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Zwanzig Jahre nach der Einheit : Ostdeutsche Männer leben ein Jahr weniger

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Selbst zwanzig Jahre nach der Einheit gibt es immer noch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland Bild: dapd

Ob Einkommen, Kinderzahl oder Lebenserwartung - das Statistische Bundesamt zeigt, dass es auch zwanzig Jahre nach der deutschen Einheit immer noch große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen gibt.

          Zwanzigv Jahre nach der Einheit geht bei Einkommen, Kinderzahl und Lebenserwartung immer noch ein tiefer Riss durch Deutschland. So dürfen westdeutsche Männer immer noch auf gut ein Jahr mehr Lebenszeit hoffen als ostdeutsche. Beim Konsum haben sich Ost- und Westdeutsche aber angeglichen: Die Zahl von Handys, MP3-Spielern und Flachbildfernsehern liegt in etwa gleichauf. Das geht aus Daten hervor, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin zum Jahrestag der Vereinigung vorlegte.

          Vom „einheitlichen Vaterland“ ist das „einig Vaterland“ demnach noch ein ganzes Stück entfernt. „Unsere Indikatoren deuten darauf hin, dass es noch Unterschiede gibt in beiden Teilen des Landes“, wie der Präsident des Bundesamts, Roderich Egeler, sagte. Er wies darauf hin, dass in der Statistik auch Unterschiede zwischen Nord und Süd sowie zwischen Stadt und Land zutage treten. Allerdings sind einige Ost-West-Differenzen besonders augenfällig.

          Höherer Geburtenknick in Ostdeutschland

          So weist die Statistik aus, dass Ostdeutschland seit der Wende knapp zwölf Prozent seiner Bevölkerung verloren hat. 2008 lebten dort 1,7 Millionen Menschen weniger als noch zu Wendezeiten. 17,1 Prozent minus verzeichnete Sachsen-Anhalt, während Bayern 9,4 Prozent Bevölkerung gewann. Rund 1,1 Millionen mehr Menschen zogen von den neuen Ländern weg als dort hin. Für die übrigen Verluste ist ein dramatischer Geburtenknick nach der Vereinigung verantwortlich.

          Von 1990 bis 1994 sank die Geburtenzahl um 56 Prozent. Bis heute zeigt die Statistik hier deutliche Unterschiede zwischen in Ost und West, auch wenn der Trend ähnlich ist: In den alten Ländern ohne Westberlin lag das Geburtenniveau 2008 um 22 Prozent unter dem von 1990, in den neuen Ländern ohne Ostberlin waren es jedoch 38 Prozent weniger.

          Westdeutsche Männer leben ein Jahr länger

          Der demografische Wandel wird nach Angaben des Bundesamtes im Osten besonders starke Auswirkungen haben. Die Ostdeutschen sind heute im Schnitt mit 45,4 Jahren bereits deutlich älter als die Westdeutschen mit durchschnittlich 42,8 Jahren.

          Die Lebenserwartung steigt den Daten zufolge in der Tendenz bundesweit. Während Frauen in West und Ost dabei inzwischen mit 82,5 und 82,2 Jahren praktisch gleichauf liegen, scheinen die ostdeutschen Männer bislang abgehängt: Heute neugeborene Jungen in Ostdeutschland dürfen durchschnittlich auf 76,1 Lebensjahre hoffen, im früheren Bundesgebiet dagegen auf 77,4 Jahre. Zum Teil erklärt sich das aus Besonderheiten der Statistik, wie Experte Andreas Bliemeister sagte. Die Rechenmodelle würden noch durch die zu DDR-Zeiten besonders harte körperliche Arbeit der männlichen Bevölkerung geprägt.

          Regionale Unterschiede im Einkommensbereich

          Eindeutig sind laut Bundesamt aber weiter die Unterschiede bei den Einkommen. Hatten die Ostdeutschen beim Verdienst von 47 Prozent des Westniveaus 1991 schon fünf Jahre später auf 73 Prozent aufgeholt, so tat sich danach weniger: 2009 wurden auch nur 77 Prozent erreicht, wie Egeler berichtete. Die Erwerbslosenquote lag 2009 mit 12,6 Prozent im Osten immer noch etwa doppelt so hoch wie im Westen (6,4 Prozent).

          Neben der Sonderauswertung zur Einheit stellte Egeler auch ausgewählte Ergebnisse des neuen Statistischen Jahrbuchs 2010 vor. So befragten die Statistiker erstmals die Menschen mit Migrationshintergrund - inzwischen rund 19 Prozent der Bevölkerung -, warum sie nach Deutschland kamen. Am häufigsten als Motiv genannt wurde demnach mit 16,2 Prozent die Familienzusammenführung, 12,4 Prozent kamen aus beruflichen Gründen und 8,3 Prozent wollten in Deutschland heiraten.

          Bei zwei wichtigen Themen zeigten sich in der Statistik regional große Unterschiede. So war der Anteil der Bevölkerung mit Armutsrisiko in Mecklenburg-Vorpommern mit 23 Prozent mehr als doppelt so groß in Bayern (11,1 Prozent) oder Baden-Württemberg (10,9 Prozent). Auch beim „Gesundheitsverhalten“ führte Mecklenburg-Vorpommern eine Negativliste an: Dort rauchen 33,9 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren, in Bayern nur 25,6 und in Baden-Württemberg 24,4 Prozent.

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