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Flüchtlingshilfe in Witten : Integration per App

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Wo bin ich? Das Smartphone weiß bei dieser Frage meistens Rat. Bild: AP

Die Stadt Witten gibt ein Beispiel für moderne Flüchtlingshilfe. Eine App hilft, sich in der fremden Umgebung zurechtzufinden, und fasst alle Angebote übersichtlich zusammen. Andere Städte zeigen bereits Interesse an dem Projekt.

          So überschaubar der Besitz von Flüchtlingen ist, wenn sie Deutschland erreichen – ein Smartphone haben sie oft dabei. Die Stadt Witten möchte genau das nutzen, um Asylbewerber besser zu betreuen. Eine App soll helfen, Flüchtlingen Orientierung in der fremden Umgebung zu geben und sie in den Stadtalltag zu integrieren. „Wir wollen die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abholen“, erklärt Astrid Raith, die in der 100.000-Einwohner-Stadt im Ruhrgebiet für e-government verantwortlich ist. Und mit einer App könnten viele mehr anfangen, als mit einer achtundzwanzigseitigen Broschüre.

          Die Grundlage für die Idee lieferte das Unternehmen CityGuide, das kürzlich eine Tourismus-App für Witten erstellte. Diese zeigt auf einer Karte, wo das nächste Restaurant ist, wo ein nettes Hotel oder eine interessante Sehenswürdigkeit, und navigiert den Nutzer direkt zum Ziel. Warum, dachte sich Astrid Raith, die Informationen aus der Flüchtlingsbroschüre nicht einfach auch dort einpflegen?

          CityGuide zeigte sich von der Anfrage begeistert und nahm die Erweiterung der App auf eigene Kosten vor, wie Raith schildert: „Zwischen Anfrage und der ersten Version vergingen nicht einmal 24 Stunden.“ Jetzt können im Unterpunkt „Soziales Engagement“ die Anlaufstellen sowie aktuelle Angebote und Anfragen eingesehen werden: Wo werden Sprachkurse angeboten, wo kann man übernachten, wo gibt es etwas zu essen und woher bekommt man günstige Kleidung und Möbel? Und das nicht nur auf Deutsch sondern auch auf Englisch, Französisch und Arabisch.

          Und schon gibt es Nachahmer

          Dass die App in Witten ein Erfolg werde könnte, liegt auch daran, dass in der Stadt an vergleichsweise vielen Orten freizugängliches WLAN angeboten wird. Sogar die Bürgermeisterin hat einen Freifunk-Router in ihrem Büro stehen. Das sei ein glücklicher Zufall gewesen, sagt Raith. Man könne schließlich nicht davon ausgehen, dass Flüchtlinge über einen deutschen Handyvertrag verfügten.

          Schon am ersten Tag hätten mehr als 100 Nutzer auf die Flüchtlingsapp zugegriffen, sagt Raith, will aber noch mehr erreichen: „Wir müssen noch mehr Aufmerksamkeit auf die App lenken. Und es schaffen, Angebote und Anfragen minutengenau einzustellen.“ Nur dann könnten schnelle Hilfe gewährleistet und spontane Gemeinschaftsaktionen umgesetzt werden. Ein Fußballspiel zum Beispiel. Oder das Ausleihen eines Kinderwagens für denselben Nachmittag.

          Andere Städte ließen sich von dem Projekt schon inspirieren. Die Piratenfraktionen in Aachen und Köln haben etwa Ratsanträge eingereicht. Sie wollen prüfen lassen, ob eine solche App auch bei ihnen umsetzbar ist.

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