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Brexit-Klage : Die Frau, die den Brexit kippen könnte

  • -Aktualisiert am

Investmentmanagerin Gina Miller vor dem berühmten Glockenturm in London Bild: AFP

Gina Miller ist Millionärin, leitet eine Investmentfirma und soll einen Bond-Film inspiriert haben. Dazu klagte sie erfolgreich gegen den EU-Austritt Großbritanniens. Was treibt die Frau an, die den Brexit verhindern könnte?

          4 Min.

          Gina Miller steht vor den Treppenstufen des High Court of Justice in London, dem obersten Zivilgericht Großbritanniens. Sie trägt eine blaue Tweedjacke, das dunkle Haar modisch frisiert. „Das Ergebnis heute geht uns alle etwas an“, sagt sie. „Es geht nicht um mich oder mein Team, sondern um unser Vereinigtes Königreich und unsere gemeinsame Zukunft“, sagt sie. Dann beginnen die Leute um sie herum zu klatschen.

          Am Dienstag entschied der High Court, dass die britische Regierung für die geplanten EU-Austrittsverhandlungen die Zustimmung des britischen Parlaments einholen muss. Die Premierministerin Theresa May hatte eine Abstimmung im Parlament über den Beginn der Austrittsverhandlungen gemäß Artikel 50 des Lissabon-Vertrags zuvor ausgeschlossen. May gab sich nach der Entscheidung des Gerichts enttäuscht.

          Daran Schuld ist eine Frau: Gina Miller. Sie argumentierte, das Parlament dürfe bei einer so wichtigen Entscheidung wie dem EU-Austritt nicht umgangen werden. Und klagte.

          Sie wird die schwarze Witwe genannt

          Doch wer ist die 51 Jahre alte Managerin, die so erbittert gegen den Brexit kämpft? Seit der Entscheidung am Dienstag geraten mehr und mehr Details über ihr Leben an die Öffentlichkeit. Zusammen mit ihrem Ehemann Alan Miller leitet sie eine Investmentfirma. Mehr als 30 Millionen Pfund soll ihr gemeinsames Vermögen betragen. Geboren wurde sie in Britisch Guyana. Dort wuchs sie in ärmlichen Verhältnissen auf. Als sie zehn Jahre alt war, schickten ihre Eltern sie auf ein Internat auf dem britischen Festland. Wegen ihrer dunkleren Hautfarbe wurde sie an der Schule gemobbt. Eine Erfahrung, die sie schon früh „zu Stahl“ werden ließ, wie sie der britischen Zeitung „The Times“ in einem Interview sagte.

          Über die attraktive Miller zirkulieren gerade in der britischen Boulevard-Press einige Gerüchte. Sie soll in Achtziger Jahren als junge Frau den Drehbuchautor Dennis Potter zu der sexuell aufgeladenen Drama-Serie „Blackeyes“ inspiriert haben. Die Protagonistin in der Serie heißt Gina Bellman. Ein anderes Gerücht besagt, dass ihre Silhouette für die Eröffnungsszene der Bond-Filme diente. Die britische Boulevardzeitung „Dailymail“ behauptete kürzlich, Miller hätte dieses Gerücht nie ernsthaft bestritten.

          Nach Millers Aussagen verlief ihr Leben aber weniger glanzvoll. Sie heiratete früh und bekam drei Kinder. Unter anderem eine geistig behinderte Tochter, die noch bei ihr wohnt. Vor ihrer Karriere im Investmentbereich schlug sie sich als Dienstmädchen und Model durch. Dann traf sie den millionenschweren Hedgefond-Manager Alan Miller, ihren mittlerweile dritten Ehemann, und gründete mit ihm zusammen eine Investmentfirma. „Mich haben männerdominierte Berufe schon immer angezogen“, sagte sie.

          Im Jahr 2012 startete sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Kampagne, die zu mehr Transparenz im Bankensektor aufrief. „Eines meiner Ziele bestand immer darin, mich für einen gewissenhaften Kapitalismus einzusetzen“, sagte sie. In der Finanzmetropole London machte sie sich damals viele Feinde. Nach eigenen Angaben wird sie seitdem von ihren Gegnern als „Schwarze Witwe“ bezeichnet. Neben dem Einsatz für einen transparenteren Finanzmarkt, spendet sie angeblich jedes Jahr hunderttausende Pfund für gemeinnützige Projekte in Großbritannien.

          „Wir haben die EU im Stich gelassen“

          Ihr neuestes Projekt ist der Kampf gegen den Brexit. Am Tag nach dem Brexit wachte sie auf und entschied sich etwas dagegen zu unternehmen. Mit ihrem eigenen Geld beauftragte sie eine Anwaltsfirma. „Ich konnte einfach nicht schlafen, ohne darüber nachzudenken was [der Brexit] für meine Kinder, die Zukunft, für die Gesellschaft bedeutet“, wird sie in der Zeitung „Guardian“ zitiert. „Als ich begriff, es gibt keinen konkreten Plan, und dass wir eine trügerische Zukunft vor uns haben, da glaubte ich, keine andere Alternative zu sehen“, sagt sie.

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