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Staudammprojekt in der Türkei : Der Untergang von Hasankeyf

  • Aktualisiert am

Ein Junge sitzt auf einer Schulbank an der Stelle, wo die alte Stadt Hasankeyf durch den Ilosu-Staudamm überflutet wurde. Bild: Bulent Kilic/AFP

Spötter sagen, in der Türkei gebe es so viele archäologische Stätten, dass die eine oder andere überflutet werden könne. Das geschieht nun mit Hasankeyf. Der AFP-Fotograf Bülent Kilic hat über Jahre den Untergang der Stadt am Tigris dokumentiert.

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          Die Liste der Stätte, die in der Türkei unter den Wassermassen der Staudämme entlang der Flüsse Euphrat und Tigris versunken sind, ist lang. Die römische Siedlung Zeugma gehört dazu, ihre sensationellen Mosaiken konnten in einer Notgrabung im Jahr 2000 aber zum Teil gerettet werden. Ein weiteres Beispiel ist die alte armenische Stadt Halfeti, der einzige Ort der Welt, an dem schwarze Rosen wachsen.

          Im Mai nahm Präsident Tayyip Erdogan die Turbinen des Wasserkraftwerks des Ilisu-Damms feierlich in Betrieb. Fortschritt bedeutet für seine Regierung, Dämme und Kraftwerke zu bauen. Dabei hätte die Regierung auch einen Antrag stellen können, das seit 12.000 Jahren besiedelte Hasankeyf, das eine der ältesten besiedelten Städte ist, als Weltkulturerbe anzuerkennen.

          Nun ist das von der Natur und dem Menschen geschaffene Hasankeyf unter den Fluten eines neuen Stausees versunken, dessen Fläche zwei Drittel der Größe des Bodensees hat. Im Neolithikum hatten Menschen in die hohen Sandsteinkliffs von Hasankeyf Höhlen gegraben und in ihnen gelebt. Als Station der Seidenstraße gelangte die Stadt, die am äußersten Ende des Römischen Reichs lag, zu Wohlstand. Und die mittelalterliche islamische Stadt gehörte zu den Sehenswürdigkeiten im Osten Anatoliens. Lange war die Gegend armenisches Siedlungsgebiet, heute leben hier Kurden. Das ferne Ankara ging über den Widerstand der Bevölkerung gegen das Projekt hinweg. Proteste waren verboten.

          In den vergangenen Monaten sind mehr als 70.000 Menschen in eine neue Stadt aus grauen Betonkuben umgesiedelt worden. Immerhin wurden sieben historische Monumente vor den Fluten gerettet. So wurde die Rizk-Moschee zerlegt und im Archäologiepark der hässlichen Retortenstadt wieder zusammengesetzt. Am Ilisu-Damm und Hasankeyf zeigt sich abermals, dass keine andere Energieform Natur zerstört wie die Wasserkraft.

          Die neu errichtete Siedlung Hasankeyf am Ufer des Ilisu-Stausee, der die antike Stadt überflutete.
          Die neu errichtete Siedlung Hasankeyf am Ufer des Ilisu-Stausee, der die antike Stadt überflutete. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Mit Schwerlasttransportern wird eine Moschee aus dem 15.Jahrhundert in die Neuansiedlung Hasankeyf gebracht.
          Mit Schwerlasttransportern wird eine Moschee aus dem 15.Jahrhundert in die Neuansiedlung Hasankeyf gebracht. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Junge Männer öffnen Sonnenschirme in einem Cafe am Ufer des Tigris.
          Junge Männer öffnen Sonnenschirme in einem Cafe am Ufer des Tigris. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Männer baden an der Staumauer des Ilisu-Damms, 82 km südöstlich der historischen Stadt Hasankeyf.
          Männer baden an der Staumauer des Ilisu-Damms, 82 km südöstlich der historischen Stadt Hasankeyf. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Kinder spielen auf einer mächtigen Betonkuppel, die eine historische Moschee vor Wasser schützen soll.
          Kinder spielen auf einer mächtigen Betonkuppel, die eine historische Moschee vor Wasser schützen soll. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Eine Frau begleitet die Exhumierung ihres Schwiegervaters. Wegen des  Staudammprojekts mussten Friedhöfe umgesiedelt werden.
          Eine Frau begleitet die Exhumierung ihres Schwiegervaters. Wegen des Staudammprojekts mussten Friedhöfe umgesiedelt werden. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Eine Frau betrachtet eine neu errichtete Mauer nahe der antiken Stadt Hasankeyf.
          Eine Frau betrachtet eine neu errichtete Mauer nahe der antiken Stadt Hasankeyf. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Ein Mann bringt einen Feigenbaum in die neuerbaute Siedlung Hasankeyf.
          Ein Mann bringt einen Feigenbaum in die neuerbaute Siedlung Hasankeyf. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Eine Brücke führt von dem Gebiet der historischen Stadt Hasankeyf in die gleichnamige neuerbaute Siedlung.
          Eine Brücke führt von dem Gebiet der historischen Stadt Hasankeyf in die gleichnamige neuerbaute Siedlung. : Bild: Bulent Kilic/AFP

          Eine Straße endet in dem Stausee, im Hintergrund die neuerbaute Siedlung Hasankeyf.
          Eine Straße endet in dem Stausee, im Hintergrund die neuerbaute Siedlung Hasankeyf. : Bild: Bulent Kilic/AFP

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