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World Press Photo 2009 : Auf den Dächern von Teheran

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Klagen in der Nacht: Iranische Frauen rufen ihren Protest von den Häuserdächern Teherans in die Dunkelheit. Fotograf Pietro Masturzo hielt die Szene fest. Es ist das beste Pressefoto des Jahres 2009, ausgezeichnet von einer internationalen Jury in Amsterdam Bild: REUTERS/Pietro Masturzo

Der „World Press Photo Award“ ist so etwas wie die Weltmeisterschaft der Pressefotografie. Pietro Masturzo gewann den Hauptpreis für ein Bild, das iranische Frauen auf einem Dach in Teheran beim Protest gegen das Regime zeigt. FAZ.NET präsentiert zwanzig ausgezeichnete Bilder.

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          Es gibt Bilder, die die Wahrheit beschreiben und die man dennoch kaum zeigen kann. Die Bilder, die der somalische Fotograf Farah Abdi Warsameh am 13. Dezember des vergangenen Jahres im Süden seines Landes geschossen hat, zum Beispiel. Sie zeigen die Steinigung eines Mannes, der des Ehebruchs bezichtigt worden war. Anhänger der islamistischen Gruppe „Hizb-Al-Islam“ graben den Mann bis zu den Hüften ein, wie von Sinnen schleudern sie Felsbrocken auf ihn, im Hintergrund sieht man Publikum in weitem Rund, das der Barbarei beiwohnt. Als ihn die Gruppe zum Schauplatz gebeten habe, sagte der Fotograf der „Bild am Sonntag“, habe er nicht geahnt, was geschehen würde. Die Mörder wollten die Publicity, ihr Terror soll alle einschüchtern, doch dürften sie sich wohl keinen Begriff davon machen, was sie damit jenseits ihres Wirkungskreises erreichen.

          Bei der Auswahl zum 53. „World Press Photo Award“, der so etwas wie die Weltmeisterschaft der Pressefotografie darstellt, setzte die Jury die Bilderserie aus Somalia auf den zweiten Platz in der Kategorie „General News Stories“. Aus 101.960 Bildern hatten die Juroren eine Auswahl zu treffen, 5847 Fotografen hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt, 63 von ihnen errangen einen Preis in den zehn verschiedenen Themenkategorien. Die Auszeichnung für das beste Pressefoto von allen ging an den italienischen Fotografen Pietro Masturzo. Er zeigt eine Gruppe von Frauen in Iran, die in einer der Nächte nach der umstrittenen Präsidentenwahl im vergangenen Juni ihren Protest gegen das Regime im Schutz der Dunkelheit über die Dächer der Stadt rufen. Das Bild, so befand die Jury, „zeigt den Beginn von etwas, den Beginn einer großen Geschichte. Es ergänzt Nachrichten um Aussichten. Es berührt dich visuell und emotional.“ Damit habe der Fotograf eine besondere Schwierigkeit bei der Berichterstattung über Konflikte gemeistert, nämlich zu zeigen, wie das Leben der Menschen davon ergriffen werde und weitergehe. Masturzo setze den Konflikt in einen Kontext, und das sei „der heilige Gral der Fotografie“.

          An diesen zu rühren, das darf man vielen der Preisträger bescheinigen, etwa dem Fotografen Eugene Richards von der Agentur Getty, dessen Bild „War is personal“ einen verwundeten Soldaten zeigt, dem der halbe Kopf fehlt, eine Frau tröstet ihn auf dem Krankenlager. Richards gewann den ersten Preis in der Kategorie „Contemporary Issues Stories“. Bei dem Bild des Fotografen Charles Ommanney, der in der Kategorie „People in the News“ ganz vorne landete, glaubt man sehen zu können, wie Barack Obama am Tag seiner Amtseinführung den Augenblick erlebte - ganz privat, bevor er ins Rampenlicht trat, nach dem es Goethes Faust vergeblich verlangte, den Augenblick, der verweilen möge, weil er so schön ist. Das Bild des kanadischen Fotografen Paul Nicklen wiederum, der in der Kategorie „Nature Stories“ gewann, wirft die Frage auf, wie er diese besondere Vogelperspektive einnehmen konnte. Ein Bild wie jenes, das in der Kategorie „Sports Action“ gewann, kann derweil nur von einem Briten stammen: Gareth Copley hält fest, dass man sich auch beim Cricket strecken muss, nicht nach der Decke, wohl aber nach dem Spielgerät.

          Nach einem Selbstmordanschlag in Kabul wird eine afghanische Frau von Helfern in Sicherheit gebracht. Für die Aufnahme erhielt der Australier Adam Ferguson den 1. Preis in der Kategorie „Spot News Singles”
          Nach einem Selbstmordanschlag in Kabul wird eine afghanische Frau von Helfern in Sicherheit gebracht. Für die Aufnahme erhielt der Australier Adam Ferguson den 1. Preis in der Kategorie „Spot News Singles” : Bild: REUTERS/Adam Ferguson/VII Mentor Program/The New York Times

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