei 90.000 Euro.

          Gemischten Erfolg sahen auch die Werke auf Papier: Kurt Schwitters bestätigte die Erwartung von 100.000 Euro für eine späte „Merzzeichnung“. Emil Noldes Südseemotiv war einem deutschen Sammler 75.000 Euro (60.000/70.000) wert, seine „Hängenden rote Blütendolden“ fielen hingegen durch (100.000/120.000), ein rot auf blauem Grund leuchtender „Orchideenzweig“ wurde bei 56 000 Euro (60.000/ 80.000) abgegeben; die Darstellung eines „Sees mit Boot vor einer Berglandschaft“ ging ebenfalls zurück (50.000/55.000).

          Kirchners Doppelporträt der Schwestern Erna und Gerda Schilling erhielt keine Meldung, während sein „Kopf“, geschätzt auf 12 000 bis 15.000 Euro, heftig umworben und bis auf 26 000 Euro gehoben wurde. Klimts Zeichnung „Akt nach links“ wurde an mehreren Telefonen bis auf 40.000 Euro (20.000/25.000) getrieben.

          Die „Gelbe Nase“ von Baselitz aus dem Jahr 1992 für geschätzte 80.000 bis 120.000 Euro fand kein Gebot.

          Bei den Zeitgenossen war Günther Uecker, wie stets im Rheinland, beliebt: Das Bietgefecht für seine Nagelung „Gespalten“ von 1987 kam erst bei 440.000 Euro (300.000/350.000) zum Ende. Viele wichtige Lose enttäuschten im weiteren Verlauf der Auktion: Zurück gingen etwa Vasarélys „Baikal“ (90.000/120.000) und Baselitz’ „Gelbe Nase“ (80.000/120.000), Jean-Paul Riopelles unbetitelte Komposition (100.000/120.000) und Peter Brünings Komposition von 1961 (60.000/80.000). Ansehnliche 150.000 Euro erzielte Ernst Wilhelm Nays „Crescendo“ das mit 90.000 Euro beziffert war. George Mathieus „Composition“ aus dem Jahr 1969 wurde für 100.000 Euro (90.000/130.000) nach Italien vermittelt. Völlig schwerelos zeigte sich das Konvolut von NASA-Fotografien: die 25 Aufnahmen, angeboten zu Taxen von 400 bis 4500 Euro, wurden fast komplett abgesetzt; das höchste Ergebnis mit 6500 Euro erzielte die erste, je von Menschen fotografierte Ansicht der Erde.

          Für die Auktionen mit Klassischer Moderne, Gegenwartskunst und Fotografie gibt Lempertz einen Bruttoerlös von 9,5 Millionen Euro an. Knapp unter der Erwartung von 5,2 Millionen Euro liegt das Gesamtergebnis für die Moderne mit 4,9 Millionen Euro. Die Zeitgenossen bestätigen die Schätzung exakt mit 4,2 Millionen Euro brutto.

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