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Zehn Jahre nach 9/11 : Mr. President, es wird ein leichter Tag

Ein ikonographischer Moment: Stabschef Andrew Card flüstert in das Ohr des Präsidenten Bild: AFP

Als New York attackiert wurde, besuchte George W. Bush gerade eine Schule in Florida. Die Zweitklässler von damals erinnern sich an den Moment, in dem ihr Land verletzlich wurde.

          Der Präsident ist gekommen nach Sarasota im sonnigen Florida, und in der Emma-E.-Booker-Grundschule tragen viele Kinder an diesem Morgen ihren Sonntagsstaat. Es ist ein Dienstag, und noch weiß niemand, dass er unter der Chiffre „9/11“ in die Geschichte eingehen wird. Aufgeregte Zweitklässler lesen George W. Bush eine Geschichte vor.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Es ist ein Routinetermin, die Vorstellung seiner neuen Bildungsstrategie für Kinder aus sozial schwachen Familien. Während Bush mit einem Schulbuch auf dem Schoß auf einem Hartholzstuhl sitzt, weiß er bereits, dass ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers geflogen ist. Aber jemand aus dem Lagezentrum des Weißen Hauses hatte etwas von einem kleinen Sportflugzeug gesagt, also blättert Bush weiter gemütlich in seinem Schulbuch und plaudert mit einem Mädchen über seinen Hund Barney. An alle Zweitklässler verteilt er M&Ms-Packungen mit dem Präsidentensiegel.

          Seine Augen wurden hart und glasig

          Während die Schüler lesen, geht die Tür auf, Stabschef Andrew Card betritt den Raum, schleicht zum Präsidenten und flüstert in sein rechtes Ohr. Die Szene wird ein ikonographischer Moment werden. Mikrofone sind auf Bush gerichtet, aber niemand hört, was Card sagt. Für einen Moment, aber auch das wird erst der Rückblick enthüllen, lässt sich die Tragödie eines Landes am Gesichtsausdruck des Staatsoberhauptes ablesen. Bushs Augen werden hart und glasig. Blut schießt ihm in die Wangen. Seine Oberlippe verengt sich zu einer geraden Linie. Einer der Schüler wird später sagen, er habe gedacht, der Präsident müsse mal auf die Toilette.

          Die Mikofone sind auf Bush gerichtet, aber niemand hört, was Card sagt

          Will man erfahren, welche Worte diese Reaktion auslösen konnten, muss man Andrew Card in Texas anrufen, wo er heute als Dekan der Bush School of Government an der A&M-Universität arbeitet. „Es waren exakt zwei Sätze. Ich habe geflüstert: ,A second plane has hit the second tower. America is under attack.' - Ein zweites Flugzeug hat den zweiten Turm getroffen. Amerika wird angegriffen.“ Card wollte die Mitteilung machen, ohne eine Frage oder einen Dialog zu provozieren: „Ich wollte kein Gespräch mit dem Präsidenten über einen Terrorangriff vor Schülern und Journalisten führen.“

          Der Schock lässt ihn um Fassung ringen

          Also flüstert Card, tritt einen Schritt zurück. Zweimal schaut er noch, ob Bush aufsteht, bevor er selbst den Raum verlässt. Aber Bush bleibt sitzen, was ihm später viel Kritik bringen wird. Er schaut auf die Reporter, schaut auf die Kinder vor sich, auf die Lehrerin. Wenn die Anschläge vom 11. September vor allem darin bestanden, eine Nation in Angst und Schrecken zu versetzen, dann waren es diese Bilder des angeblich mächtigsten Mannes der Welt, der in einem Klassenzimmer um Fassung ringt, die den eigentlichen Terrorakt abbilden. Dann geschah in diesem Klassenraum der Angriff auf das amerikanische Selbstverständnis als unbezwingbare Nation.

          „Bush sah aus, als hätte er Schreckliches gehört. Als würden ihm Millionen Dinge durch den Kopf gehen“, sagt Chantal Guerrero, die damals als Schülerin vor dem Präsidenten saß. Nach genau sieben Minuten steht Bush auf, entschuldigt sich und verlässt den Raum. Er zieht sich mit Mitarbeitern in ein Zimmer der Schule zurück, das der Secret Service sichert; dort gibt es Telefone und einen Fernseher, auf dem die Nachrichten laufen.

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