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Winterchaos : Schneemassen legen Verkehr in Europa lahm

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Auch bei der Bahn sah es nicht viel besser aus: Viele Züge waren überfüllt, verspätet oder fielen aus. Die Deutsche Bahn empfahl, für Sonntagnachmittag geplante Zugfahrten zu verschieben. In einer ungewöhnlichen Aktion riet die Deutsche Bahn von Zugreisen am Sonntagnachmittag ab: Wegen der schwierigen Straßenverhältnisse und der vielen Flugausfälle sei mit „Kapazitätsengpässen“ zu rechnen. Reisende sollten, wenn möglich, auf „weniger nachgefragte Zeiten“ wie den Morgen oder Abend ausweichen, hieß es. Außerdem reduzierte die Bahn die Höchstgeschwindigkeit ihrer Züge auf einigen Strecken auf 160 Stundenkilometer, wie das Unternehmen am Sonntag mitteilte. Im restlichen deutschen Fernverkehrsnetz gelte die bereits reduzierte Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern.

Durch die geringere Geschwindigkeit werde verhindert, dass von der Wagenunterseite herabfallende Eisklumpen Schottersteine hochwirbelten und dabei gravierende Schäden an den Fahrzeugen verursachten. Daher komme es weiterhin zu teilweise erheblichen Verspätungen und einigen Ausfällen. Die Vorsorgemaßnahme verhindere den großflächigen Ausfall von Zügen.„Wir bitten um Ihr Verständnis“, notiert das Unternehmen zudem auf seiner Homepage. Der Deutsche Wetterdienst hat in seiner aktuellen Prognose neue Schneefälle vorhergesagt.

Wenig Hoffnung auf schnelle Besserung

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) macht unterdessen wenig Hoffnung auf eine baldige Besserung der Lage: Auch in den kommenden Tagen soll es weiter kräftig schneien, von Süden rückt aber mildere Luft heran. Die wärmere Front werde voraussichtlich in der Nacht zum Donnerstag Flensburg erreichen. Der Schnee könne zunehmend in Regen übergehen und auf den frostigen Straßen gefrieren. „Also wenig Vergnügen für Autofahrer in den betroffenen Gebieten“, warnten die Meteorologen.

Frankreich, Belgien und Luxemburg sperrten am Sonntagabend ihre an den Autobahnen liegenden Grenzen für schwere Lastwagen. Das Verbot gilt für Fahrzeuge mit über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht, wie die Polizei in Trier mitteilte. Auch im Regierungsbezirk Köln mussten Lastwagenfahrer die Nacht auf den Autobahn-Rastplätzen verbringen. Am Abend wurde dort ebenfalls ein Fahrverbot für schwere LKW erlassen, wie die Kölner Autobahnpolizei meldete.

Mehrere Politiker forderten unterdessen eine Schneekettenpflicht für Lastwagen. „Es kann nicht sein, dass liegengebliebene Lkw im Winter die Autobahnen verstopfen“, sagte der Verkehrsexperte der SPD- Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, den Zeitungen der WAZ- Mediengruppe. In einer Verordnung müsse festgeschrieben werden, dass Lastwagenfahrer Schneeketten dabei haben, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann. Der Auto Club Europa (ACE) stellte sich allerdings gegen diese Forderungen. „Dann machen die Ketten den Asphalt kaputt, und der Asphalt macht die Ketten kaputt“, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner.

Debatte über Schneekettenpflicht

„Wir versuchen alles zu tun, aber wenn man kein Geld hat, wird man teilweise den Winterdienst einschränken“, warnte auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg. Schon jetzt werde auf einigen Nebenstraßen nicht mehr gestreut. „Die Bürger werden sich wahrscheinlich daran gewöhnen müssen, wie in skandinavischen Ländern, dass man auch auf einer festgefahrenen Schneedecke fahren kann“, sagte Landsberg. „Eine andere Alternative sehe ich zurzeit nicht.“

Der Streusalz-Hersteller K+S schließt Lieferengpässe wie im vergangenen Winter nicht mehr aus. „Wir produzieren an allen Standorten rund um die Uhr“, sagte Konzernchef Norbert Steiner der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Wer es am Wochenende in die Urlaubsorte schaffte, konnte hingegen die schönen Seiten des Winters genießen: Auf dem Brocken im Harz wurden 143 Zentimeter Schnee gemessen, auf dem Fichtelberg im Erzgebirge 133 Zentimeter, dem Großen Arber im Bayerischen Wald 122 Zentimeter.

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