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Zehn Jahre nach 9/11 : Mr. President, es wird ein leichter Tag

Ein Anschlag stürzt ein Land in die Krise

Für künftige Generationen wird der 11. September zum nationalen Mythos gehören, als Ausgangspunkt einer Kaskade, welche die mächtigste Nation der Welt in die größte Krise ihrer Geschichte stürzte. Ein Anschlag, der einen Börsensturz verursachte. Eine Niedrigzinspolitik, die den Konsum anregen sollte und eine Immobilienblase beförderte. Eine zweite Wirtschaftskrise, die mitsamt der enormen Kriegskosten das Haushaltsdefizit so vergrößerte, dass es den Rahmen der Verfassung sprengte. Vielleicht findet Dubrocq Geschichte interessant, weil er spürt, dass sie gerade eine Wendung nimmt. Und weil er über die Zeiten, in denen sein Land über fast grenzenlose Macht verfügte, vor allem von seinem Geschichtslehrer erfährt.

Nach dem 11. September hat Dubrocq mit dem Ringen angefangen, er ist der Kapitän seiner Schulmannschaft, seine Oberarme sehen aus wie aus Stein gehauen. Viele der älteren Schulkameraden aus seinem Team sind nach der Schule zu den Marines gegangen. Dubrocq trainiert viel, um sich nicht schwach fühlen zu müssen. Er hat nach dem 11. September aufgerüstet, wie das Pentagon und das Ministerium für den Heimatschutz. Würde ihn nachts jemand auf der Straße überfallen - der täte ihm jetzt schon leid, sagt er und versucht ein sehr männliches Grinsen.

Der Tag hatte so normal begonnen

Jane Goodwin sitzt am Morgen des 11. September 2001 bei Sonnenaufgang auf einem Picknicktisch vor der Booker-Schule und beobachtet Polizisten auf Pferden, die im Licht der ersten Sonnenstrahlen wie Scherenschnitte am Horizont entlangreiten. Sie ist eine vollschlanke, schmuckbehangene Frau, ehemalige Wahlkampfhelferin der Republikaner, und ist vom Weißen Haus gebeten worden, die Horden von Journalisten im Zaum zu halten, die sich für den Grundschulbesuch des Präsidenten angekündigt hatten.

Goodwin ist aufgeregt. Noch am Vortag hatte sie, die glühende Republikanerin, mit Herzklopfen am Flughafen gestanden, George W. Bush die Hand geschüttelt und einige Minuten mit ihm geplaudert. Vor allem darüber, dass ihr die Tischdekoration beim Staatsdinner mit dem mexikanischen Präsidenten so gut gefallen habe. Sie sei ja selbst eine leidenschaftliche Dekorateurin. Und dass Laura, die First Lady, wieder fabelhaft ausgesehen habe. Vielleicht war es eine naive Unterhaltung, aber es muss auch alles in Ordnung sein in einem Land, damit sich Bürger für das Geschirr ihres Präsidenten interessieren.

„Es war wie in einem Actionfilm“

Zu Goodwins Aufgabe am Morgen des 11. September gehört es, die Fernsehteams im Raum für die Pressekonferenz richtig aufzustellen. Der Präsident ist zu diesem Zeitpunkt bereits im Klassenzimmer nebenan.

Sie ist gerade fertig, jeder sitzt auf seinem Platz, als plötzlich überall Handys klingeln und einige Korrespondenten hektisch den Raum verlassen. „Ich dachte: Die sind so unhöflich!“ Goodwin folgt den Reportern, die zu ihren Übertragungswagen laufen, um Live-Bilder aus New York zu empfangen. Dort sieht Goodwin den Einschlag des zweiten Flugzeuges. Sie weint nicht. Es wird drei Wochen dauern, bis sie zusammenbricht.

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