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Zoo Berlin : Wirrwarr um Knuts Todesursache

  • -Aktualisiert am

Knut im Jahr 2009 in seinem Gehege Bild: dpa

Laut Presseberichten starb Knut an einer Erweiterung der Hirnwasserkammern. Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung dementiert - man schneide derzeit noch das Gehirn. Unterdessen gibt es immer neue Vorwürfe gegen den Zoo Berlin.

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          Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass Eisbär Knut bei einem Anfall gestorben ist, der durch eine Erweiterung der Hirnwasserkammern ausgelöst wurde. Dies habe die Sektion im Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung ergeben. Knut sei durch eine Art Anfall schnell gestorben; er sei nicht ertrunken. Das IZW hingegen dementiert diese Berichterstattung. „Die Untersuchungen laufen noch“, sagte Sprecher Steven Seet am Mittwochnachmittag. „Gerade jetzt in diesem Moment werden Gehirnschnitte angefertigt. Ich weiß nicht, wie es zu Presseberichten mit Sektionsergebnissen kommen kann, wenn wir selbst im Institut noch kein endgültiges Sektionsergebnis vorliegen haben.“

          Der vierjährige Eisbär war am 19. März in seinem Gehege vor den Augen vieler Besucher ins Wasser gestürzt und gestorben. Zuvor hatte er sich mehrfach um sich selbst gedreht und war zuckend rückwärts getaumelt. Zwei Tage nach Knuts Tod hatten Pathologen des IZW in Berlin den 300 Kilo schweren Körper aufgeschnitten. Einen Tag später gab Zoodirektor Bernhard Blaskiewitz ein vorläufiges Ergebnis bekannt: Die Todesursache sei im Gehirn zu suchen. Die Bekanntgabe genauerer Befunde war für Freitag, den 25. März vorgesehen gewesen und wurde dann zunächst um eine Woche verschoben; unter anderem sollten umfangreiche bakteriologische und virologische Untersuchungen vorgenommen werden.

          Hat Knut an einer Infektion gelitten?

          Eventuell wollen Zoo und IZW am morgigen Donnerstag eine Pressekonferenz abhalten. Aus Kreisen deutscher Zoos sickerte inzwischen auch das Gerücht durch, Knut habe an einer Hirninfektion gelitten. Schlüssig immerhin klingt auch das: Durch eine Infektion, etwa mit Bakterien, kann der Abfluss des Hirnwassers erschwert werden und die Kammern können so erweitert werden. Auch ein Tumor kann den Abfluss des Hirnwassers behindern. Selbst wenn der Bericht über die Veränderung der Hirnkammern also zutrifft, ist damit noch keine Diagnose gefunden; die Erweiterung der Kammern wäre lediglich ein Symptom einer Grunderkrankung, die noch zu benennen ist.

          Nach dem Tod des berühmten Bären waren schnell Vorwürfe aufgekommen, Knut habe unter Stress gelitten, denn er sei von den Bärinnen Tosca, Katjuscha und Nancy in seinem Gehege gemobbt worden. Der Tierschutzverband Peta Deutschland fordert aus Anlass des Todesfalls, die Eisbärenhaltung in Zoos zu beenden: „Die Tiere haben einen enormen Bewegungs- und Raumbedarf, den ihnen ein Zoo nicht im Entferntesten bieten kann“, heißt es auf der Homepage des Verbandes. „Ein Leben in Gefangenschaft macht die Eisbären automatisch krank.“ Seit wenigen Tagen lässt sich auch ein Video von Knuts Vater Lars im Zoo Wuppertal auf der Homepage der Tierschützer anklicken. Der 17 Jahre alte Eisbär wandert in seinem Gehege ruhelos auf und ab; Peta interpretiert sein Verhalten als krankhafte Stereotypie, also als Verhaltensstörung.

          Eine Todesanzeige für Knut

          Am vergangenen Samstag schaltete eine Gruppe von 21 Zoobesuchern aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten eine Anzeige im „Tagesspiegel“, in der sie dem Zoo vorwirft, Knut habe sich bedrängt gefühlt und zu wenig Spielzeug gehabt. Außerdem stehen Vorwürfe im Raum, Knut habe aufgrund von Inzucht genetische Defekte aufgewiesen. Somit sei der Bär - entweder durch Stress oder von Geburt an - besonders krankheitsanfällig gewesen.

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