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Winterwetter : Und immer wieder büxt das Heck aus

  • -Aktualisiert am

Am besten schippt jeder vor dem eigenen Wagen Schnee Bild: AP

Die Dienstfahrt beginnt um 5.16 Uhr in der Taunusstadt Friedrichsdorf. Das Ziel ist Goslar im Harz. Wegen des Wetters und widriger Umstände endet die "Dienstfahrt zum 42. Deutschen Verkehrsgerichtstag" um 8.59 Uhr am Frankfurter Schreibtisch.

          5 Min.

          Um zehn Uhr wird dort der 42. Deutsche Verkehrsgerichtstag eröffnet. Bei normalem Verkehr und zügigem Fahren sind das zweieinhalb Stunden, aber heute muß es früher losgehen, wegen des Schnees. Der Schnee liegt reichlich, der Schnee fällt reichlich. Die Auffahrt auf die Autobahn 5 in Richtung Kassel ist nach zwölf Minuten erreicht, in den Kurven mehr schlitternd als schleichend. Auf der rechten der drei Spuren muß vor etwa einer halben Stunde ein Räumfahrzeug unterwegs gewesen sein, die beiden linken sind dick verschneit. Nur Lastwagen auf der Piste. Die drei Gegenfahrbahnen in Richtung Frankfurt liegen schneeweiß, aber leer und ausgestorben in der Finsternis.

          Auf 80 Kilometer in der Stunde beschleunigen, hinter den Lastwagen da vorn setzen. Wenn er bremst, spielen die roten Lichter Feuerwerk mit den Schneeflocken. Er bremst selten, hinter ihm ist gemütlich durchs Dunkel fahren. Aber die Durchschnittsgeschwindigkeit. 36 Kilometer in der Stunde. Wenn das so bleibt, wird es nichts mit dem Bericht vom 42. Deutschen Verkehrsgerichtstag. Um kurz vor sechs Uhr eine altbekannte Baustelle, nur zwei enge verschneite Spuren, die der Lastwagen in der Mitte ausfüllt. Überholen kann ihn jetzt ohnehin niemand. Auf die Sekunde genau beim Einfahren in die Baustelle wirbelt der Schnee so dicht, daß Schritt fahren geboten ist. Der Lastwagen kriecht eine leichte Steigung hinauf. Fast hat er sie geschafft, da bremst er, läßt los, bremst wieder, rutscht, bremst, rutscht - und steht. 6.02 Uhr. Im Wagen ist es plötzlich heiß geworden. Die Fahrt zum 42. Deutschen Verkehrsgerichtstag ist unterbrochen. Feststellbremse, Motor aus. Die Verkehrsmeldungen im Radio sind derweil länger als die munteren Frühaufstehersongs: überall Schnee, Schnee und querstehende Lastwagen und Stauungen. Auch zahlreiche Unfälle, aber meist nur Blechschäden.

          „Der ist doch tapfer“

          Der starre Tunnelblick auf das rutschende Lastwagenmonstrum im Flockenwirbel öffnet sich allmählich wieder fürs Drumherum. Auch läßt das Schneetreiben nach. Aussteigen, ein Blick nach vorn. Da rackert sich ein Lastwagenfahrer damit ab, sein Fahrzeug - es hat nichts geladen und rutscht deshalb besonders gut - die letzten paar Meter auf die Kuppe hochzuquälen. Aber er packt's nicht, trotz heulenden Motors. Immer wieder büxt das Heck aus, oder das Führerhaus geht zur Seite weg. Zwei Lastwagenfahrer stehen auf der Gegenfahrbahn und flachsen: "Vielleicht sollte ich ihm 'nen Sack Salz verkaufen." - "Ach, komm, der ist doch tapfer, der versucht's doch wenigstens immer wieder."

          Wieso stehen die Männer eigentlich auf der Gegenfahrbahn? Ach ja, tatsächlich, die drei Gegenfahrbahnen nach Frankfurt sind wieder voll Autos. Sie stehen aber alle. Vorn in der Mitte sperrt ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht die Durchfahrt. Noch ein paar paar Meter weiter lehnt die Ursache schräg an der niedrigen Trennwand zwischen den Fahrbahnen, ein Vierzigtonner. Aus der Nähe zeigt sich, daß die Zugmaschine des Lastwagens vorn rechts von der Stoßstange bis zum Dach des Führerhauses eingedrückt ist. Der 34 Jahre alte Fahrer steht daneben, gottlob unverletzt, während zwei Bergungsdienstmänner letzte Vorbereitungen zum Abschleppen auf abschüssiger Schneepiste treffen. Der Lastwagen hängt schon am gewaltigen Haken, mit den Vorderrädern der Zugmaschine in der Luft.

          „Die Dinger in der Mitte halten besser“

          Der Fahrer erzählt: "Ich bin gegen vier Uhr hier über die Kuppe gekommen. Es war ganz dichtes Schneetreiben. Da sehe ich unten den Stau. Da war ein Unfall. Ich hab' versucht, das Ding zum Stehen zu bringen, aber vierzig Tonnen schieben. Ich hab' nur noch gebrüllt: ,Bleib stehen, bleib doch stehen' und festgehalten, aber vor mir war der Lastwagen, der ist jetzt schon weg, da bin ich rein und dann nach links. Ich hab' für 'nen Moment noch gedacht, sollst du rechts weg, aber da wär' ich die Böschung runter. Dann dachte ich, du durchbrichst das Mäuerchen und kriegst ihn irgendwie auf der Gegenseite zum Stehen. Aber die Dinger in der Mitte halten besser, als ich dachte."

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