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Sterbehilfe : Hilfe im Sterben, Hilfe zum Sterben

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Zwar wird zunächst eine Strafnorm eingeführt; doch das maßgebliche Thema bilden die Ausnahmen von der Strafbarkeit beziehungsweise von der Rechtswidrigkeit. Deshalb ist es verständlich, wenn die Bundestagsabgeordneten Hintze, Lauterbach und Reimann das Thema aus dem Zusammenhang des Strafrechts herausnehmen wollen, um es im Umkreis der Bestimmungen über die Patientenverfügung im Bürgerlichen Gesetzbuch zu verankern. Das hätte allerdings zur Folge, dass damit das Verbot der organisierten Suizidassistenz vollständig entfällt.

Was allenfalls in Grenzfällen auf Grund einer Gewissensprüfung des Arztes in Frage kommen kann und immer den Charakter des Wagnisses behalten wird, soll nun bis ins Einzelne geregelt und rechtlich abgesichert werden. Das Denken in Kategorien der Sicherheit und der Versicherung soll sich auch dieser äußersten Grenzregion bemächtigen. Was allenfalls als Ausnahme auf Grund einer persönlich verantworteten Entscheidung in Frage kommen kann, soll rechtlich geregelte Normalität werden.

Schlüge man einen solchen Weg ein, so nähme man in Kauf, dass er früher oder später auch zu Ende gegangen wird. Der Schritt von der ärztlichen Assistenz beim Suizid zur ärztlichen Tötung auf Verlangen ist nicht groß. Auch wer es ablehnt, bioethische Debatten unter der Annahme des schlimmsten Falls zu führen, kann die Augen vor der schiefen Ebene nicht verschließen, die sich hier auftut.

Wenn einstweilen nur gefordert wird, die ärztliche Assistenz beim Suizid rechtlich zu regeln und nicht auch die Tötung auf Verlangen zuzulassen, so steht die deutsche Rechtslage im Hintergrund. Um die Tötung auf Verlangen zuzulassen, muss der Gesetzgeber einen Straftatbestand aufheben. Um die Assistenz des Arztes bei der Selbsttötung zu regeln, muss dagegen nur ein strafrechtlich nicht verbotenes Handeln legal ausgestaltet werden. Die Differenz zwischen diesen beiden Handlungsformen markiert die „Tatherrschaft“: Bei der assistierten Selbsttötung liegt sie beim Suizidanten, bei der ärztlichen Tötung auf Verlangen dagegen beim Arzt.

Doch der Verweis auf diese scheinbar klare Grenzziehung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf den ersten Schritt leicht der zweite folgen wird. Der Übergang ist schon deshalb gleitend, weil die öffentliche Meinung zwischen beiden Handlungsformen kaum unterscheidet; trotz aller Einsprüche gegen diese Nomenklatur fasst sie beides unter den Begriff der „aktiven Sterbehilfe“. Fragt man bei den Befürwortern der „aktiven Sterbehilfe“ genauer nach, so zeigt sich, dass sie es lieber hätten, wenn sie nicht selbst Hand an sich legen müssten. Viele würden die „Tatherrschaft“ gern dem Arzt überlassen.

Nicht nur aus diesem Grund führt die Debatte in den Kernbereich des ärztlichen Ethos. Das zeigt sich noch deutlicher an der Frage, womit die anhaltende Konzentration auf die „aktive Sterbehilfe“ zu erklären ist. Wenn Menschen ihrem Leiden ein Ende bereiten wollen, die von einer unheilbaren Krankheit geplagt sowie durch Schmerzen und andere Folgen der Krankheit gepeinigt sind, so ist diesem Wunsch mit Respekt zu begegnen. Doch nur in seltenen Fällen führen Krankheitsverläufe tatsächlich in eine solche Situation; noch seltener ist es, dass nur die assistierte Selbsttötung als Ausweg bleibt.

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