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Amerika : Amoklauf befeuert Twitterdebatte über Gewalt gegen Frauen

  • Aktualisiert am

Mord aus Frauenhass: Gedenkfeier für die sechs Opfer des Amoklaufs in Kalifornien Bild: AFP

In Amerika entwickelt sich eine Aufschrei-Debatte: Nach dem Amoklauf in Kalifornien wird auf Twitter unter dem Hashtag #YesAllWomen über die Gewalt gegen Frauen diskutiert.

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          Er hatte Rache an der Menschheit angekündigt. Er hatte sich beschwert, dass kein Mädchen mit ihm schlafen wolle. „Morgen nehme ich Rache an der Menschheit“, kündigte der Student Elliot Rodger in einem Video an, das kurz nach dem Amoklauf in Kalifornien am Samstag im Netz veröffentlicht wurde. „Wenn ich euch Mädchen nicht haben kann, werde ich euch vernichten“, drohte Rodger. „Es wird mir viel Spaß bereiten, euch abzuschlachten.“

          Der 22 Jahre alte Rodger tötete sieben Studenten und beging danach mutmaßlich Selbstmord. In Amerika befeuert die blutige Tat nicht nur die Debatte über Waffengesetze. Auch der Aufschrei im Netz ist groß. Auf Twitter hat sich Hashtag #YesAllWomen etabliert. Hinterbliebene haben die Twitterdebatte in Amerika ausgelöst. Zunächst drehte sich auch hier die Diskussion darum, wie der Amokläufer an die Waffen kam, ob es vor der Tat schon Hinweise gab und ob er hätte gestoppt werden können.

          Schnell wurde daraus jedoch eine Grundsatzdebatte über die Gewalt gegen Frauen. Der Hashtag ist mit diesem Titel auch zu einer Reaktion auf #NotALLmen geworden. Unter diesem Schlagwort hatten Femininismuskritiker vor einigen Monaten argumentiert, dass nicht alle Männer gewalttätig, sexistisch und frauenfeindlich seien. #YesAllWomen positioniert sich dagegen. Die Debatte wurde zu einer amerikanischen Version des deutschen #Aufschreis, unter dem  Anfang 2013 die deutschsprachige Twitter-Gemeinde über sexistische Erfahrungen sprach.

          Auch in der aktuellen Debatte schreiben Frauen darüber, wie sie unter sexueller Gewalt leiden. Teilweise gibt es dabei Erschreckendes zu lesen: Frauen berichten, dass nach sexueller Gewalt die Schuld oft erst bei der Frau gesucht werde, die den Mann provoziert habe; dass man Jungen Respekt beibringen solle, statt Mädchen Selbstverteidigung. Ein Mädchen berichtet auch, ein Lehrer habe zu einer Freundin gesagt, Frauen gehörten in die Küche, die Küche in den Keller und der Keller unter Wasser gesetzt.

          Kritiker wenden ein, dass diese Debatte und einige Beiträge überspitzt und vereinfacht seien. Doch auch unter den Männern findet sich Zuspruch. "Liebe Männer: Frauen schulden euch verdammt nochmal nichts, nicht mal ein Lächeln", twittert etwa ein Mann. Und andere Frauen versichern, sie seien zwar feministisch, aber würden Männer dennoch nicht hassen.

          Und auch unter #YesAllWomen setzt man auf die Sprache der Bilder. So wurde etwa ein Foto getweetet, auf dem eine Frau ein Schild hochhält, dass besagt, dass ihr Körper zwar ein Fest sei, aber dass nicht jeder dazu eingeladen sei, egal ob ihr Kleid ihm einen anderen Eindruck vermittle.

          Andere versuchen auch den Spieß umzudrehen, um Männern optische die Bedrückung zu vermitteln, die sie fühlen würden. Es werden sogar Statistiken zur weltweiten Gewalt gegen Frauen gepostet.

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