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Astronomie : Wolken trüben Sicht auf die Mondfinsternis

  • Aktualisiert am

Bei einer Mondfinsternis schimmert der Erdtrabant leicht rötlich Bild: AP

Zur besten Abendzeit stellt die Erde am Dienstag den Mond in den Schatten. Doch wie so oft wird die Sicht auf das Himmelsschauspiel vielerorts durch Wolken versperrt.

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          Die Himmelsmechanik ist gnädig und beschert den deutschen Sternenguckern am Dienstag abend ein Schauspiel, das sich ausnahmsweise nicht zu nachtschlafender Zeit ereignet und auch noch in hiesigen Breiten problemlos zu sehen ist. Fraglich ist allerdings, ob auch der Wettergott mitspielen wird. Denn pünktlich zur Mondfinsternis schickt das Tief „Dunja“ dunkle Wolken nach Deutschland.

          Vor allem im Süden werden es die Sternfreunde wohl schwer haben. Von den Alpen her tauchen laut dem Wetterdienst Meteomedia Wolken auf, die sich bis zum Abend bis nach Thüringen ausbreiteten. Sie bringen Gewitter und ergiebige Regenfälle, die nicht nur die Sicht auf den Mond versperren, sondern auch für kühlere Temperaturen an den kommenden Tagen sorgen. Laut dem Deutschen Wetterdienst wird es im Osten Deutschlands vielerorts ebenso schwer werden, dem Himmelsschauspiel zu folgen, wie in Norddeutschland. Die besten Chancen auf eine ungetrübte Sicht haben nach Einschätzung der Meteorologen die Hobbyastronomen im Westen und in der Mitte.

          Um 20.48 Uhr geht's los

          Wer schauen möchte und dazu ein Guckloch zwischen den Wolken findet, sollte spätestens um 20.48 Uhr seinen Blick und /oder sein Teleskop gen Himmel richten. Zu dieser Zeit, also gegen Ende der Dämmerung, beginnt die totale Mondfinsternis. Der Vollmond am Südhimmel taucht in den Kernschatten der Erde ein. Er wird dabei jedoch nicht komplett verdunkelt, sondern erscheint in düsterem Rotlicht. Denn die Erdatmosphäre wirkt wie eine Linse und lenkt einen Teil des Sonnenlichts auf den Mond. Als Zugabe im Himmelsdrehbuch leuchtet im Westen bis etwa 23 Uhr unser Nachbarplanet Venus. „Er ist nach dem Mond der hellste Punkt am Himmel“, erläutert Wolfgang Steinicke von der Vereinigung der Sternfreunde (VdS).

          Die Mondfinsternis verläuft diesmal nicht nur zur Primetime, der Erdtrabant erscheint am 4. Mai auch besonders groß. Grund: Der Mond steht dicht über dem südlichen Horizont. Zudem ist er am Dienstag auf seiner leicht elliptischen Bahn der Erde zufällig relativ nah. Durch die sehr tiefe Stellung am Horizont und die Erdnähe wirkt er etwas mächtiger als gewöhnlich.

          Bester Standort auf kleinem Hügel

          „Am besten stellt man sich auf einen kleinen Hügel, weil schon ein Haus stören kann“, erläutert Steinicke. „Der Mond wird nicht höher als etwa 20 Grad über den Horizont steigen. Streckt man die Arme gegen den Horizont und legt beide Fäuste übereinander, dann entsprechen sie etwa diesem Winkel.“ Hobbyfotografen sollten eine Kamera mit Stativ und sehr starkem Teleobjektiv oder ein Teleskop nutzen. „Eventuell kann man es mit einer guten Digitalkamera mal probieren.“ Die großen Mondflecken basieren übrigens auf riesigen erstarrten Lavaseen, die weniger Licht reflektieren als die mit Kratern übersäten Gebirge im Umland.

          Die kosmische Inszenierung beginnt mit einer kleinen dunklen „Delle“ am Rand des Mondes. Nach rund einer Stunde, um 21.52 Uhr, ist der Mond vollständig in den Kernschatten der Erde eingetaucht. Da die Erdatmosphäre vor allem die roten Strahlen des Sonnenlichtes auf den Mond lenkt, erscheint er nun rötlich. Je nach Beschaffenheit der Erdatmosphäre kann der Mond auch rötlich-braun, kupferrot oder sehr dunkel wirken. Die Totalität der Mondfinsternis dauert bis 23.08 Uhr, wenn der Mond beginnt, wieder aus dem Kernschatten der Erde herauszuwandern. Um 0.12 Uhr schließlich ist der Mond komplett aus dem Kernschatten herausgetreten.

          Für Forschung inzwischen unbedeutend

          Chinesische Hofastronomen konnten schon im dritten Jahrtausend vor Christus aus Finsternisse vorausberechnen. Zwei von ihnen, Hi und Ho, versäumten es im Jahr 2137 vor Christus, eine Sonnenfinsternis vorauszusagen - und wurden daraufhin geköpft. Der griechische Gelehrte Aristoteles entdeckte mit Hilfe einer Mondfinsternis, daß die Erde eine Kugel ist - unter anderem, weil der Schatten der Erde auf demMond immer einen gekrümmten Rand zeigte.

          Heute haben Mondfinsternisse keine Bedeutung mehr für die Forschung, erläutert Jakob Staude vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. „Auch auf die Gezeiten wirkt sie sich nicht aus.“ Das Zusammentreffen von Vollmond und Erdnähe könne aber immer zu extremen Gezeiten und einem erhöhten Risiko für Springfluten führen.

          Eine Mondfinsternis kann es nur geben, wenn sich Sonne, Erde und Mond in einer Reihe hintereinander befinden, also bei Vollmond. Da die Mondbahn etwas schief zur Erdbahn verläuft, wandert der Vollmond nicht jedes Mal durch den Kernschatten der Erde, sondern zieht meistens darüber oder darunter vorbei.

          Das gesamte Schauspiel könnte bei gutem Wetter zu einem alternativen „Fern-sehen“ verleiten. Falls jedoch ein geschlossener Wolkenvorhang den Himmel verhängt, müssen „Mofi“-Fans bis zum 28. Oktober warten. Dann beginnt die Finsternis allerdings erst in den frühen Morgenstunden.

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