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Zigarettenpreise : Rauchen wird noch teurer

  • Aktualisiert am

Raucher zahlen künftig mehr Bild: dpa/dpaweb

Zigaretten werden ab März deutlich teurer: Die Preise pro Packung steigen bei vielen Marken um etwa 50 Cent. Andere Hersteller erhöhen weniger stark, stecken dafür aber weniger Zigaretten in eine Packung.

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          Der Fiskus und die Tabakkonzerne greifen vom 1. März an den Rauchern tiefer in die Tasche. Eine Schachtel mit 19 Zigaretten wird um 40 Cent teurer und kostet dann bis zu 3,60 Euro. Der Staat hebt die Tabaksteuer im ersten von drei Schritten um 1,2 Cent je Zigarette an, um die Kosten des Gesundheitswesens zu finanzieren. Zum 1. Dezember kommen noch einmal 1,2 Cent dazu und die dritte Stufe ist im September des kommenden Jahres vorgesehen. Am Ende werden die Raucher für eine Schachtel Zigaretten vermutlich zwischen 4,00 und 4,50 Euro ausgeben müssen. Am Automaten werden die Glimmstengel schneller teurer: Dort sollen 21 statt 19 Stück von März an vier statt drei Euro kosten, hieß es.

          Der Weg in den Tabakladen ähnelt dem Gang zum Finanzamt: Mehr als drei Viertel des Zigarettenpreises fließt in die Kassen des Fiskus. Schon in den vergangenen beiden Jahren erhöhte die Bundesregierung die Tabaksteuer um jeweils einen Cent je Zigarette, um Maßnahmen gegen den Terrorismus bezahlen zu können. „Steuerpolitisch war das ein Fehlschlag“, behauptet der Bundesverband Deutscher Tabakwaren- Großhändler und Automatenaufsteller. Statt einer Milliarde Euro habe der Bund lediglich 111 Millionen Euro mehr eingenommen, weil der Absatz wegbrach. Das Finanzministerium will das nicht kommentieren.

          Lieber selbst drehen

          Die Verbraucher wenden sich von den teuren Markenzigaretten ab und rauchen lieber Billig-Produkte aus dem Supermarkt, selbst gedrehte Feinschnittzigaretten und legale oder illegale Importe aus Polen oder Tschechien, die gerade einmal die Hälfte kosten. Die Devise „Geiz ist geil“ gilt auch für diesen Markt. So reduzierte sich der Absatz von Fabrikzigaretten im vergangenen Jahr um mehr als sechs Prozent auf 134,4 Milliarden Stück. Der Anteil der Discount-Marken, der 1997 erst bei 5,5 Prozent lag, kletterte auf 16,1 Prozent. „In diesem Jahr wird der Absatz von Markenzigaretten weiter zurückgehen, mindestens so stark wie im Vorjahr“, sagt Dirk Pangritz von British American Tobacco (BAT) in Hamburg.

          Die Tabakkonzerne legen bei der Preisrunde im März auf die gestiegenen Steuern noch etwas drauf und erhöhen so ihre Gewinne. Bei 40 Cent Preiserhöhung je Päckchen entfallen 26 Cent auf die Steuern und 14 Cent auf Hersteller und Zigarettenhandel. Das sei notwendig, so die Industrie, weil die beiden letzten Steuererhöhungen nicht vollständig an den Verbraucher durchgereicht worden seien und so die Margen schmälerten. Allein in den vergangenen beiden Jahren hätten die Industrie und der Handel 1,2 Milliarden Euro weniger eingenommen.

          Packung mit 18 Zigaretten

          Für Aufregung in der Branche sorgt der britische Zigarettenkonzern Imperial, der aus der einheitlichen Front der Hersteller ausscheren will. Die Zigarettenmarke „West“, mit einem Anteil von 9,3 Prozent immerhin die Nummer zwei im deutschen Markt hinter dem Marktführer „Marlboro“, soll weiterhin drei Euro kosten und statt 19 nur noch 18 Zigaretten je Packung enthalten. Erst nach einer Übergangsphase von acht Wochen werde der Preis um 20 Cent auf 3,20 Euro angehoben.

          „Wir versprechen uns davon Markterfolge bei den preissensiblen Verbrauchern“, sagt Richard Gretler, Chef der deutschen Imperial- Tochter Reemtsma. „Es geht nicht um einen Preiskampf, sondern um eine stärkere Differenzierung der Preise.“ Der Rest der Branche wertet die Einführung einer bislang unüblichen Packungsgröße mit 18 Zigaretten als unfreundlichen Akt und denkt über Gegenmaßnahmen nach.

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