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Griechenland : Zweijähriger Flüchtlingsjunge ertrinkt in der Ägäis

  • Aktualisiert am

Mahnmal für ertrunkene Flüchtlinge: ein Friedenszeichen aus Schwimmwesten auf der griechischen Insel Lesbos Bild: Reuters

Vor der griechischen Insel Agathonisi ist ein überfülltes Boot mit 40 Flüchtlingen an Bord in Seenot geraten. Helfer konnten 39 Insassen retten. Doch ein zwei Jahre alter Junge überlebte die Überfahrt nicht.

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          Ein zweijähriger Junge ist das erste bekannte Todesopfer der Flüchtlingskrise in der Ägäis in diesem Jahr. Fischer hätten die Leiche des Kleinkindes vor der griechischen Insel Agathonisi aus dem Wasser gezogen, teilte die griechische Küstenwache am Samstag mit. Das überfüllte Boot, in dem der Junge unterwegs gewesen war, war demnach vor der Insel auf Felsen aufgelaufen.

          Die übrigen 39 Insassen, darunter die Mutter des Zweijährigen, wurden in einer gemeinsamen Rettungsaktion der Küstenwache und der Hilfsorganisation Migrant Offshore Aid Station (MOAS) gerettet. Zur Nationalität des Jungen und der anderen Bootsflüchtlinge wurde zunächst nichts mitgeteilt. Die Überlebenden wurden in die Hafenstadt Pythagorio auf der nahe gelegenen Insel Samos gebracht. Zehn von ihnen wurden wegen Unterkühlung ins Krankenhaus eingeliefert.

          „Nichts kann uns auf die schreckliche Wirklichkeit vorbereiten, die sich gerade abspielt“, erklärte der Gründer der MOAS-Stiftung, der amerikanische Unternehmer Christopher Catrambone. „Heute standen wir vor einem der jüngsten Opfer dieser anhaltenden Flüchtlingskrise.“ Dies sei eine „tragische Erinnerung an die tausenden Menschen“, die bei der Flucht ums Leben gekommen sind.

          Mahnmal für ertrunkene Flüchtlinge

          Trotz der Kälte und heftiger Wellen versuchen weiterhin viele Flüchtlinge und Migranten, von der Türkei aus über die Ägäis in das EU-Mitgliedsland Griechenland zu gelangen. Im vergangenen Jahr waren rund eine Million Flüchtlinge nach Europa gelangt, mehr als 3600 Menschen starben bei dem Versuch. Anfang September war der ertrunkene syrische Flüchtlingsjunge Ailan Kurdi zum Sinnbild für die Flüchtlingskrise geworden. Das Bild von der Leiche des Dreijährigen, die an der türkischen Küste angeschwemmt wurde, ging um die Welt.

          Bereits am Freitag hatten mehrere Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Greenpeace und Sea Watch auf der griechischen Insel Lesbos ein Mahnmal errichtet, das an das Schicksal ertrunkener Flüchtlinge erinnern soll. Sie ordneten auf einem Hügel nahe der Ortschaft Mithymna rund 3000 Rettungswesten so an, dass sie ein Friedenszeichen ergaben.  Nahe des Orten liegen die Westen von fast 500.000 Flüchtlingen, die nach Lesbos übergesetzt haben.

          Auf Lesbos plant auch der chinesische Künstler Ai Weiwei ein Mahnmal für die vielen Flüchtlinge, die auf ihrem Weg nach Europa ums Leben gekommen sind. „Viele Menschen haben in den Wellen ihr Leben verloren, wir brauchen ein Denkmal“, sagte Ai am Freitag. Er habe bereits ein Atelier auf Lesbos eingerichtet, das sich an „verschiedenen Projekten“ beteiligen werde.

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