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Ein Zeichen der Hoffnung : Winnenden gedenkt der Opfer des Amoklaufs

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Eine Frau kniet während der Gedenkfeier zum 10. Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden im „Gebrochenen Ring“, der an die Opfer erinnert. Ein ehemaliger Schüler hatte am 11. März 2009 in der Albertville-Realschule sowie auf der anschließenden Flucht 15 Menschen erschossen. Bild: dpa

Zehn Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden gedenkt die Stadt der 15 Opfer. Mehrere hundert Personen nehmen mit Menschenketten, Gottesdiensten und Schüleraktionen Anteil.

          Mit einer Gedenkfeier und ökumenischen Gottesdiensten ist am Montag, zehn Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden, an die 15 Opfer erinnert worden. „Zum zehnten Mal stehen wir am Jahrestag zusammen, erinnern und spenden uns gemeinsam Trost“, sagte der Oberbürgermeister der baden-württembergischen Kleinstadt, Hartmut Holzwarth, bei der Gedenkfeier vor mehreren hundert Menschen im Stadtgarten. Amoklauf, Terror, Krieg – jede Gewalttat auf dieser Erde mache die Menschen in Winnenden besonders betroffen, betonte der Bürgermeister.

          Um 9.33 Uhr – dem Zeitpunkt, als am 11. März 2009 der Amoklauf an der Albertville-Realschule begann – läuteten alle Kirchenglocken der Stadt. Anschließend lasen Mitglieder des Jugendgemeinderates die Namen der Getöteten vor. Die laut Kommune bewusst schlicht und still gehaltene Feier wurde mit einem Gebet und Musikstück umrahmt. Auch der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl und Kultusministerin Susanne Eisenmann nahmen an der Gedenkfeier teil.

          Vor der öffentlichen Gedenkfeier gab es wie in den Jahren zuvor ein internes Gedenken in der Schule, das aus Respekt vor den Betroffenen und Opferfamilien nicht öffentlich war. Zum Abschluss bildeten Schüler und alle Teilnehmer der privaten Feier eine Menschenkette von der Schule bis zum Stadtgarten.

          „Die Sonne scheint für viele anders seit diesem Tag“

          Der evangelische Pfarrer Reimar Krauß sagte in seiner Predigt im ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Schlosskirche, dass es für manche so sei, als ob der Amoklauf erst gestern war: Weihnachten, Beziehungen, ja selbst die Sonne scheine für viele anders seit diesem Tag.

          Kein Mensch könne den Toten das Leben zurückgeben. Aber wie man mit der Trauer und dem Erlebten umgeht, könne zumindest teilweise aktiv entschieden werden. Er wünsche allen, dass sie immer wieder erlebten, dass Gott da sei, durch die Gemeinschaft, die sie erlebten, durch ein gutes Wort oder eine gute Tat.

          Schüler der Albertville-Realschule lasen im Gottesdienst selbst geschriebene Texte zu den Themen „Hoffnung“, „Traum“ und „Gemeinschaft“ vor. „Was ist Hoffnung? In meinen Augen ist Hoffnung das Licht im Dunkeln, das Gute im Schlechten. Hoffnung öffnet mir den Weg ins Gute“, sagte eine Zehntklässlerin. Für den Abend waren eine Lichterkette und zwei weitere Gedenkgottesdienste vorgesehen.

          Schüler stellen Projekt „Stiftung gegen Gewalt an Schulen“ vor

          Zum zehnten Jahrestag stellte die Winnender „Stiftung gegen Gewalt an Schulen“ ein Projekt vor, indem sich landesweit Schüler kreativ Gedanken gegen Gewalt gemacht haben. Die fotografierten Kunstwerke wurden in einem Buch festgehalten, das im kommenden Jahr andere Schulen mit ihren Kunst-Aktionen weiterschreiben können.

          Winnenden stehe für etwas, das sich vielen Menschen in die Seele eingebrannt habe, sagte Kultusministerin Eisenmann bei der Vorstellung des Projektes. Gewalt werde in ganz unterschiedlichen Formen bei jungen Menschen sichtbar. Wenn sich Schüler Gedanken machen, wie sie miteinander umgehen und mit Empathie ihren Mitmenschen begegnen, dann habe dieser schreckliche Anlass vielleicht doch wenigstens einen kleinen Schimmer an Gutem, sagte Eisenmann.

          Am 11. März 2009 hatte der 17 Jahre alte Tim K. die Albertville-Realschule in Winnenden gestürmt und dort neun Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf der Flucht tötete er drei weitere Menschen, zahlreiche wurden verletzt. Als er von der Polizei gestellt wurde, tötete der Ex-Schüler der Realschule sich selbst. Die Tatwaffe hatte sein Vater, ein passionierter Sportschütze, unverschlossen aufbewahrt.

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