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Zeitgeist : Fünf Minuten Zeit für einen coolen Spruch

  • -Aktualisiert am

Lieber mal die Turntables rocken Bild: AP GraphicsBank

In der "DJ-School" wird "gescratcht" und "gepitcht", was die Plattennadel hergibt. Der Lehrplan kommt aus England. In Deutschland gibt es mittelerweile ein ganzes Frachise-System um den „Plattenspieler als Instrument“.

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          Das Klassenzimmer von Leonardo, Steffen, Manny und Riccardo ist ein großer, fast leerer Raum in einem Offenbacher Hinterhofgebäude. Es herrscht kühle Fabrikhallen-Atmosphäre. An der Wand steht eine abgewetzte Couchgarnitur aus dunkelbraunem Cord im Stil der Siebziger, gegenüber schmücken ein paar Poster die sonst grauen Betonwände. Vor den Plakaten, die für längst vergangene Hip-Hop-Konzerte werben, stehen auf den "Schultischen" vier neuwertige Plattenspieler in zeitgemäß matter Silberoptik. "Ich gebe euch jetzt fünf Minuten - dann hat sich jeder einen coolen Spruch ausgedacht und wir machen eine neue Ansage", sagt Martin Hübscher und setzt den Kopfhörer ab.

          Hübscher ist Lehrer und Leiter der "Vestax DJ-School" in Offenbach. Seine Schüler, die sich DJ Leo, DJ Jinu, DJ Venom V und DJ Cut-r-tist nennen, hoffen darauf, die Sven Väths der Hip-Hop-Szene von morgen zu werden. Heute steht das Kapitel "Mikrofon-Ansage" auf dem Stundenplan. "Nichts ist peinlicher als eine peinliche Ansage", erklärt Hübscher, der sich, wenn er hinter dem Plattenteller steht, DJ DoubleD nennt. Bei dieser Lektion geht es darum, das Mikrofon wie "ein Profi" zu halten: Der achtet nämlich darauf, sein Werkzeug niemals mit der Hand zu verdecken. Ganz wichtig ist auch, die richtigen Stecker an der richtigen Stelle einzuklinken und vor allem Rückkopplungen zu vermeiden.

          Praxis im Sprücheklopfen

          Das klingt ziemlich technisch-theoretisch, und das ist es auch, zumindest am Anfang. Dann aber steht Praxis auf dem Lehrplan, was für einen DJ auch Sprücheklopfen heißt, und das geht etwa so: "Hey Leute, was liegt an?" Schließlich wird man, wenn alles so läuft, wie man es sich vorstellt, einmal einen Saal voller Menschen beherrschen müssen.

          Seit November, als die DJ-School in der Ludwigstraße ihre Pforten öffnete, unterrichtet Hübscher an drei Abenden pro Woche 35 musikbegeisterte junge Menschen - und auf seiner Warteliste stehen mindestens noch einmal so viele Interessierte. Dabei sind die Kurse nicht unbedingt günstig: Der Unterrichtsvertrag läuft mindestens ein halbes Jahr und kostet 60 Euro pro Monat. Es wird in Vierergruppen unterrichtet; wöchentlich jeweils eine Stunde.

          Ungewöhnlicher Lehrer

          Hübscher wirkt mit seinen dunklen Rasta-Locken, die er im Sommer mit einem bunten Tuch und im Winter mit einer Wollmütze zusammenhält, überhaupt nicht wie ein Lehrer. Trotz aller Lockerheit besitzt der Einunddreißigjährige offenbar großes pädagogisches Einfühlungsvermögen und verfügt zudem über ein großes musikalisches Repertoire und technischen Verstand. Der gelernte Radio-Fernseh-Techniker, der später Tontechnik studierte, hat seine Diplomarbeit über das Thema "Der Plattenspieler als Instrument" geschrieben und sowohl als freier Discjockey und Party-Veranstalter als auch in der Plattenindustrie gearbeitet. Er darf also von sich behaupten, er kenne "die Szene".

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