https://www.faz.net/-gum-3xec

Wissenschaft : Seltene Mittelmeerpflanze lockt Schmeißfliegen mit Aasgestank

  • Aktualisiert am

Die weiblichen Schmeißfliegen gehen der Pflanze auf den Leim, weil sie bei dem Gestank nach Pferdekadaver eine Brutstätte für ihre Eier suchen.

          2 Min.

          Eine seltene Mittelmeerpflanze aus der Familie der Aronstabgewächse lockt Schmeißfliegen mit Aasgestank an, um sie für ihre Fortpflanzung einzuspannen.

          Die Fliegen werden von der eigenartigen Drachenwurz-Art mit dem Gestank verrottenden Pferdefleisches verführt und für die Dauer der Befruchtung im Pflanzeninneren gefangen gehalten, wie das britische Wissenschaftsmagazin „Nature“ in seiner jüngsten Ausgabe berichtet. Die weiblichen Schmeißfliegen gehen der Pflanze mit dem Namen Helicodiceros muscivorus auf den Leim, weil sie eine Brutstätte für ihre Eier suchen. Dafür bevorzugen sie Kadaver im Verwesungsstadium.

          Fliegen als Dienstleister wieder Willen

          Das nichtsahnende Insekt krabbelt mit seinen behaarten Beinen und dem bereits mit Pollen einer anderen Pflanze bestäubten Körper in den Kessel des röhrenartigen Aronstabgewächs, aus dem ihm unwiderstehlicher Aasgeruch entgegenströmt. Es gelangt in eine Kammer mit weiblichen Blüten. In diesem Moment verschließen Stacheln und Netze den Ausgang. Die gefangene Schmeißfliege versucht verzweifelt, aus der Falle zu kommen und befruchtet bei ihren Bewegungen die Blüten. Die Falle bleibt jedoch geschlossen, bis die männlichen Blüten weiter außen Pollen produzieren. Wenn die Fliege endlich wieder in die Freiheit gelangt, wirbelt sie mit ihren Flügeln neue Pollen an ihren Körper, so dass das Spiel von Neuem beginnen kann.

          Um die Vorgänge genau zu verstehen, verglichen Forscher der Schwedischen Universität für Landwirtschaft und der Universität Cagliari in Italien die chemische Zusammensetzung des pflanzlichen Geruchsstoffes mit der von verrottendem Pferdefleisch. Dabei stellten sie ein nahezu identisches Cocktail mit drei komplexen Schwefelmolekülen fest. Während der Geruch des verrottenden Fleisches für Menschen Ekel erregend ist, hat er für Schmeißfliegen etwas Betörendes. Die Wissenschaftler vermuten, dass Helicodiceros muscivorus darüber hinaus die Fähigkeit ausgeprägt hat, die Fliegen mit optischen Eindrücken und künstlich erzeugter Wärme anzulocken.

          Drachenwurz stinkt zum Himmel

          Die Drachenwurz-Pflanze, deren Geheimnis nun gelüftet wurde, kommt vor allem auf den Balearen, Korsika und Sardinien vor. Sie ist eine seltene Verwandte der auch in Deutschland bekannten Arten Aronstab, Flamingoblume und des als Zimmerpflanze kultivierten Aronkelchs („Zimmer-Calla“). Größter Verwandter ist die beinahe drei Meter hohe Titanenwurz (Amorphophallus titanum) aus Sumatra: Die größte bekannte Blütenpflanze der Welt wird in Botanischen Gärten gehalten - etwa in Bonn, wo ihre nur alle paar Jahre auftretende Blüte zwar einen nahezu unerträglichen Gestank verbreitet, dennoch aber jedes Mal Tausende Besucher anlockt.

          Weitere Themen

          Polizei nimmt sechs Verdächtige fest

          Bluttat von Augsburg : Polizei nimmt sechs Verdächtige fest

          Auf offener Straße und vor den Augen seiner Frau wird ein Mann bei einem Streit mit jungen Männern angegriffen und stirbt. In Augsburg ist die Trauer groß. Nun meldet die Polizei mehrere Fahndungserfolge.

          Tote bei Fabrikbrand Video-Seite öffnen

          Neu Delhi : Tote bei Fabrikbrand

          Bei einem Brand in einer Fabrik im indischen Neu Delhi sind in der Nacht zu Sonntag mehrere Menschen gestorben. Dutzende Menschen konnten gerettet werden, erlitten aber zum Teil starke Rauchverletzungen.

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.