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Weite Teile der Ernte zerstört : Burmas Elend treibt den Reispreis in die Höhe

Schlangen vor den rationierten Lebensmitteln in Bogolay Bild: AFP

Der Reispreis steigt in neue Höhen. Nach dem Wirbelsturm dürften die erwarteten Exporte aus Burma ausfallen. Händler fürchten weitere Katastrophen in Asien und einen schwachen Monsun in Indien.

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          Die Katastrophe in Burma treibt die Reispreise von Rekord zu Rekord. Der Zyklon "Nargis" hat in dem südostasiatischen Küstenland offenbar weite Teile der Ernte im fruchtbaren Delta des Irrawaddy zerstört. Die Terminkontrakte für Reis an der Börse in Chicago legten allein am Mittwoch um 3,5 Prozent zu. Die Märkte hatten damit gerechnet, dass Burma in diesem Jahr 600.000 Tonnen Reis exportieren werde. Die Naturkatastrophe bremst nun diese Erwartungen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Im vergangenen Jahr hatte Burma 400.000 Tonnen ausgeführt, berichten dortige Staatsmedien. Abnehmer waren unter anderem arme Nachbarländer wie Bangladesch und Sri Lanka.

          Erst im vergangenen November hatte ein Zyklon in Bangladesch mehr als 3000 Menschen getötet und 600 000 Tonnen Reis vernichtet. Fachleute warnen davor, dass nun neuerliche Wirbelstürme zu weiteren Verwüstungen in anderen Ländern Südostasiens führen könnten. Indien ist zugleich auf einen starken Monsun in diesem Sommer angewiesen, um seine mehr als eine Milliarde Menschen mit Reis versorgen zu können.

          Selbst Daten zum Reisanbau schwer zugänglich

          Für die verschlossene Militärdiktatur Burma sind selbst gesicherte Daten zum Reisanbau schwer zugänglich: So gab die Regierung vor dem Sturm an, ein Erntevolumen von fast 19 Millionen Tonnen Reis in diesem Jahr zu erwarten. Beobachter der amerikanischen Regierung hingegen hatten nur mit gut 11 Millionen Tonnen gerechnet.

          Die immer deutlicher zutage tretenden Zerstörungen in Burma führen zu starken Käufen der Reisverbraucher. Dabei treibt auch die Unsicherheit über die tatsächlichen Zerstörungen den Preis. "Derzeit preist der Markt schlicht das ein, was er über die Lage in Burma weiß. Die Situation war schon angespannt ohne die Katastrophe dort", sagt Vichai Sirprasai, Präsident von Riceland International, einem der größten Reisexporteure Thailands. Die Welternährungsorganisation warnte am Donnerstag, dass ein Einbruch der Reisausfuhren aus Burma oder auch nur ein höherer Import die Lage auf dem Weltmarkt weiter anspannen werde.

          Die Regierung der Philippinen erklärte gerade, "aggressiv" Reis kaufen zu wollen. Der Inselstaat ist der größte Reisimporteur der Erde. Er habe in diesem Jahr Bedarf an zusätzlichen Einfuhren zwischen 500 000 und 700 000 Tonnen, um die nationale Reserve aufzustocken, erklärte die Regierung. Zum Vergleich: Chinas Regierung hat gerade erklärt, sie verfüge über eine strategische Reserve von 150 bis 200 Millionen Tonnen Reis. Die weltweite Reisreserve indes hat sich seit 2004 halbiert. Sie liegt nun auf dem niedrigsten Stand seit 1970.

          Reispreis seit Jahresbeginn fast verdreifacht

          Der Preis für Reis, das Grundnahrungsmittel für etwa 3 Milliarden Menschen, hat sich dagegen seit Jahresbeginn fast verdreifacht. Die Vereinigung thailändischer Reisexporteure hat den Preis für den weißen Rohstoff gerade massiv erhöht. Der Preis für eine Tonne Reis mittlerer Qualität liegt nun bei 941 Dollar, nachdem er in der vergangenen Woche noch 854 Dollar betragen hatte.

          Schon vor dem Unglück in Burma hatten große Reisnationen wie Vietnam oder Indien aufgrund der angespannten Lage auf dem Weltmarkt Ausfuhrbeschränkungen erlassen. So dürfte die größte Last für zunehmende Exporte nach Burma nun auf Thailand liegen. Flüchtlingsorganisationen in Thailand berichten, die Preise für Speiseöl, Reis und Treibstoff hätten sich in ihrem Heimatland seit dem Desaster schon mehr als verdoppelt. Die Welternährungsorganisation erwartet, dass der gesamte Reisexport in diesem Jahr ein Volumen von 29,9 Millionen Tonnen haben werde. Der Präsident der Asiatischen Entwicklungsbank, Haruhiko Kuroda, hatte Anfang der Woche vor Hunger und Unterernährung bei etwa einer Milliarde Asiaten gewarnt.

          Die überwiegende Mehrheit der 52 Millionen Burmesen im Lande litt auch schon vor der Katastrophe unter einem Mangel an Nahrungsmitteln. Zwar galt Burma dank seiner Bodenschätze Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch als reichstes Land der Region: Als die Briten Burma 1948 in die Unabhängigkeit entließen, war es noch einer der größten Reisexporteure der Welt. Die nun seit 1962 währende Ausbeutung durch die Selbstbereicherung der Militärs aber hat dazu geführt, dass heute zahlreiche Lebensmittel rationiert sind. Werden sie morgens von der Regierung ausgegeben, bilden sich vor den Läden der ehemaligen Hauptstadt Rangun lange Schlangen.

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