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Transplantation : Bereitschaft zur Organspende wächst

Verlorenes Vertrauen: 2012 wurden Betrugsfälle in zahlreichen Transplantationszentren entdeckt. Bild: dpa

Die Bereitschaft zur Spende wächst. Trotzdem wurden auch 2015 wieder weniger Organe in Deutschland entnommen als im Vorjahr – weit unter dem Durchschnitt in der Europäischen Union. Schuld daran sind zahlreiche Betrugsfälle.

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          Obwohl eine Mehrheit der Deutschen seit Jahren dem Thema Organ- und Gewebespende sehr positiv gegenübersteht, ist die Zahl der Organspender bis zum vergangenen Jahr rückläufig gewesen. Schuld daran war der Transplantationsskandal 2012, der Rückgang setzte aber schon früher ein. Seit 2007 sank die Zahl der Organspender von 1313 fast kontinuierlich auf 864 im Jahr 2014. 2015 zeichnete sich erstmals eine leichte Trendwende ab: Es gab 13 Spender mehr als im Vorjahr, zugleich aber trotzdem weniger gespendete Organe.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          2015 wurden nur mehr Nieren (1520) als 2014 (1481) postmortal gespendet, die Zahlen bei allen anderen Organen gingen zurück: bei Herzen von 294 auf 278, bei Lungen von 330 auf 270, bei Lebern von 763 auf 730, bei Dünndärmen von sieben auf einen Darm. Ein Grund dafür ist, dass die Spender immer älter werden. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen, und die Organe eines alten Spenders sind oft so geschädigt, dass sie nicht alle für eine Transplantation geeignet sind. Insgesamt konnten 2015 nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 3083 Organe transplantiert werden, weil aus dem Ausland 183 über Eurotransplant zusätzlich nach Deutschland vermittelt wurden. Zum Tag der Organspende am Samstag zeigte sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erfreut, dass mittlerweile 81 Prozent aller Menschen in Deutschland (2010: 79 Prozent) der Organ- und Gewebespende aufgeschlossen gegenüberstehen. Allerdings habe nur ein Drittel der Bevölkerung einen Organspendeausweis, sagte der CDU-Politiker. Auch er habe ihn und trage den Ausweis mit großer Überzeugung immer bei sich.

          Wie aus einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervorgeht, geben 77 Prozent der 4002 Befragten an, dass sie mit einer Spende anderen Menschen helfen wollten. 27 Prozent lehnen demnach eine Spende ab, weil sie glauben, als Spender nicht geeignet zu sein, 20 Prozent äußern Angst und Unsicherheit gegenüber einer Organentnahme, 19 Prozent fehlt das Vertrauen in das Organspende-System. Knapp die Hälfte fühlt sich inzwischen sehr gut oder gut über das Thema informiert. 42 Prozent wünschen sich mehr Informationen. In Deutschland warten mehr als 10.000 Menschen auf ein neues Organ.

          Bild: F.A.Z.

          Deutschland liegt mit 10,8 Spendern auf eine Million Einwohner weit unter dem Durchschnitt in der Europäischen Union (19,5). Spitzenreiter ist seit Jahren Spanien: Dort betrug die Rekordquote im vergangenen Jahr 39,7. Schon vor Bekanntwerden des Transplantationsskandals im August 2012, bei dem mehrere der 47 Transplantationszentren in Betrugsfälle verwickelt waren, war eine Reform des Transplantationsgesetzes auf den Weg gebracht worden. Unter anderem wurde das „Mehraugenprinzip“ eingeführt, mit dem Manipulationen bei der Organvergabe verhindert werden sollen. In jedem Transplantationszentrum gibt es seither zudem einen Transplantationsbeauftragten, und dort entscheidet nun auch eine Expertenkonferenz über die Aufnahme eines Patienten in die Warteliste, deren Führung und die Abmeldung eines Patienten. Seit dem 1. November 2012 sind die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen außerdem verpflichtet, im Rahmen der „Entscheidungsregelung“ alle Krankenversicherten von 16 Jahren an alle zwei Jahre nach ihrer Einstellung zur postmortalen Organspende zu befragen.

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