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Sterbehilfe : Hilfe im Sterben, Hilfe zum Sterben

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In vielen Fällen besteht der angemessene Weg vielmehr in der Änderung des Therapieziels und im Übergang von einer Therapie, die nicht mehr heilen kann, zu palliativer Begleitung. Manche Patienten wählen intuitiv oder bewusst den Weg des Sterbefastens; wenn ärztliche Stimmen diese Entscheidung mit der Selbsttötung gleichsetzen, so ist die Absicht leicht zu erkennen, dem ärztlich assistierten Suizid den Weg zu ebnen.

Dennoch geht die Fokussierung der öffentlichen Diskussion auf die „aktive Sterbehilfe“ an der Wirklichkeit des Sterbens vorbei. Der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio schätzt, dass bis zu 90 Prozent der heutigen Sterbevorgänge zu Hause stattfinden könnten, von Hausärzten und gegebenenfalls Hospizhelfern begleitet. Ein Zehntel der Sterbenden ist auf spezialisierte palliativmedizinische, insbesondere schmerzlindernde Behandlung angewiesen. Auch diese kann meist im häuslichen Umfeld stattfinden. Nur in zwei Prozent der Fälle ist eine klinische Behandlung notwendig, die aber in der Sterbephase auch auf palliative Maßnahmen beschränkt sein müsste. Innerhalb dieses Bereichs sind die Fälle zu suchen, in denen das Krankheitsleid trotz schmerzlindernder Hilfe so unerträglich werden kann, dass Menschen dem Sterben durch die Selbsttötung zuvorkommen wollen.

Man könnte erwarten, dass die Zahl dieser Fälle dank der Fortschritte der Medizin geringer wird. Das ist jedoch nicht der Fall; denn mit der Weiterentwicklung therapeutischer Möglichkeiten wird auch die Grenze immer weiter hinausgeschoben, an der medizinisch der Übergang von der Therapie zur ausschließlich palliativen Schmerzlinderung vollzogen wird. Diese Grenze zu bestimmen ist schwieriger geworden; auch der Wunsch von Kranken oder Angehörigen, dass alles medizinisch Denkbare zur Lebenserhaltung getan wird, kann die Bestimmung dieser Grenze erschweren.

Doch die damit verbundene Unsicherheit löst bei Patienten zugleich die Angst aus, dass Therapien auch dann fortgesetzt werden, wenn eine Heilung nicht mehr erhofft werden kann. So kann es zu medizinischen Maßnahmen ohne eine entsprechende Indikation, zu „therapeutischem Übereifer“ kommen. Zu ihm trägt die Furcht vor dem Vorwurf bei, nicht genug versucht zu haben. Eine Rolle spielen kann auch das wirtschaftliche Interesse daran, aufwendige Therapien so lange wie möglich fortzusetzen. Gewiss ist angesichts der Fortschritte der Medizin die Grenze des medizinisch Notwendigen und Vertretbaren nicht leicht zu ziehen; doch im Bewusstsein dieser Schwierigkeit müssen Ärztinnen und Ärzte dazu ermutigt werden, dann, wenn nichts mehr geht, Menschen gehen zu lassen und ihrem Sterben Raum zu geben.

Papst Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika „Evangelium vitae“ von 1995 das Phänomen des „therapeutischen Übereifers“ ausdrücklich angesprochen und erklärt, dass der Verzicht auf „übereifrige“ Therapien von Akten der Sterbehilfe oder der Selbsttötung ethisch klar unterschieden werden muss. Doch man muss noch einen Schritt weiter gehen: Das ärztliche Handeln darf sich nicht länger von einem solchen Übereifer leiten lassen; denn Ärzte sind verpflichtet, nur solche Maßnahmen vorzunehmen, die unter den Gesichtspunkten der Dringlichkeit und der erwartbaren Wirkung medizinisch indiziert sind. Wenn niemand befürchten müsste, über das medizinisch indizierte Maß hinaus therapiert zu werden, würde auch die Angst zurückgehen, man könne in der Endphase seines Lebens nicht mehr Person, sondern nur noch Anhängsel therapeutischer Apparaturen sein. Wäre das gewährleistet, dann würde es auch um den assistierten Suizid wieder stiller.

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