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Zootierhaltung : Wurde Knut gemobbt?

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Allerdings könnten Tiergruppen, die lange Zeit als sozial stabil gegolten hätten, sich rasch verändern: „Wenn etwa ein Tier stirbt, das einem zweiten Rückendeckung gegeben hat, dann wackelt die Position des zweiten“, sagt Wewers. „Oder im Zuge von Reifungsprozessen, wenn ein Tier älter und stärker wird und in höhere Positionen drängt.“

Unterlegene Makakenmütter lassen ihre Babys im Stich

Hat ein solcher Kampf um Positionen in Knuts Gehege stattgefunden, das stets vom Publikum umlagert war? Schon im vergangenen Herbst, nach Knuts Eingliederung in die neue Gruppe, sorgten sich seine Fans. Die hatten Angriffe von den Bärinnen beobachteten. Der Bär müsse lernen, Widerstand zu leisten, hieß es von Seiten des Zoos. Direktor Bernhard Blaszkiewitz verteidigte jetzt die umstrittene Maßnahme, Knut mit den Eisbärinnen zusammenzubringen. Vorher hätten es alle bedauert, dass Knut lange allein lebte, sagt Blaszkiewitz. Mit der Gruppenhaltung habe der Zoo der Kritik entgegenwirken und Knut Beschäftigung verschaffen wollen. Nur anfangs sei Knut isoliert gewesen: „Längst haben sie sich gegenseitig gejagt und auch miteinander gespielt, auch am Todestag.“

Soziale Schwierigkeiten in Zoo-Tierherden sind allerdings häufig. Deshalb werden sie schon länger wissenschaftlich untersucht. Italienische Forscher stellten etwa fest, dass weibliche Japan-Makaken in Gefangenschaft ihre Babys nach der Geburt mit größerer Wahrscheinlichkeit im Stich ließen, wenn sie eine niedrige Position in der Hierarchie hatten.

Ein Kreislaufproblem, Panik, neurologische Schäden?

„Durch Unterdrückung in der Hierarchie oder durch eine anregungsarme Umgebung kann chronischer Stress ausgelöst werden“, sagt Jörg Hartung, Leiter des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Permanenter, chronischer Stress könne auch lebensgefährlich werden, sagt der Veterinärmediziner. „In einer bekannten Studie wurde gezeigt, dass Meerschweinchen zunächst depressiv werden, wenn sie unter chronischem Stress leiden“, sagt Hartung. „Ab einem gewissen Level holt man sie dann nicht mehr zurück, sie werden apathisch und stellen das Fressen ein.“ Hartung hält es durchaus für möglich, dass auch Knut unter chronischem Stress gelitten hat. „Der Organismus ist dann ständig unter Anspannung. Das Tier kann nie entspannen. Unter einem solchen Druck sinkt die Immunabwehr, der Appetit geht zurück. Das öffnet Infektionen die Pforte.“

Auch andere Krankheiten, die latent vorhanden sind, können dann fatal enden. Derzeit diskutieren Tierrechtler, ob Knut vielleicht aufgrund des Inzuchtgrades seiner Familie Organerkrankungen hatte, die zuvor nicht aufgefallen sind. Die Videos, die von Knuts Sturz ins Wasser existieren, lassen noch keinen Schluss zu. Der Bär schien desorientiert, drehte sich mehrfach im Kreis und hob öfters die rechte hintere Tatze, als ob er sich am Bauch kratzen wollte. Ob ein Kreislaufproblem mit darauf folgender Panik oder etwa eine neurologische Erkrankung ihn stürzen ließ - das wird vielleicht die Obduktion klären.

Bedeuten Massen von Zoobesuchern Stress?

Umstritten ist die Antwort auf die Frage, ob auch Zoobesucher Stress für Tiere bedeuten. Im vergangenen Jahr zeigte eine Forschergruppe der Universität Melbourne, dass Orang-Utans im Zoo Plätze bevorzugten, von denen aus sie Menschen beobachten konnten. Die Ergebnisse, so die Wissenschaftler, deuteten darauf hin, dass Menschen anziehend auf Zoo-Orang-Utans wirken. Diese Aussage lasse sich jedoch nicht verallgemeinern. Andere Spezies könnten durchaus anders reagieren. An Zuschauern jedenfalls, die Stress verursachen könnten, hat es Knut seit seinem ersten Auftritt nicht gefehlt.

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