https://www.faz.net/-gum-121wf

World Press Photo 2008 : Krieg den Hütten, Boni den Palästen

Bild: REUTERS

Die besten Pressefotos des vergangenen Jahres sind gewählt worden. Das Siegerbild zeigt die Folgen der amerikanischen Kreditkrise für die Hausbesitzer: Während sich die einen nach erfolglosen Spekulationsgeschäften an einem Bonus erfreuen, bekommen die anderen Besuch von der Polizei.

          1 Min.

          Das Bild passt in die Zeit. Was es zeigt, erschließt sich erst auf den zweiten Blick - welche Folgen nämlich die Finanzkrise für diejenigen hat, denen zum Ende des Jahres nicht ein Bonus für erfolglose Spekulationsgeschäfte ins Haus steht, für die der Staat eintreten muss, sondern die Zwangsräumung der eigenen vier Wände und schließlich ein Besuch der Polizei.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Fotograf Anthony Suau hat die Aufnahme für das Magazin „Time“ im März des vergangenen Jahres in Cleveland, im amerikanischen Bundesstaat Ohio, gemacht. Sie zeigt den Polizeibeamten Robert Kole, der mit vorgehaltener Waffe nicht nach Tätern sucht, sondern sich davon überzeugt, dass die Bewohner eines zwangsgeräumten und schon verwüsteten Hauses ihr Domizil tatsächlich verlassen haben. Nun ist Suaus Bild zum Pressefoto des Jahres gewählt worden.

          Krisen und Konflikte dominieren

          Die Vorsitzende der Jury, Mary Anne Golon, verweist auf die doppelte Botschaft des Fotos. Es erscheine als klassisches Konfliktfoto, in Wahrheit gehe es um die Zwangsräumung eines Hauses. „Es ist, als ob der Krieg im klassischen Sinn in die Häuser von Menschen kommt, die ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen können.“

          Bilderstrecke
          World Press Photo 2008 : Krieg den Hütten, Boni den Palästen

          Der angesehene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. In zwanzig Kategorien hat die Jury die besten Pressebilder bestimmt, 63 Reporter aus 27 Ländern wurden ausgezeichnet, 490 Fotografen hatten Bilder eingereicht. Auf ihnen finden sich Momente des Jahres 2008 mit Verweiskraft - Bilder von Erdbebenopfern in China, Zyklonüberlebenden in Burma, Flüchtlingen in Georgien, Stammesfehden in Kenia, Touristen in Auschwitz, den Wunderläufern aus Jamaika bei den Olympischen Spielen, Barack und Michelle Obama im Wahlkampf. Krisen und Konflikte dominieren die Auswahl, der größten Krise widmet sich das Siegerbild. Die „World Press Photos“ sind vom 4. Mai bis 28. Juni in Amsterdams Oude Kerk und danach in mehr als 100 Städten zu sehen.

          Weitere Themen

          Tränen und Tumult an Maradonas Sarg Video-Seite öffnen

          Emotionaler Abschied : Tränen und Tumult an Maradonas Sarg

          Der Tod von Diego Maradona versetzt Argentinien in den emotionalen Ausnahmezustand: Am aufgebahrten Sarg der Fußball-Ikone im Präsidentenpalast von Buenos Aires lassen Fans ihren Tränen freien Lauf, während sich tausende vor dem Palast teils gewaltsam Zutritt verschaffen wollen.

          Topmeldungen

          Zwischen Angst und Wut: Unter den Demonstranten in Thailand sind viele junge Frauen, die sich von den Traditionen ihrer Eltern abwenden.

          Proteste gegen Rama X. : Thailands König entzweit Familien

          Die junge Thailänderin Nan demonstriert in Bangkok für eine Einschränkung der königlichen Rechte. Sie will nicht vom reichsten Monarchen der Erde regiert werden. Ihre Eltern aber wollen nicht an den Traditionen rütteln.
          Schwierige Partner: Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

          Polens Außenminister : Die EU-Verträge sind heilig

          In Europa gilt das Einstimmigkeitsprinzip. In den Regelungen für die Corona-Hilfe soll das nun rechtswidrig umgangen werden. Polen muss mit einem Veto drohen, um einen drohenden Vertragsbruch abzuwenden. Ein Gastbeitrag.
          Lange Schlangen vor den Supermärkten sind auch vor Weihnachten wieder zu erwarten.

          So reagiert der Handel : Lange Schlangen und gähnende Leere befürchtet

          Wenige Wochen vor dem Weihnachtsfest hat die Bundesregierung die Corona-Maßnahmen noch einmal verschärft – sehr zum Ärger des hiesigen Handels. Gerade Supermärkte haben für die Regeln nur wenig Verständnis.
          Die Youtuberin Greta Silver inszeniert sich als energiegeladener Oldie.

          Karriere im Alter : Durchstarten nach der Rente

          Aus Neugier, nicht aus Not: Auch deutlich jenseits der 60 wagen manche einen beruflichen Neustart. Was haben sie schon zu verlieren?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.