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Winterwetter : Wärmer, aber noch eiskalt

  • Aktualisiert am

Auf der kleinen Ostseeinsel Ruden Bild: dpa

Der Frost in Deutschland lässt etwas nach, aber Plusgrade sind weiter nicht in Sicht. Im Osten Europas, aber auch in Italien, erfrieren immer mehr Menschen.

          2 Min.

          Die Minusgrade in Deutschland haben die Nordseeinsel Spiekeroog vom Fährverkehr abgeschnitten. Sie wird seit Mittwoch aus der Luft versorgt. Am kältesten war es am Mittwoch in Oberstdorf (Bayern) mit einer Nachttemperatur von 23 Grad. Die Kältewelle in Europa trieb den Heizölpreis in Deutschland auf den höchsten Stand seit Sommer 2008. Wegen Treibeises ist auch die Elbe seit Dienstagabend von der tschechischen Grenze bis nach Hamburg komplett für den Schiffsverkehr gesperrt. In der Bilsteinhöhle bei Warstein wachsen Stalagmiten aus Eis aus dem Boden. Die große Kälte am Höhleneingang lässt hier von der Decke tropfendes Wasser so schnell gefrieren, dass die Eiszapfen bis zu zehn Zentimeter am Tag in die Höhe wachsen.

          Der Frost in Deutschland hat etwas nachgelassen, aber Plusgrade sind vorerst nicht in Sicht. „Das Bibbern geht weiter“, sagte Meteorologin Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst am Mittwoch. Nach wie vor bestimme Russland-Hoch „Dieter“ mit frostigen Temperaturen das Wetter. Für die kommenden Tage seien höchstens minus ein bis minus zehn Grad am Tag und bis minus 16 Grad in den Nächten zu erwarten. Frühestens in der nächsten Woche könnte tagsüber vielleicht einmal die Null-Grad-Marke geknackt werden, sagte Speicher.

          Eis-Stalagmiten in der Bilsteinhöhle bei Warstein Bilderstrecke
          Eis-Stalagmiten in der Bilsteinhöhle bei Warstein :

          Die Archäologen in Deutschland haben sich in ihre Winterquartiere zurückgezogen. Spätestens seit Einbruch der Frostperiode seien keine Erdarbeiten mehr möglich, sagte Andreas Thiedemann vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Wie jeden Winter nutzten die Wissenschaftler die kalte Zeit dazu, die im Sommer gemachten Ausgrabungen zu reinigen, zu katalogisieren und Berichte zu schreiben. Mit bis zu minus 28 Grad war die Nacht zum Mittwoch die bislang kälteste im Gebiet Moskau in diesem Jahr. Am Schwarzen Meer deckte derweil ein Wirbelsturm zahlreiche Häuser ab und knickte Strommasten um, so dass mehr als 10.000 Menschen ohne Strom ausharren musten. Seit Beginn der Kälte sind nach offiziellen Angaben in Russland 64 Menschen erfroren.

          Das Gesundheitsministerium in der Ukraine gab die Zahl der Kälteopfer mit mindestens 135 an. Mehr als 2400 Menschen liegen mit Erfrierungen in Krankenhäusern. Eisschollen legten die Schifffahrt auf der Donau in Bulgarien lahm. Der Fluss sei bei der Stadt Russe sowie weiter östlich zu 90 Prozent zugefroren, teilte die bulgarische Donaubehörde mit. Nach Medienberichten erfroren bislang mindestens elf Personen. In Rumänien starben seit Ausbruch des Extremfrosts 41 Personen, im ganzen Land blieben zahlreiche Schulen geschlossen, weil Heizungen nicht funktionierten und Straßen nicht zu befahren waren. In der Tschechischen Republik erreichte die Zahl der Toten 20. Einen abermaligen Kälteeinbruch erwarten die Meteorologen in Prag für das Wochenende. Dann könnte der Kälterekord von minus 42,2 Grad aus dem Jahr 1929 geknackt werden.

          In Italien stieg die Gesamtzahl der Kälteopfer nach Behördenangaben auf 40. Am Gardasee wurden minus 25 Grad gemessen, selbst im Süden des Landes schneite es heftig. In der Stadt L’Aquila in den Abruzzen, die 2009 von einem Erdbeben zerstört wurde, fürchteten die eingeschneiten Bewohner eine Lebensmittelknappheit. Zugleich meldeten sie, ausgehungerte Wölfe seien im nahegelegenen Dorf Trasacco gesehen worden.

          Papst Benedikt XVI. betet für die Opfer der Kältewelle in Europa und fordert zu Hilfe auf. Nach der Generalaudienz sagte Benedikt am Mittwoch in Rom, er stehe allen nahe, die in diesen Wochen unter der starken Kälte mit Eis und Schnee leiden müssten. Gleichzeitig rief er zur Solidarität auf, damit denen geholfen werden könne, die von dem Wetter besonders hart getroffen seien.

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