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Winnenden : Eine mittelalterlich geprägte Stadt

Stolz, so heißt es, erinnerten sich viele Winnender an die Olympischen Spiele 1992, als „das eine oder andere Mal unsere Stadt erwähnt wurde.“ Schon seit dem Jahr 1969 unterhält Winnenden mit Albertville eine Städtepartnerschaft.

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          Stolz, so heißt es auf der Internetseite der Albertville-Realschule, erinnerten sich viele Winnender an das Jahr 1992, als während der Fernsehübertragungen der XVI. Olympischen Winterspiele „das eine oder andere Mal unsere Stadt erwähnt wurde“. Albertville, in den französischen Alpen im Département Savoie gelegen, ist mit 20.000 Einwohnern nur wenig kleiner als das 20 Kilometer nordöstlich von Stuttgart gelegene Winnenden – mit 28.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt im Rems-Murr-Kreis. Schon seit dem Jahr 1969 unterhält Winnenden mit Albertville eine Städtepartnerschaft.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Geschichte der Stadt am Rande des Schwäbischen Waldes beginnt im Jahr 1181: Gottfried von Schauenburg-Winnenden wird als Zeuge in einer Urkunde Kaiser Friedrich I. erwähnt. Der Erbe des südlichen Teils der Herrschaft Wolfsölden mit dem Hauptort Winnenden errichtete damals wohl auch die Burg „Windin“ im heutigen Stadtteil Bürg. Mittelalterlich geprägt, ist der Altstadtkern bis heute. Fachwerkhäuser stehen neben Bürgerhäusern aus der Barockzeit, sehenswert sind das Residenzschloss der Herren von Württemberg-Winnenthal (die Hirschstangen im Stadtwappen symbolisieren die frühere Zugehörigkeit zum Herzogtum Württemberg) und der Schwaikheimer Torturm, das Wahrzeichen der Stadt. Im Grußwort weist Oberbürgermeister Bernhard Fritz noch auf ein besonderes Kleinod hin: den Jakobus-Altar aus dem 16. Jahrhundert in der Schlosskirche.

          Geprägt von kleinen und mittelständischen Betrieben

          Robert Boehringer (1884 bis 1974), Chemiker und Großindustrieller, stammt aus Winnenden und ist einer der Ehrenbürger der Stadt, der Dichter Nikolaus Lenau (1802 bis 1850) lebte eine Zeitlang im Ort – als Patient der Nervenheilanstalt Winnenthal, die seit 1834 im Schloss untergebracht war. Im Park des heutigen Zentrums für Psychiatrie (mit 400 Betten) befindet sich ein ungewöhnliches Denkmal: Es ist dem Mops von Herzog Karl Alexander von Württemberg (1684 bis 1737) gewidmet. Der Hund soll bei der Schlacht um Belgrad im Kampfgetümmel gegen die osmanischen Truppen im Jahr 1717 den Kontakt zu seinem Herrchen verloren haben und allein zum Schloss Winnenthal zurückgelaufen sein.

          Die Wirtschaft des Rems-Murr-Kreises ist geprägt von kleinen und mittelständischen Betrieben. Bislang profitierte Winnenden von der Nähe zur Landeshauptstadt Stuttgart – es gibt viele Zulieferfirmen für die Autoindustrie. Die Arbeitslosenquote lag mit rund fünf Prozent in den vergangenen Jahren meist unter dem Landesdurchschnitt. Bekanntestes Unternehmen am Ort dürfte der Reinigungsgerätehersteller Alfred Kärcher GmbH & Co. KG sein.

          Realschule Winnenden I im Bildungszentrum II

          Zwei Gymnasien, eine Hauptschule (benannt nach Boehringer), mehrere Grund- und zwei Realschulen gibt es in der Großen Kreisstadt Winnenden: die Geschwister-Scholl-Realschule und die Albertville-Realschule, in der sich am Mittwoch der Amoklauf ereignete. Bis 1980 hieß die Einrichtung „Realschule Winnenden I im Bildungszentrum II“, erst danach bekam sie den Namen der Partnerstadt. Nach Angaben des Kultusministeriums Baden-Württemberg sind 580 Schüler an der Albertville-Realschule angemeldet. Sie hat 20 Klassen und 32 Lehrer.

          Erst im vergangenen Jahr hat eine „Homepage-AG“ den Internetauftritt der Schule eingerichtet, für den die Schüler selbst redaktionelle und, wie es heißt, „vor allem aktuelle Texte schreiben können“. Ein virtueller Rundgang führt durch die Schule, auch der Förderverein stellt sich gesondert vor. Er finanziert zum Beispiel Projekte wie die „Aktion sauberes Klassenzimmer“, „Schuldenprävention Klasse 9“ oder den „Preis für besondere Leistungen in Fremdsprache Klasse 10“.

          „Streit muss nicht sein!“

          Eine Internetseite ist dem Schulprogramm gewidmet, darin heißt es: „Die Albertville-Realschule hat ein Schulcurriculum erstellt, das dazu beitragen soll, die Schüler und Schülerinnen zu handlungskompetenten verantwortungsbewussten jungen Menschen zu erziehen, die gut vorbereitet sind für Beruf und Leben in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft.“

          Unter dem Motto „Streit muss nicht sein!“ wurden jüngst sieben Streitschlichter berufen, die beim Lösen von Konflikten helfen sollen und in jeder Pause zu gemeinsamen Gesprächen einladen. Zudem stand ein Schüleraustausch unmittelbar bevor: Vom 15. bis 24. März wollten einige Jugendliche nach Albertville reisen.

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