https://www.faz.net/-gum-7pu9m

Zensus 2011 : Bürger allein zu Haus

  • Aktualisiert am

Der häufigste Haushaltstyp in Deutschland ist die Singlewohnung Bild: dpa

Rund 13,4 Millionen Menschen in Deutschland wohnen allein. Sie leben vor allem in Großstädten, sind aber selten junge Großstadtsingles. Viele Alleinstehende sind schon im Rentenalter. Was heißt das für die Zukunft der Pflege?

          2 Min.

          Die Singlewohnung ist der häufigste Haushaltstyp in Deutschland – dicht gefolgt von der Wohnung für Zwei. In mehr als jedem dritten Haushalt (37,2 Prozent) wohnt nur ein Mann oder eine Frau. Besonders häufig (42 Prozent) leben Alleinstehende in Großstädten, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch aus der Vollerhebung Zensus 2011 mitteilte.

          Nur ungefähr jeder sechste Alleinlebende (17,6 Prozent) ist jünger als 30 Jahre. Mehr als jeder Dritte (34,1 Prozent) ist dagegen bereits im Rentenalter, das heißt älter als 64 Jahre. Ob Single oder Paar: Gut jeder fünfte Haushalt in der Bundesrepublik ist ein reiner Seniorenhaushalt. In mehr als zwei Dritteln aller Haushalte (69,1 Prozent) wohnen jedoch überhaupt keine Menschen im Rentenalter.

          Was bedeutet das für die Pflege?

          Fachleute nahmen die Zahlen zum Anlass, um die Frage zu stellen, wie in Deutschland künftig die Pflege im Alter organisiert werden muss. „Das Konzept, bei der sozialen Sorge vornehmlich auf Angehörige zu setzen, hat ein Ende“, prophezeite der Sprecher der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Alexander Ebert. „Schon in zehn Jahren wird das familiäre Netzwerk reißen, das für die Politik so billig und jederzeit verfügbar ist.“

          Die Pflege müsse künftig so organisiert werden, dass besser zu Hause gepflegt werden könne, fordert Friederike Michalek vom Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Viele Wohnungen seien nicht seniorengerecht. Derzeit könnten sich Studien zufolge zwar die meisten älteren Menschen noch damit arrangieren, aber mit der wachsenden Gruppe der Hochbetagten über 85 Jahre müssten die Wohnungen umgestaltet werden.

          „Das wird sich unsere Gesellschaft auf Dauer nicht leisten können, dieses Thema zu ignorieren“, sagt  die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher. „Wir brauchen ganz dringend ein großes Programm für den Um- und Neubau von Wohnungen, damit die barrierefrei und altersgerecht sind.“ Wenn ältere Menschen nach einem Sturz nicht mehr in ihre Wohnung zurück können und in eine stationäre Einrichtung müssen, könnten sie dies oft nicht aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Kommunen müssten einspringen. „Diese Zahlen nehmen schon zu.“

          Die steigende Zahl von Single-Haushalten ist nach Einschätzung von Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut für Demografische Forschung zunächst „ein Ausdruck von guter sozialer Entwicklung“. Zumindest, „wenn es nicht auf Kosten der Kontakte geht“. Allerdings lebten insbesondere viele alte Frauen nach dem Tod ihrer Männer viele Jahre in großen Wohnungen und Häusern und schafften es nicht, in eine kleinere Wohnung umzuziehen - oft auch aus finanziellen Gründen. „Jeden Wechsel muss man sich auch erstmal leisten können.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Arbeiter desinfizieren einen Bahnhof im chinesischen Wuhan.

          Infektionen mit Coronavirus : China riegelt Millionenmetropole Wuhan ab

          Neue Eskalationsstufe im Kampf gegen das Coronavirus: Die Millionenmetropole Wuhan steht praktisch unter Quarantäne, Bahnhöfe und Flughäfen sind geschlossen, die Bewohner dürfen nur noch mit Masken auf die Straße. Derweil steigt die Zahl der nachgewiesenen Erkrankungen weiter.
          Sandra Maischberger begrüßte in ihrer Sendung am 22. Januar 2020 den Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke, die ARD-Moderatorin Anna Planken und den Kabarettisten Florian Schroeder (von links).

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Ein Ende mit Schrecken

          Ist unser Essen zu billig? Ist Greta Thunberg schlimmer als Donald Trump? Sandra Maischberger lässt unaufgeregt die Woche Revue passieren. Doch dann kommt Gloria von Thurn und Taxis – und sorgt für ein dickes Ende.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.