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Winterchaos : Schneemassen legen Verkehr in Europa lahm

  • Aktualisiert am

Vereist: Nicht nur am Flughafen Frankfurt ging zeitweise nichts mehr Bild: dapd

Genervte Fluggäste, verschneite Landebahnen, gestresstes Personal - der Winter hat am Sonntag abermals für chaotische Verkehrsverhältnisse gesorgt. Unzählige Flugzeuge blieben am Boden, Züge waren überfüllt. Und ein Ende der Geduldsprobe zeichnet sich nicht ab.

          Eine knappe Woche vor Weihnachten haben neue starke Schneefälle in vielen Teilen Europas zu Hunderten von Flugausfällen, Verspätungen bei der Bahn und kilometerlangen Staus auf den Straßen geführt. Der größte Londoner Flughafen Heathrow wurde am Sonntag für Landungen gesperrt, in Frankfurt wurden ein Drittel, am Pariser Flughafen Charles de Gaulle ein Viertel aller Flüge annulliert. Tausende Passagiere mussten warten und teilweise in Feldbetten übernachten. Entwarnung ist nicht in Sicht: Für die kommende Woche sind teils ausgiebige Schneefälle angesagt.

          Besonders schwer war am Wochenende Europas größter Passagierflughafen London-Heathrow betroffen, der schließlich sogar geschlossen wurde. Auch der Betrieb an den Flughäfen in Lüttich und Charleroi sowie in Luxemburg wurde zeitweise eingestellt. Heathrow sollte am Montag wieder öffnen. Zunächst aber saßen allein in London tausende Passagiere am Flughafen fest. Fluggäste schliefen unter Isolierfolien auf dem harten Fußboden im Transitbereich. Die Schließung des Drehkreuzes hatte Auswirkungen auf viele Fluggäste aus aller Welt, die von Heathrow nicht mehr weiterkamen oder gar nicht erst starten konnten. So bereiteten sich in Brüssel 1500 Passagiere auf eine zweite Nacht im Terminal vor, weil ihre Anschlussflüge nicht starteten. Der starke Schneefall brachte am Sonntag auch den Straßenverkehr im südlichen Teil Belgiens komplett zum Stillstand. Auch auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle sorgten Schnee und Eis für Ausfälle und Verspätungen. Die Behörden empfahlen den Fluggesellschaften, 40 Prozent der Flüge am Sonntag zu streichen. Am Samstag waren etwa 5000 Passagiere wegen des Winterwetters von London nach Paris umgeleitet worden. Mehrere Hundert von ihnen verbrachten die Nacht auf dem Flughafen. Im Nordosten Frankreichs fiel in 16 000 Haushalten der Strom aus.

          Diverse Fluggesellschaften rieten ihren Passagieren, auf Züge umzusteigen. „Die Flugpläne sind völlig durcheinander“, sagte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens. Hier wurden bis Sonntagabend knapp die Hälfte der rund 1300 Flüge gestrichen. Tausende Reisende stauten sich in den beiden völlig überfüllten Terminals. Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport bezeichnete die Lage am Sonntag aber als „insgesamt geordneter“ als noch am Tag zuvor. Am Samstag hatten endlose Schlangen vor der Gepäckabfertigung zu chaotischen Zuständen geführt. Die Polizei musste einschreiten, weil einige seit Stunden festsitzende Reisende die Nerven verloren hatten.

          Auch das Umsteigen auf die Bahn hat Tücken: Viele Zügen sind verspätet

          Massenhaft Flugausfälle

          Auch der Flughafen in München hat nach zahlreichen Annullierungen in den vergangenen weiterhin mit dem Schnee zu kämpfen. Wegen der Räumungsarbeiten war der Betrieb bereits am Sonntagmorgen eingeschränkt, wie ein Sprecher des Flughafens erklärte. Rund 50 Flüge wurden gestrichen. In Hamburg fielen 40 Flüge aus. Im Laufe des Tages werden noch mehr Ausfälle erwartet, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Vor allem die Flüge aus und zu den verschneiten Flughäfen von London, Paris, Amsterdam und Frankfurt wurden gestrichen. Der Flughafen in Hannover-Langenhagen wurde am Sonntagmorgen für eine Stunde geschlossen, um die Landebahn vom Schnee zu befreien. Es gebe einige Verspätungen, aber kein Chaos oder Tumulte, sagte ein Sprecher.

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